Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Islas Malvinas: Machtpoker um Inselgrüppchen

Die Falklandinseln sind eine beschauliche Inselgruppe im Südatlantik, deren Geschichte vor allem aus den Anspruchsmeldungen verschiedener Nationen besteht. 1982 wurden sie im absurden Tauziehen zwischen Argentinien und Großbritannien zum Schauplatz eines sinnlosen Krieges.

In den letzten Wochen war der Schmerz der Niederlage – den einige Kriegsveteranen am Plaza de Mayo sonst mit einer Dauer-Dependance 365 Tage im Jahr demonstrieren – wohl noch präsenter als sonst. Ebenso der Ruf nach Rückgabe der Inseln, welche aktuell zum britischen Überseeterritorium gehören: „Las Malvinas son argentinas“, die Malwinen (oder Falklandinseln, wie die Briten sie nennen) gehörten zu Argentinien. Zur selben Zeit hatten nämlich Anfang der 80-er Jahre Invasion und Kampf um die Falklandinseln stattgefunden, die im Status-Quo endeten: Am 2. April 1982 hatten die Argentinier die Inselgruppe besetzt, wenige Wochen später holten die Briten zum Gegenschlag aus, der schließlich die argentinische Kapitulation am 14. Juni 1982 erzwang.

Argentinische Archillesferse

Die Malwinen sind die Achillesferse des argentinischen Nationalstolzes. Argentinische Schüler lernen im Unterricht, dass das Inselgrüppchen geografisch Teil Lateinamerikas ist – und dass die Briten als Kolonialmacht agieren. Auch die amtierende Präsidentin Christiana Fernández de Kirchner erneuerte den argentinischen Anspruch – wie jedes Jahr – in einer offiziellen, an die Weltgemeinde gerichteten Verlautbarung.

Dabei sind die Inseln nicht besonders spektakulär, allenfalls ein zerklüftetes Naturparadies mit verschiedenen Vogelarten und Seehunden, Tümmlern und Delfinen vor der Küste. Das Archipel besteht aus den beiden größeren Inseln Ost- und Westfalkland und circa kleineren 200 Insel. Nicht einmal 3.000 Inselbewohner verteilen sich größtenteils auf die Hauptstadt Stanley und wenige kleine Miniatur-Siedlungen. Dass unter dem Meeresgrund möglicherweise Erdölvorkommen lagern, wurde auch erst 2009 entdeckt.

Und dennoch wurde das Inselgrüppchen immer wieder zur Projektionsfläche für multikulturelle Besitzansprüche. 1592 waren sie von einem englischen Seefahrer gesichtet worden, als erstes setzten die Franzosen ihren Fuß dann 1690 auf das Land im Meer und gründeten auch die erste Siedlung. Zwei Jahre später flaggte die Insel unter spanischer Krone. Danach stritten sich zuerst England und Spanien, dann nach 1816 England und Argentinien um das Gebiet. Argentinien beanspruchte das Land von seiner ehemaligen Kolonialmacht Spanien geerbt zu haben, die Briten argumentierten damit, dass die Inselbewohner fast alle britisch seien. 1833 schuf Großbritannien mit der Installation einer Marinebasis Tatsachen, seit 1837 sind die Falklandinseln eine britische Kolonie.

Falklandkrieg – ein ungleiches Kriegsspiel

1982 herrschte in Argentinien die seit 1976 – mit verschiedenen führenden Köpfen – installierte Militärregierung, welche zur Stärkung ihrer politischen Macht auf ein Kombinat aus Repression, Verfolgung und Folter sowie Kriegs(-drohungen) setzte. Angesichts einer heftigen Finanzkrise und steigender Proteste sollte der Konflikt um die Inseln zerstrittene Flügel sowie Volk und Regierung einen und vom eigentlichen Zustand ablenken. Britischer Widerstand wurde nicht erwartet: Zum einen hatten die Briten in den Jahren zuvor Handlungsspielraum signalisiert (falls die Inselbewohner sich Richtung Argentinien orientieren wollen würden), zum anderen hatten sie nur ein wenige Marines und Beamte auf den Falklandinseln stationiert – und Großbritannien schien weit, weit weg. „The Junta expected maximum gains and minimal losses“, so der Historiker David Rock. Auch der Rückendeckung der USA war man sich sicher.

Anfang April nahmen die Argentinier die Malvinas ein und erzeugten auf der anderen Seite Überraschung und Entrüstung. Innerhalb von zwei Wochen, in denen der Schutz der britischen Inselbewohner zur Verteidigung von Demokratie (gegenüber dem argentinischen Militärregime) hochstilisiert wurde, mobilisierte die britische Regierung – der der Popularitätsschub im Übrigen auch nicht ganz unrecht kam – ihre Flotte. Doch auch die Briten hatten sich darin verschätzt, dass der Anblick der königlichen Marine den blitzartigen Rückblick der unerfahrenen und schlecht ausgestatteten Argentinier nach sich ziehen würde.

Und so wurde mit Verlusten auf beiden Seiten um die Insel gekämpft – auch mit umstrittenen Coups wie dem Versenken des argentinischen Kriegsschiffs „General Belgrano“ durch die Briten, obwohl sich dieses außerhalb des als Kriegszone deklarierten Gebietes befand. Nach einer Aufforderung an beide Seiten, sich in Verhandlungen zu nähern, schlug sich schließlich auch die USA auf die Seite der Briten. Bei Minusgraden, Schnee und Regen und einer miserablen Organisationsstrukur auf Seiten der Argentinier wurden diese bis in die Hauptstadt zurückgedrängt, wo schließlich am 14. Juni nur noch die Kapitulation übrig blieb. 1.000 Menschen starben in dem Konflikt, davon 3/4 Argentinier. Kein Wunder, waren die professionellen Militärkräfte doch schon vor dem Anrücken der britischen Flotte zur Sicherung der argentinischen Grenzen zurück aufs Festland abkommandiert worden.

Sieg der Demokratie

Die Falklandinseln waren am Ende ein kostspieliger Einsatz im Poker um die Macht. Thatcher gewann, Galtieri verlor. Die vorher unpopuläre eiserne Lady konnte durch den Appell ans Nationalgefühl deutlich punkten. In Argentinien bedeutete der Verlust der Inseln das Ende des Galtieri-Regimes und damit die Rückkehr zur Demokratie. Die Junta war gezwungen, ob der Massenproteste Wahlen zuzulassen und 1983 wurde Alfonsín als erster ziviler Präsident nach der Ära der Militärdiktatur gewählt.

(sop)

Advertisements

Einsortiert unter:Argentinien, Gesellschaft, Lateinamerika, Politik, , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokales 2011

Jesus Mexiko 2011 (copyright fernlokal)

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

Lokales 2010

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

Photos

P1050718

P1090220

P1090100

P1080792

P1080447

Mehr Fotos
%d Bloggern gefällt das: