Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Mauerfall als Kunstaktion

20 Jahre Mauerfall in Berlin: In einer Kettenreaktion wird die künstliche – und künstlerische – Mauer des Goethe-Instituts heute Stück für Stück fallen. Künstler aus Ländern, in denen eine Grenzziehung eine aktuelle Rolle spielt, haben die Steine gestaltet. Bei einem Mauer-Flashmob spielen die Hauptrolle menschliche Körper: der britische Künstler Martin Butler plant eine Lichterkette.
Wie vor 20 Jahren wird auch heute, beim „Fest der Freiheit“ am Brandenburger Tor, wieder eine Mauer fallen, diesmal eine symbolische. Das Goethe-Institut hat „Mauersteine“ in Ländern wie Jemen, die palästinensischen Autonomiegebiete, Israel, Korea, Mexiko, China und Zypern geschickt, in denen Grenzen eine aktuelle Rolle spielen: In Form materieller oder mentaler Trennungen der Gesellschaft, wie im Jemen. Künstler, Intellektuelle und Studenten wurden gebeten, ihre Erfahrungen, Visionen oder Kommentare auf einem der Mauersteine darzustellen. In einer langen Kette mit 1.000 anderen Dominosteinen werden die Kunstobjekte heute zu Fall gebracht.

Flashmob zum Mauerfall

Ob Brasilien oder Deutschland, für Michael Jackson oder den Frieden: Flashmobs – für alle, die davon immer noch nichts gehört haben, hier die Erklärung – erleben derzeit eine erneute Renaissance. Für heute plant der Brite Martin Butler eine menschliche Mauer, die sich um 20 Uhr versammelt und ab 20.15 Uhr für 15 Minuten lang ein „temporäres Monument der Reflektion“ darstellt – drei Minuten davon erleuchtet. Auf der Webseite können sich die 33.000 Teilnehmer ihren Lieblingsstellplatz auf 33 Kilometern entlang der Grenze aussuchen – ein intelligentes Planungstool, dass allerdings samt der Ankündigungen in Medien und Blogs den ursprünglichen Spontan- und Überraschungseffekt des Flashmobs zerstört.

(sop)

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Fall der Mauer – fall of the Berlin Wall

Berlin feiert den zwanzigsten Jahrestag des Falls der Mauer mit einem „Fest der Freiheit“. Nicht nur deutsch-deutsche Erinnerungen werden hervorgerufen. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls im Jahr 1989 lebten viele US-Amerikaner in Berlin, die ihre ganz persönlichen Erlebnisse auf Fotos festgehalten haben und nun in der NY-Times vorstellen.

„Ich bin ein East Berliner“ steht auf einem bemalten Pappschild. Es sollen die Worte des ebenfalls auf ein Pappschild gedruckten Gorbatschows darstellen. Und repräsentieren gleichzeitig den Aufbruch in eine neue Zeit, einen historischen Wandel. Die meisten Bilder zeigen Aufnahmen von Menschen, die teils verblüfft, teils unsicher glücklich an und auf der Mauer spazieren gehen und sich selbst einen Teil der Mauer „heraushämmern“ mehr.

Mauer-Specht

Bild: VivaoPictures

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Iguazú – Wasserballett in der Teufelsschlucht

Zwischen Pampas und Regenwald, Zuckerhut und Straßenkindern: Von unserem Streifzug durch den vielfältigen Kontinent und den Erlebnissen in Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Santiago de Chile berichten wir jede Woche im respect-Blog. Der zweite Teil der Reise-Impressionen handelt von den Iguazú-Wasserfällen, die alleine durch ihre Wassermassen beeindrucken.

Nach meist begeisterten Berichten von Bekannten nähern wir uns den Cataratas, den Wasserfällen von Iguazú, mit leichter Skepsis – um nicht enttäuscht zu werden. Die Iguazú-Wasserfälle liegen im Länderdreieck von Argentinien, Brasilien und Paraguay im teils argentinischen, teils brasilianischen Nationalpark Iguazú und zählen zu den schönsten, größten und breitesten Wasserfällen der Welt.  Mehr Impressionen auf respect.de

Iguazu Cataratas

Quatis_Iguazu

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Deutsche Tugenden im Kongo?

