Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Zeugen der Gewalt

Der Drogenkrieg in Mexiko kostet Tausende von Menschenleben. Wer darüber berichtet, wird selbst zur Zielscheibe.

Wenn Lucy Sosa sich durch die Bildergalerie ihres Mobiltelefons klickt, sieht sie keine Kinder, Tiere oder Urlaubsfotos, sondern ermordete Jugendliche, die mit verdrehten Körpern auf einer staubigen Straße liegen. Oder einen Mann in einer Blutlache. Alltag in Ciudad Juárez, der gefährlichsten Stadt Mexikos: „Wir finden jeden Tag drei oder vier Tote“, sagt Sosa abgeklärt, während sie die Fotos betrachtet.

Polizeireporterin Lucy Sosa: Tödlicher Job

Als Polizeireporterin der Lokalzeitung „Diario de Juárez“ hat die 41-Jährige schon viel gesehen. Die vergangene Woche begann mit zwei Männerleichen – gefesselte Hände, Folterspuren, Plastiksäcke über dem Kopf. Den Rest des Beitrags lesen »

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Medienkritik: Nachrichtenliebling China

Verkürzte Nachrichtentexte stärken Chinas Medienpräsenz und erleichtern dem undemokratischen Land erhöhte Aufmerksamkeit.

Eigentlich können sich die Berliner mit RadioEins über ein relativ ausgewogenes Radioprogramm freuen. Kultur, Politik, Lokales und auch zur Hälfte gute, also abseits vom Mainstream, Musik. Nachrichten allerdings können sich die Hörer sparen: kaum länger als der alle 25 Minuten gesendete nervtötend laute Werbeblock berichtet RadioEins das, was BILD, Spiegel und Co. in den Schlagzeilen schon vorher verlautbaren. „Laut Spiegel Online…; einer Studie, die dem Nachrichtenmagazin Spiegel vorliegt…“, ein oft gehörter Satz.

Mal sind es Themen, die nicht nachrecherchiert werden, manchmal kommen die Nachrichten ohne Bedacht. So wie heute: „China hat den Empfang des Dalai Lama von US-Präsident Obama scharf kritisiert…“ Wer eine solche Nachricht sendet, unterstützt die repressive Macht im Osten. Den Rest des Beitrags lesen »

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Acapulcos Abstieg

Endlose Bucht, Nachtleben und Hunderte von Hotels: Doch Acapulco hat Glanz verloren.

Acapulco, in den Sechzigern und Siebzigern die “Perle des Pazifik”, Urlaubsdomizil von Stars wie Elvis Presly, Politpromis wie den Kennedys und Möchtegernsternchen, ist inzwischen vor allem Reiseziel für die mexikanische Mittelklasse sowie der Mexikaner aus dem Umland.

Auch Aussteiger vor allem aus den USA und Kanada und schubweise internationale Touristen, deren hochhausgroßes Kreuzschiff im Hafen vor Anker liegt, treiben sich in der Strandstadt herum.

Gewehr im Anschlag

In den Neunzigern führten Umweltverschmutzung und Kriminalität zum Niedergang der Touristenhochburg – ganz sauber scheint das Wasser vor allem in Hafennähe tatsächlich nicht.

Auf den Straßen patroulliert mittlerweile auch Bundespolizei, in schwerer Ausrüstung auf den Ladeflächen schwarzer Jeeps stehen drei, vier, fünf Männer mit Maschinengewehren im Anschlag. Den Rest des Beitrags lesen »

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Japan: Gottes Werk und Atomis Beitrag?

Japan bestimmt die Schlagzeilen. In deutschen Backdiscountern läuft das Drama live. In den USA erlaubt sich ein Moderator, das Schicksal der Notleidenden als gottgewollte Fügung zu bezeichnen.

Keine Fernsehsendung, kein Radio-Magazin oder sonstiges Nachrichtenmedium kommt momentan ohne die ständig neuen und verheerenden Meldungen aus Japan aus. Die dramatische Notsituation der Menschen dort fordert eine durchgehende Berichterstattung, keine Frage.

