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Good Morning, Los Angeles

Los Angeles ist eine Stadt der Images, die Fahrt durch die von Palmen gesäumten Straßen an der Küste entlang scheint wie eine Fahrt durch erinnerte Bilder. Doch ist alles nur Fassade?

Los Angeles – ursprünglich: „Pueblo del Rio de Nuestra Senora de la Reina de los Angeles de Porciuncula“/kurz: L. A. – ist eine Stadt für Menschen mit Autos und Geld. Die 3,8-Millionen-Metropole erstreckt sich als riesiger Komplex auf 1300 km, das Bussystem erscheint undurchschaubar, bei den gedehnten Straßenzügen variieren die Höhe und Ausstattung der Häuser je nach Gegend, von der glamourösen Villa (vor allem auf den Hügeln der Stadt) bis zu Lagerhallen.

Von oben, vom Griffith Observatory, ist der Ausblick auf die Riesenstadt grandios, durch die sich das Straßengitternetz wie glitzernde Flüsse zieht. Zur rechten Seite, über den „Berlin Forest“ hinweg, ist der weiße Hollywood-Schriftzug zu sehen – das Symbol der Illusionen erhält nur noch von Weitem den Schein der Ansehnlichkeit aufrecht. Famous Hollywood ist mittlerweile eine abgewrackte Diva, der Walk of Fame eine unscheinbare Straße mit roten Sternen und einigen Obdachlosen auf dem Gehweg – kreativ ist daran höchstens die Besetzung einiger freier Sterne durch Besucher, die mit Edding ihren Namen und Datum auf die roten Umrisse geschmiert haben. Customizing Hollywood.

Los Angeles ist eine Stadt der Images, die Fahrt durch die von Palmen gesäumten Straßen an der Küste entlang scheint wie eine Fahrt durch erinnerte Bilder: die weissen Lettern, die weißen Autos im 80er-Style, Surfer, Inlineskater, blonde Bikini-Girls an den Stränden, die Rettungsschwimmer in Rot. Reminiszenzen an die angestaubten Bad Taste-Serien á la Baywatch und Beverly Hills 90210 (die Neuauflage wird aktuell überall beworben). Das kilometerlange Blau und die Stadtstrände sind wunderschön: Malibu, Venice, Santa Monica.

Ein braungebrannter Rentner scannt mit seinem Metalldetektor den Santa Monica Beach nach verlorenem Schmuck und Münzen ab. Der Muscle Beach in Venice ist die Klimax der Eitelkeiten, auf einem kleinen Fitnessgeräte-Rondell im Freien und dem Spielplatz nebenan konzentriert sich die selbstverliebte Muskelmasse – hier hat früher auch Gouverneur Schwarzenegger trainiert. Generell ist es schwierig, dem visuell erfassten (Lebens-)Stil der USA Substanz abzuringen.

Die Kehrseite von Reich & Schön ist nur selten zu sehen: der gealterte Style-Hippie mit seinem Arsenal an Sonnenschirmen scheint noch gewählt zu haben, beim koordinierungslosen Betrunkenen, der mit halb heruntergerutschter Hose versucht, neben einer Ampel wieder auf die Beine zu kommen, und immer wieder umfällt, sieht es anders aus.

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