Jean-Claude Kibala, Vizegouverneur in der Demokratischen Republik Kongo, möchte sein Land verbessern. Dabei setzt er auf deutsche Tugenden wie Regeleinhaltung und Ordnung.

Im Jahr 2006 kandidierte Jean-Claude Kibala für ein politisches Amt in der Demokratischen Republik Kongo. Mittlerweile ist er Vize-Gouverneur einer kongolesischen Provinz und versucht dort, Korruption, Misswirtschaft und Fehlentscheidungen zu bekämpfen. Laut dem Weltspiegel-Magazin schafft er dies mit „deutschen Tugenden“ wie Ordnung und Genauigkeit. Doch damit hat es der gebürtige Kongolese unter den eigenen Mitbürgern nicht ganz leicht, denn für einige scheint eine solche Regeltreue oft ein wenig zu streng und eben ganz schön deutsch.

17 Jahre lebte Kibala in Deutschland, seine Rückkehr in den Kongo hat er ohne die Familie unternommen. Sie bleibt in Deutschland. Kibala selbst bezeichnet seine Herangehensweise als deutsch, er habe viel gelernt in den 17 Jahren. Im  Kongo wird er deshalb als der Deutsche – „l´allemand“ – bezeichnet.

Die Geschichte Kibalas hat aufgrund seiner deutschen Verbundenheit eine recht rege Berichterstattung erzeugt. Auffällig ist, dass viele Medien von einem Deutschen sprechen respektive die Betonung auf Deutschkongolese legen: zum Beispiel im Kölner Stadtanzeiger oder bei  Zeit-Online. Offensichtlich scheint das „Deutsch sein“, die deutsche Kultur und damit auch eine nationale Zugehörigkeit vorwiegend über kulturelle Praktiken definiert. Aber was wäre, würde Kibala nicht diesen Klischees der deutschen Mentalität wie Pünktlichkeit, Genauigkeit oder Gesetzestreue entsprechen. Wäre er dann noch der Troisdorfer oder der „schwarze Deutsche“ (Weltspiegel) oder eher der Kongolese, der 17 Jahre in Deutschland lebte? Unabhängig seiner tatsächlichen Staatsbürgerschaft?

Die offensive Art mit der Kibala in seinem Heimatland Dinge verändern möchte, scheint jedenfalls in eine Richtung zu gehen, die international anerkannten und global angestrebten Zielen wie Verantwortlichkeit, Korruptionsbekämpfung und wirtschaftlich-sozialen Fortschritts entspricht. Sein Leben in Deutschland hat Kibala aus eigener Perspektive in seiner Denkweise geprägt.

Armut ist ein Hauptproblem der Demokratischen Republik Kongo

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Buenos Aires – Willkommen in Europa?

Zwischen Pampas und Regenwald, Zuckerhut und Straßenkindern: Von unserem Streifzug durch Lateinamerika und unseren Erlebnissen aus Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Santiago de Chile berichten wir ab sofort jede Woche im respect-Blog. Die erste Reise-Impression handelt von der Ankunft in Buenos Aires – das schon fast ein wenig zu europäisch wirkt.

Buenos Aires ist kein Kulturschock. Straßenzüge, die an Madrid oder Paris erinnern, ein Netzwerk italienischer Heladerias (Eiscafés) und Pizzerien, eine der letzten deutschsprachigen Zeitungen im Ausland: In der argentinischen Hauptstadt finden sich überall Fragmente europäischer Kultur. Die Einwanderungswellen aus Italien und Spanien, aber auch Deutschland und Frankreich haben Stadtbild und Lebensstil der Argentinier geprägt. Dennoch ist die Stadt am Rio de la Plata kein Klein-Europa – zum Glück findet sich auch lateinamerikanisches Flair. Mehr Impressionen auf respect.de.

