Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Colonia Liebig: Fleischextrakte und Yerba-Mate

Die Colonia Liebig in der Provinz Corrientes ist noch heute eine produzierende Genossenschaft für Mate-Tee. Ihre Geschichte  geht zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

Die Provinz Corrientes ist für ihre deutschen Einwanderer bekannt. Sie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts nach Argentinien, um den wirtschaftlichen Bedingungen und ärmlichen Verhältnissen des Nachkriegs-Deutschland zu entfliehen.

Mate-Tee der Colonia Liebig

Mate-Tee der Colonia Liebig (foto: fernlokal)

Bevor die Colonia Liebig für ihre Yerba Mate-Produktion bekannt wurde, zog ein anderes Produkt die Menschen in die Region: Fleischextrakte. Die Colonia Liebig wurde 1924 gegründet. Sie bildete sich zu der Zeit des großen Stroms deutscher Einwanderer nach Argentinien. Circa 300 Personen aus 60 deutschen Migranten-Familien lebten in der Kolonie. Namensgeber war der deutsche Chemiker Justus Liebig, der in Deutschland unter anderem mit der Herstellung von Fleischextrakten Aufmerksamkeit erregt hatte.  Viele Migranten blieben trotz einfacher und oftmals schwieriger Lebensverhältnisse dort, mit vielen Personen auf engem Raum, ohne Strom und fließend Wasser, weil ihnen die Niederlassung von Liebig-Fleischextrakt Arbeit und Land brachte.

Video über das heutige Pueblo Liebig und seine ehemalige Fleischextraktfabrik (spanisch)

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Kurz notiert: Bob Marley und sein BMW

Bob Marley wäre heute 65 Jahre alt geworden. Seine Musik machte ihn weltbekannt. In Kingston, Jamaica, kann fast jedes Kind ein Lied von ihm anstimmen. Er wird verehrt wie ein Heiliger. Ein Besitzstück Bob Marleys hat immer wieder Gerüchte hervorgerufen: sein BMW.

Was machte der King of Reggae mit spiritueller Lebensführung mit einem Auto deutscher Baumarke? Als musikalischer Aufsteiger, Vorreiter der Reggae-Musik und aktives Mitglied der Rastafari-Gemeinschaft beteuerte Bob Marley jedoch, dieses Auto stünde ausschließlich für seine Band „Bob Marley and The Wailers“.  Er hätte sonst keinen Grund, ein teures Auto zu besitzen. Immer wieder wird dem Akronym BMW auch ein Bezug zum Begriff “black man working” zugeschrieben, weil die Automarke bei der us-amerikanischen dunkelhäutigen Bevölkerung offensichtlich beliebt sein solle. Marley selbst war eine Zeitlang als Fabrikarbeiter in den USA tätig. Im Jahr 1981 verstab er aufgrund schwerer Tumorerkrankungen.

Bob Marleys Haus - Jamaica (Foto: ianhampton)

(jja)

Bild: ianhampton

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Symbol des iranischen Widerstands: Neda in Deutschland

Das Bild von Neda, der während der Unruhen im Iran erschossenen Studentin, wurde 2009 zum Symbol des iranischen Widerstands und über soziale Netzwerke und später die klassischen Medien in der ganzen Welt verbreitet. Das Problem: Das eine der überpräsenten Bilder, ein Portrait, zeigte die falsche Frau. Neda Soltan, nicht Soltani. Ein Fehler, der die “falsche” Neda zum Asylantrag in Deutschland gezwungen haben soll.

Sagt die Süddeutsche. Auch der Spiegel hat mittlerweise den Irrtum entdeckt:

Neda

Neda: Falsches Bild

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Hans-Bier: Deutsches Bier in China

Weder Goethe noch Schiller: Deutsche Kultur wird vielerorts (leider) mit deutscher Trinkkultur und Oktoberfest gleichgesetzt. Auch in China boomt die Bier-Industrie. Die größte Brauerei Tsingtao geht auf eine deutsche Gründung – damals noch “Germania” – im Jahr 1903 zurück. Auch der Brauerei-Experte Hans-Heinz Stecker aus dem Ruhrpott hat die chinesische Bierszene maßgeblich mitgestaltet.

Chinesische Biertrinker kennen Hans: Der Vorname von Hans-Heinz Stecker diente als Namensgeber für verschiedene Biersorten, selbst sein Konterfei schmückt die eine oder andere Flasche. Der Brauerei-Experte heuerte kurz vor seinem Ruhestand in China an und verliess seine Heimat Unna im östlichen Ruhrgebiet im Jahr 1987.

Tsingtao Beer in China (Foto: Birgit)

Bei verschiedenen längeren Aufenthalten in China beriet Hans-Heinz Stecker 30 Brauereien in Produktions- und Vertriebsfragen und kreiierte deutsches Bier. Den klassischen deutschen Geschmack wollte die chinesische Bevölkerung allerdings nicht teilen: Weniger Hopfen, weniger herb und aus Kostengründen aus Reise statt Gerste. Read the rest of this entry »

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Berlinerin Anni May in Argentinien: „Keine Heimat mehr“

Von Berlin nach Buenos Aires: Die jüdische Berlinerin Anni May ist als junge Frau mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus geflüchtet. Jetzt lebt sie in Argentinien – das Gefühl, eine Heimat zu haben, hat sie dennoch verloren.