Erdbeben statt Hits der 80er, 90er und die besten Songs von heute

Fraglich dennoch, ob die Menschen hierzulande mehr Verständnis und Interesse entwickeln, wenn sie das japanische Drama auf einem Flachbildfernseher beim Brötchenkauf der Discountbäckereien beobachten können. Die Entscheidung ob Schoko-Croissant oder Blaubeermuffin fällt, während oberhalb der Selbstbedienungstheke per Live-Übertragung Geröll- und Schlammmassen ganze Dörfer, Häuser und Autokarawanen und wahrscheinlich zahlreiche Opfer über die japanische Landschaft schieben. Die Betroffenheit in der Bevölkerung ist groß, auch wegen der Bilder. Bloß: Wie lange noch?

Konservativer Fehltritt

Was in Bahrain oder Libyen passiert, ist hier im Bäcker vergessen. Die mediale Aufmerksamkeit ist verschoben. Hoffentlich sind die Zuschauer von diesem scheinbar endlosen Tragödie in Japan nicht auch bald abgestumpft. Immerhin  fokussiert die deutsche Berichterstattung überwiegend auf Fakten und Analysen. Noch hat sich hier kein berechnend polarisierender Moderator wie der us-amerikanische Glenn Beck erfunden, der in dem japanischen Erdbeben eine gottgeführte Tat vermutete. Vielleicht sollten die Menschen daran erinnert werden, die zehn Gebote einzuhalten, so Beck.

Dagegen sind deutsche Satiremagazine regelrecht harmlos

(Der Beitrag ist schon älter – den Machern kann also keine unpassende Polemik zur aktuellen Situation vorgeworfen werden.)

Und ganz im Ernst: Der Internet-Suchdienst google hat im Übrigen einen Personenfinder für Japan gestartet.

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“El Narco no hay fronteras”

Ein Zimmer, ein Killer: In dem Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi erzählt ein Mexikaner von Kidnapping, Folter, Mord und seinem Leben für ein Kartell.

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Fernlokal-Wochenschau: Revolution im Nahen Osten und die Macht der Maras

Was alles passiert: Revolution in Ägypten, der Aufstieg der Maras in Zentralamerika und das Märchen vom Digitalen Radiergummi.

Proteste in Ägypten (Foto: mcgilldaily/Flickr)

Proteste in Ägypten (Foto: mcgilldaily/Flickr)

Offline-Revolte in Ägypten

Vor wenigen Tagen hielten viele Experten es noch für unwahrscheinlich, dass die tunesische Revolution sich auf andere arabische Regimes auswirkt, inzwischen protestieren auch Bürger in Ägypten und dem Jemen. Die Kommunikation und Koordination über das Internet hat dabei besonders für die junge Generation eine große Rolle gespielt.

Ägypten hat aber auch gezeigt, wie plötzlich sich ein Land aus der Netzwelt verabschieden kann und Verbindungen blockiert. Einige Videos und Nachrichten aus den ägyptischen Straßen schaffen es dennoch ins Netz und sind unter anderem bei Global Voices zu sehen. Weitere interessante Links via Netzpolitik.org. Wieso vor allem Israel den Rücktritt der ägyptischen Regierung fürchtet auf Haaretz.com.

Macht der Maras

taz-Korrespondent Toni Keppeler erzählt in einem gut recherchierten Artikel in der aktuellen sonntaz (und in stark gekürzter Form im Netz) von der Entwicklung der Maras von losen Post-Bürgerkriegs-Jugendbanden bis zu straff organisierten, mächtigen kriminellen Netzwerken. Den Rest des Beitrags lesen »

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Nahostkonflikt: Ungestörter Siedlungsbau

Die USA verzichten auf ihre Forderung, den israelischen Siedlungsbau erneut zu stoppen. Damit hat Israel sich wieder durchgesetzt – ohne Konsequenzen.

Ein kleiner Sieg für Israel: Die USA beharren nicht länger darauf, dass Israel sich auf einen weiteren, 90-tägigen Baustopp auf besetzten Gebieten einlässt. In den Verhandlungen in den vergangenen drei Wochen hatte die US-Regierung Israel im Gegenzug für ein Moratorium sogar eine Lieferung von Kampfflugzeugen und Unterstützung in den UN angeboten – ohne Erfolg.