Innenhof des Präsidentenpalastes "Casa Rosada"

Buenos Aires

La BocaBuenos AiresP1050284

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Wallraffs Deutschlandreise: „Schwarz auf Weiss“

Wie es sich anfühlt, in Deutschland als Schwarzer zu leben, hat der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in den letzten Monaten erfahren und berichtet auf Zeit Online und in dem Dokumentarfilm „Schwarz auf Weiss“ über seine Erlebnisse. Keine schöne Deutschlandreise.

Durch Maskenbildner in einen Afrikaner verwandelt, stellte der Journalist die Offenheit der Deutschen auf den Prüfstand. Ein Jahr lang war Günter Wallraff „in fremder Haut“ unterwegs und erlebte Orte wie Cottbus, Köln, Rosenheim oder Berlin-Marzahn aus anderer Perspektive: Begegnungen mit vielen Vorurteilen und wenig Offenheit gegenüber anderen Kulturen, die Deutschland – bis auf Ausnahmen – kein gutes Zeugnis ausstellt. Die Hautfarbe gilt als bestimmendes Kriterium der Zugehörigkeit – nicht nur bei rassistischen Fussballfans, auch beim deutschen Durchschnittsbürger. Wallraff sei sich nun nicht mehr sicher, ob er als Schwarzer in Deutschland leben wollen würde, so der WDR in der Sendung „Lokalzeit“:

Die mit versteckter Kamera gefilmten Szenen – und im Nachhinein aufgenommene Kommentare der beteiligten Personen (welche alle ihre Freigabe gegeben haben, in dem Film zu erscheinen) – sind in dem Dokumentarfilm „Schwarz auf Weiss“ seit gestern im Kino zu sehen. Da mit Nähe, Negativität, Prominenz (Wallraff), Überraschung etc. diverse Nachrichtenfaktoren aufeinandertreffen, ist eine hohe mediale Öffentlichkeit für Wallraff und sein Projekt jetzt schon garantiert und vielleicht eine Gelegenheit, den latenten, alltäglichen Rassismus wieder einmal sichtbarer werden zu lassen und zu beleuchten. Die Deutschen, deren Position gegenüber schwarzer Haut eine Revision benötigen könnte, werden allerdings wohl nicht zum Kinopublikum gehören – und ein Film allein wird das (alte) Problem sowieso nicht lösen.

(sop)

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Momentaufnahme: Deutsch im Copyshop

In Buenos Aires gibt es viele Copyshops. Im Bezirk Caballito treffen wir den Ladenbesitzer Felix, der in gebrochenem Deutsch, aber höchst erfreut über seine deutschen Kunden, kleine Familiengeschichten erzählt.

Er selbst wurde in Frankfurt/Main geboren, seine Eltern wanderten in Kriegszeiten nach Argentinien aus. Seine Sprache  zeigt deutliche Lücken in Grammatik und Vokabularium; hin und wieder helfen spanische Einwürfe, den Satz zu vervollständigen. Denoch freut er sich, fast vergessene Erinnerungen aufleben zu lassen. Es scheint als stellte die deutsche Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel dar, sondern gleichzeitig eine Projektion emotionaler Erfahrungen und ein Blick in die Vergangenheit, die das Leben in Buenos Aires, an der Straßenecke im Copyshop kurzzeitig in den Hintergrund geraten lassen.

Sein Sohn hat keine Verbindung mehr noch irgendein Interesse an den deutschen Wurzeln Felix. Deutsch wollte er auch nicht lernen.

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Schnee in Deutschland – Schnee in Argentinien?

In München taumelt heute der erste Schnee vom Himmel, in Buenos Aires kündigen sich Frühling und Sommer an. Was in der im Winter verschneiten bayrischen Landeshauptstadt alljährliches Beiwerk darstellt, ist in der argentinischen Metropole eine Seltenheit.

Die Argentinier, bei denen patagonische Gletscher (wie beim Präsidentenehepaar Kirchner) oder die Pisten von Wintersportorten in den Anden wie Las Leñas vor der Haustür liegen, kennen Schnee. Die Hauptstadt, in der sich der Großteil der argentinischen Bevölkerung versammelt, ist dagegen weitgehend eis- und schneefrei. Umso begeisterter sind die Stadtbewohner, wenn es doch einmal schneit - zuletzt 2007. Auf das weiße Wunder hatten sie allerdings auch knapp 90 Jahre gewartet. Der letzte Schneefall vor 2007 fand im Juni 1918 statt – so dass ein bis zwei Generationen zum ersten Mal eine winterliche Stadt sahen.

Schnee

Foto: Albert.ag

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Deutschlernen am Grenzbahnhof

Gerade haben wir es nach 28 Stunden Busfahren quer durch das langgestreckte Chile und über die peruanische Grenze in die Grenzstadt Tacna geschafft. Ein kleiner quirliger Busbahnhof erwartet uns – lauter Einheimische, Taxifahrer und Busticketverkäufer, die ihre Dienstleistungen anpreisen, beleibte Peruanerinen mit Hut und in bunten Röcken, die auf ihrer Verkaufsware liegen.

Dativ oder Akkusativ?
Im Büro einer peruanischen Busfirma ertönen unerwartet bekannte Geräusche: „Wie geht es Ihnen?“ Ingrith, die peruanische Ticketverkäuferin, lernt gerade deutsch und murmelt die Beispielsätze ihrer Sprachlernsoftware nach.
ingrith
Die 21-Jährige aus Cusco studiert Tourismus und möchte sich nach ihrem Studium auf ein Stipendium in Deutschland bewerben. Die nächsten beiden Stunden bis zur Abfahrt nach Puno an den Titikakasee verbringen wir damit, den Unterschied zwischen Dativ, Akkusativ und Genetiv zu erklären. Zum Dank erhalten wir 10 Soles des Fahrtpreises zurück und Ingrith gibt uns die Nummer eines Freundes in Puno, über den wir eine Zwei-Tages-Tour zum Vorzugspreis von 150 Dollar buchen könnten (die wir später für 124 Dollar vier Tage lang gemacht haben).

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99 Luftballons in La Paz

Zwischen Socken und Obstkörben auf einem Markt in La Paz steht ein Radio, aus dem Nena 99 Luftballons für uns singt.

Die wichtigste bolivianische Stadt und Boliviens Regierungssitz La Paz beherbergt ein Wirrwarr aus zwei Millionen Menschen, die in ihren kleinen Gassen und an ihren hunderten Markständen alles an den Mann und die Frau bringen, was irgendwie kommerziell verwertbar ist: Obstpyramiden finden sich zwischen Silbertöpfen, Babywindeln und Süssigkeiten.

In den labyrinthähnlichen Standgassen ist ein „Saftbar“, ein mit Obst und Mixgeräten vollgestopfter einquadratmetergrosser Veschlupf, eine dankbare Oase. Jugo de fresa? Klar, beineschaukelnd einen Erdbeersaft trinkend, die bolivianischen Frauen in ihren traditionellen neon-grellen Kleidern vorbeiziehen lassend, laesst die Seele bolivianisch auf mehr als 3500 M.ü. M. entspannen. Das Radio rasselt und plötzlich singt Nena im Hintergrund die 99 Luftballons herbei. Und ungewollt singen wir mit.

Nena. 99 Luftballons. Zwischen Sockenwühltischen, Bananen und
Lamafoeten.

La Paz

Obststände La Paz

Es sind nicht die einzigen Fetzen Deutschland, die immer wieder auftauchen: T-Shirts der deutschen Fussballnationalmannschaft sind auch in La Paz beliebt. Das Cafè um die Ecke heisst Berlin und den Apfelstrudel gibt es hier auch.

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