Anni May ist eine elegante ältere Dame, die im Villenviertel von Vicente Lopez, einem Vorort von Buenos Aires, zum Tee bittet. „Cuando Anni May dice que tiene 83, nadie le cree“, schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion“ in einem Portrait über Anni und ihren Mann Egon. „Niemand würde glauben, dass Anni May bereits 83 Jahre alt ist“.

Der Artikel ist mittlerweile fünf Jahre alt und immer noch könnte Anni May unauffällig zehn bis zwanzig Jahre unterschlagen. Sie wirkt jung, wenn sie von ihren Reisen durch die ganze Welt und ihrer Lebensgeschichte erzählt – in flüssigem Deutsch.

Flucht vor Hitler`s Deutschland
Anni May wurde als Anni Lichtenthal in Berlin geboren und ist als 16-jähriger Teenager mit ihren Eltern nach Argentinien ausgewandert: „Meine Eltern hatten ein Seidengeschäft in der Uhlandstraße. Wir sind jüdisch und mussten auswandern im Jahr 1938.“

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Für die Einwanderung nach Argentinien war eine sogenannte „Llamada“ notwendig: Jeder Einwohner mit Aufenthaltsgenehmigung durfte Verwandte ersten Grades ins Land holen. Die Familie von Anni May hatte Glück: Die große Schwester war bereits 1937 eingewandert und konnte die Eltern, Anni und ihren Bruder nachkommen lassen.

Heimatlos
In Argentinien war Anni May vor allem Ehefrau und Hausfrau: „Ich habe nie etwas Richtiges gemacht. Ich war bis 14 in der Schule und dann später noch auf einem Pensionat in Italien, Sprachen lernen und so, das gehörte sich damals so.“ Read the rest of this entry »

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Moskau in Bildern

Moskau, russische Hauptstadt, faszinierende Millionenmetropole zwischen Kommerz und Kommunismus. Einige Impressionen in Bildern.

Basilius-Kirche: Schönste Kirche der Welt
Moskau: Red Square

Moskau: Red Square (Foto: fernlokal)

Moskau: Galerie Art4ru im Arbat

Moskau: Galerie Art4ru im Arbat (Foto: fernlokal)

Moskauer Metrostation: Paläste fürs Volk

Moskauer Metrostation: Paläste fürs Volk (Foto: fernlokal)

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München abseits der Stereotype: Neuperlach

Glückliche Kühe, fesche Dirndl und ein Bierkrug in der Hand: Der “typisch” bayrische Lebensstil wird in Szene gesetzt, um in- und ausländische Touristen anzuziehen. Ein “Heile-Welt-Bild” will die Tourismus-Expertin Sybille Wiedenmann der Bayern Tourismus Marketing Gesellschaft laut einem Interview in der Süddeutschen Zeitung den Gästen bieten. Milchbauern-Proteste und High Tech passen nicht ins Bild – ebenso wie die Münchner Satellitenstadt Neuperlach. Hier ist es eher grau statt grün: Ein Streifzug in Bildern.

Neuperlach Zentrum (Foto:Fl)

Zirkus Neuperlach (Foto: Fernlokal)
Neuperlach: Brot und Spiele (Foto: Fernlokal)
Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

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Betrugsserie in Namibia: Touristenfalle im Namen der DDR-Kinder

Seit Monaten erleichtert eine Betrügerbande deutsche Touristen in Namibia um Geld. Unter dem Vorwand, eine Ausstellung über die Ex-DDR-Kinder aus Namibia zu realisieren, bitten sie um Spenden. Wenn der kulturelle Appell nicht wirkt, werden sie aber auch frecher. Abgesehen von der kriminellen Energie: Gar nicht so schlecht, die Story.

Seit Mitte des letzten Jahres wiederholen sich in der Allgemeinen Zeitung (AZ), der deutschsprachigen Zeitung in Nambia, Warnungen vor einer Betrügerbande und Berichte über verschiedene Vorfälle. Auf der Independence Avenue, die sich durch das Zentrum Windhoeks zieht, sammeln einige junge Männer angebliche Spenden für eine Ausstellung über die Geschichte der DDR-Kinder von Namibia. Laut der AZ scheint der Trick zu funktionieren. Geschäftsmänner berichteten, dass Touristen der Truppe bereits öfter 10 bis 50 Euro gegeben hätten. Ein Augenzeuge habe sie auch schwerbepackt in einen Mercedes einsteigen sehen. Wer versuche, dazwischenzugehen, werde aggressiv angepöbelt und verbal bedroht.

DDR-Kinder aus Namibia

Die Geschichte der DDR-Kinder ist aber auch wirklich interessant. Angesichts anderer dreister Methoden wie Raub, Bedrohung, Taschendiebstahl ist die Masche direkt wieder kreativ. 430 namibianische Kinder wurden ab 1979 in die DDR geschickt. Damals kämpfte die namibianische Unabhängigkeitsbewegung SWAPO (South-West Africa People’s Organisation) – mittlerweile die Regierungspartei – gegen die südafrikanische Besatzung und das Apartheidregime. Die Kinder wurden aus Flüchtlingslagern in die DDR (Video) in Sicherheit gebracht und wuchsen dort auf.