Umstrittenes Land: Blick auf Jerusalem

Umstrittenes Land: Blick auf Jerusalem

Ein dreimonatiger Baustopp sollte eine Wiederaufnahme der abgebrochenen Friedensgespräche mit den Palästinensern sowie eine Einigung über eine Zwei-Staatenlösung ermöglichen. Nun wollen die USA die Siedlungsfrage vorerst ausklammern und dennoch die Friedensverhandlungen wieder auf den Weg bringen. Wie das aussehen soll, ist allerdings ungewiss. Den Rest des Beitrags lesen »

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Youtube-Filme: Trafficking in Bombay, Missbrauch in der US-Army

Youtube-Filme: Viel Trash, aber auch sehenswerte Dokumentationen. Zum Beispiel eine Doku über Frauen und Mädchen, die in Bombay zur Prostitution gezwungen werden und ein Film über sexuellen Missbrauch in der US-Army.

Kung Fu, Spice Girls oder Bollywood: Das Angebot ist noch überschaubar, doch das wird sich ändern – Youtube bietet jetzt ganze Filme (statt der bisherigen zerstückelten Einzelteile). Hier zwei Dokumentationen, die sehenswert sind und den drastischen Missbrauch von Frauen thematisieren.

2500 Frauen und Mädchen verschwinden täglich weltweit – und viele werden in die Prostitution gezwungen. In The Day my God died erzählen Opfer von Trafficking, wie sie entführt wurden und was sie als Sexsklavinnen in Bombay ertragen mussten. Viele von ihnen wurden mit Vergewaltigungen, Gewalt, brennenden Zigaretten oder Säure gefügig gemacht und waren teils erst sechs oder sieben Jahre alt, als sie sich prostituieren mussten. Denn junge Mädchen sind besonders gefragt – in dem absurden Irrglauben, dass Sex mit Jungfrauen (Geschlechts-)Krankheiten heilt und die Potenz steigert.

Sex in the Army zeigt, wie sexuelle Belästigung, Missbrauch und Vergewaltigung fast zum Alltag von US-Soldatinnen gehört Den Rest des Beitrags lesen »

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Deutsche Bier-Pioniere im Ausland: Das Ende der glorreichen Zeiten

Von Brasilien bis China: Deutsche Braumeister haben das Bier in der ganzen Welt verbreitet, darunter auch Sorten mit gewöhnungsbedürftigen Geschmacksrichtungen. Jetzt interessiert sich kaum einer mehr für die Deutschen.

Der erste Einsatz von Hans-Heinz Stecker in Xi’an war gleich eine Notoperation. Die chinesische Brauerei, die der Braumeister 1987 beraten sollte, befand sich noch mitten im Bau, die Fertigstellung der Sudhaussteuerung hätte weitere vier Monate gedauert – doch das erste Bier musste fertig werden.

Mit Funkgeräten von der chinesischen Polizei verteilten sich der Magdeburger und sein Team auf verschiedene Stationen und funkten sich Signale wie “Wasser auf”, “Rührwerk ein” oder “Schrotkasten öffnen” zu. Mal kam von der zentralen Energieversorgung kein Dampf, kein Wasser oder der Strom fiel aus. Doch trotz aller Schwierigkeiten hatten sie nach 38 Stunden drei Sude gebraut, gekühlt und mit Hefe angestellt.

Hans-Bier: Deutsche Brauer haben das Bier in der ganzen Welt verbreitet.

Hans-Bier: Deutsche Brauer haben das Bier in der ganzen Welt verbreitet.

Inzwischen ist der 80-Jährige 25 Mal nach China gereist, um Aufbauarbeit im Brauereiwesen zu leisten. Eine Anzeige in einer Fachzeitschrift hatte ihn kurz vor seiner Rente zu dem abenteuerlichen Job geführt: Die Chinesen suchten deutsche Experten, er sagte spontan zu.

Die Braumeister aus Deutschland haben im Ausland einen guten Ruf. Doch deutsche Bier-Pioniere wie Stecker gibt es nur noch selten. Den Rest des Beitrags lesen »

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Fernlokal Soundtrack #1: “Marathon” von Tennis

“Soundtrack of my summer”, “keep thinking of Alvin and the Chipmunks”, “this song will be on some stupid tv ad for some dumb cell phone in like 3 months but its a great song so”: Eine Collage der YouTube-Kommentare beschreibt “Marathon” von Tennis gar nicht schlecht.

Die Band stammt aus Denver, Colorado und besteht aus A. Moore, P. Riley, J. Barone. Frontfrau und einer der Musiker sollen verheiratet sein. Mehr muss man eigentlich erstmal gar nicht wissen.

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