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Buenos Aires: argentinisch undeutsch

Kulturelle Stereotypen lassen sich aufzählen wie ein Erstklässler das Alphabet herunterleiert: Argentinier sind leidenschaftliche Tangotänzer und fanatische Fußballfans. Lederhosentragende Deutsche trinken Bier. Bei der Betrachtung argentinischer Alltagssituationen aus deutscher Perspektive ergibt sich Folgendes: typisch argentinisches und gleichzeitig undeutsches in Buenos Aires.

Müll wird nie getrennt. Egal ob Plastik, Bio-Abfall, Glas oder Papier – in Argentinien/Buenos Aires kommt alles in einen Sack (es soll auch eine Ausnahme geben).

Kinder sind überall gern gesehen: Sie schreien, reißen Packungen in Geschäften auf und greifen nach dem Wasserglas auf dem Nebentisch – und trotzdem haben der gediegene Herr oder der noble Verkäufer ein Winkehändchen, ein Kosewort oder eine Nascherei für sie bereit.

Süsses

Die breiten Avenidas der argentinischen Hauptstadt quellen morgens bis abends mit Autos über. Verrostete halbe Schrottkarosserien teilen sich die Straßen mit hunderten Bussen und Taxis. Trotz der Zielsetzung Argentiniens die Richtlinien des Kyoto-Protokolls freiwillig einzuhalten, scheint keine Vorschrift für Katalysatoren oder sonstige Rußpartikelreduktion zu existieren. Eine Feinstaub-Plakette würde einige Stadtteile zu Fußgängerzonen machen, viele Autos fahren noch mit bleihaltigem Benzin.

Natürlichkeit steht nicht hoch im Kurs: Schönheitsoperationen sind gang und gäbe, denn jeder „hat das Recht auf einen schönen Körper“ – findet eine argentinische Medizinstudentin mit Ziel Schönheitschirurgin. Aufgespritzte Lippen, geliftete Gesichter und gerichtete Nasen sind weit verbreitet, von jung bis alt. Selbst das oberste Staatshaupt Präsidentin Christina Kirchner hat so einige kleinere Eingriffe vornehmen lassen. Aber Achtung vor geschlechtspezifischer Stereotypisierung: Nicht wenige Männer frönen dem Jugend- und Schönheitswahn.

Beauty-Victims

Silbergeld ist Gold wert. Argentinische Kleingeldmünzen, plata, sind schwer zu erhalten und hart umkämpft. Gemüsehändlerin, Marktverkäufer oder Bäckerin verziehen das Gesicht, wenn der Betrag nicht passend gezahlt wird. Es scheint nichts schwieriger, als einen notwendigen Geldbetrag in Münzen anzusammeln. Vielleicht liegt das an den vielgenutzten Bussen, in denen Tickets nur in plata gezahlt werden können.

Emanzipation? Die Herren der Schöpfung halten Türen auf, lassen die Damen in der U-Bahn sitzen und bezahlen das Abendessen. Im Gegenzug wird ihnen scheinbar das Recht zugesprochen, Frauen von Pfeiftönen umrahmte charmante bis obszöne Ausdrücke auf der Straße zuzurufen.

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Einsortiert unter:Deutsche Spuren im Ausland, Gesellschaft, Impressionen, Kultur, Lateinamerika, Panorama, , , , , , , , , , , , ,

One Response

  1. Daniel sagt:

    Ja, das kenne ich gut1 😉
    Ich habe letztens eine Australierin getroffen und die meinte, dass Argentinien das LAnd der Plastiktüten ist. Stimmt irgendwie …

    Saludos
    Daniel

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