Von der Wüste in den deutschen Osten und retour

Der Wechsel nach Deutschland war für die Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren ebenso abrupt wie die spätere Rückkehr nach Namibia. Anfang der 90er Jahre fiel zuerst die DDR zusammen, dann erreichte Namibia 1990 die Unabhängigkeit. Die in Deutschland sozialisierten jungen Ex-Namibianer und Namibianerinnen – denen das Einleben in Deutschland bereits unglaublich schwer gefallen sein muss – mussten überstürzt in ihr Herkunftsland zurückreisen. Hier wartete der nächste Kulturschock: In ihren Familien wurden sie als schwarz, aber sehr deutsch wahrgenommen, von den Deutschen und Deutschstämmigen in Namibia als ziemlich deutsch – aber eben sehr schwarz. Wie die DDR-Kinder dann selbst zwischen den kulturellen Polen oszillierten und der eine oder andere der eingedeutschten Namibianer sich neu verorten konnte (oder auch nicht), wäre eigentlich eine Ausstellung wert.

(sop)

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Kinder mit Migrationshintergrund: Violetta aus Berlin

Violetta ist 11 Jahre und wohnt in Berlin Hellersdorf. Viel lieber aber verbringt sie die Zeit bei und mit ihrer Oma in Novosibirsk, der größten sibirischen Stadt. Von dort stammt ihre Familie.

Im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat sich eine stetig wachsende russische Community gebildet. Mehrere Generationen russischer Herkunft sowie Russlanddeutsche haben sich dort gefunden.

Der Tagesspiegel stellt in seiner Rubrik Kinderspiegel Kinder aus Berlin vor. Eine davon ist die 11-jährige Violetta aus Berlin Hellersdorf. Sie kam 2001 mit drei Jahren nach Berlin. Ihre Eltern stammen aus Noworsibirsk:

Violetta im Kinderspiegel des Berliner Tagesspiegels

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Schindler-Biographin Erika Rosenberg im Interview: “Spielberg wollte nur einen Helden haben”

Erika Rosenberg, in Argentinien aufgewachsene Tochter deutsch-jüdischer Emigranten aus Berlin, lebt heute je ein halbes Jahr in Argentinien und ein halbes Jahr in Deutschland. Sie ist die Verfasserin von zwei Biographien über Emilie Schindler, sowie einer Biographie über deren Ehemann Oskar Schindler. Das Interview in Buenos Aires führte unser geschätzter Kollege Nikolaus Kowall 2009 für den Österreichischen Auslandsdienst.

Erika Rosenberg interessiert sich grundsätzlich für Geschichten mutiger Frauen, wie sie betont. In mehreren Interviews anno 1990 schilderte ihr die damals in Argentinien lebende Altösterreicherin Emilie Schindler ihre Lebensgeschichte. „Mit mährischem Akzent“, wie Erika Rosenberg berichtet. Emilie Schindler war an der Rettung der 1200 „Schindler-Juden“ ganz maßgeblich beteiligt gewesen, was Erika Rosenberg in ihren Büchern ganz klar nachweist. Eine Teilhabe, die in der weltberühmten Spielberg-Verfilmung „Schindlers Liste“ (1993) keineswegs zum Ausdruck kam. Erika Rosenberg hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, auf die heldenhafte Rolle der Emilie Schindler aufmerksam zu machen.

Emilie Schindler und Erika Rosenberg

Eine kleine, fast enge aber ruhige Wohnung im „Barrio Norte“, Buenos Aires. Drei kleine Hunde, jede Menge Bücher, Unterlagen, sowie ein Laptop. Erika Rosenberg bereitet sich auf ihre Vortragsreise durch Europa von September bis Jänner vor. Mit perfektem Deutsch, bei dem nur ganz selten unabsichtlich englische statt deutscher Begriffe verwendet werden und die eine oder andere Ortsbezeichnung spanisch ausgesprochen wird, startet das Gespräch.


Frau Rosenberg, war ihr Zusammentreffen mit Emilie Schindler zufällig, oder haben sie sich gezielt entschieden die Schindler-Geschichte zu recherchieren?

Es ereignete sich ganz zufällig. Über den Chefredakteur des argentinischen Tageblattes (deutschsprachige Zeitung in Argentinien Anmk.) war ich auf die Schindlergeschichte aufmerksam gemacht worden. Über die deutsche Botschaft konnte ich die Adresse von Emilie Schindler in der Provinz Buenos Aires herausfinden. Bei unserem ersten Gespräch 1990 stelle sich heraus, dass Emilie Schindler vor allem heilfroh war, wieder einmal Deutsch sprechen zu können. Sie erzählte mir vom Bäcker, vom Nachbar und was sie sonst noch so beschäftigte. Sie lebte arm, krank und vergessen. Niemand wusste, was sie geleistet hatte.

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