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Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Interviews: Von ausweichenden Politikern und Che Guevaras Tochter

Der Journalist und Kommunikationsexperte Peter Linden vermittelt  in einem Workshop auf der LIMA wie ein Gespräch mit der richtigen Technik zu einem spannenden Interview wird.

Mit welcher Frage sollte man ein Interview niemals beginnen?
Würden Sie uns, Herr Minister, zuerst einmal in großen Zügen die allgemeinen Grundsätze Ihrer Arbeit im Verteidigungsministerium umreißen? So begann der SPIEGEL im Januar 1957 sein allererstes SPIEGEL-Gespräch.

Wie lauten Ihre drei goldenen Regeln, um ein spannendes Gespräch zu führen?
Sich nicht mit dem Gesprächspartner gemein machen. Nicht versuchen, den Gesprächspartner zu missionieren. Wirklich auf die Antworten eingehen und Folgefragen danach ausrichten.

Von links bis rechts das Gleiche: Wie schafft man es „Politikersprech“ zu durchbrechen und die tatsächlich interessanten Fakten zu erfahren?
Indem man häufiger episodisch statt faktisch fragt. Und indem man den Gesprächspartner zwingt, das Wort „ich“ zu verwenden anstelle von „man“.

DWDWd

Linden: "Man kann Interviews in dem Maße trauen, in dem man Medien traut"

Wie unterbricht man das Gegenüber beim Reden – ohne dass das Interview gleich beendet ist?
Mit Körpersprache. Und wenn das nicht hilft, indem man einen Begriff aus dessen Redefluss explizit aufnimmt, und die geplante Frage rund um diesen Begriff formuliert.

Was kann ein Interview im Unterschied zu anderen Textgattungen leisten?
Spannung durch O-Ton. In allen anderen Textgattungen wird der O-Ton maßlos überschätzt.

Die verfremdende Kunst des Redigierens gerade bei Interviews ist bekannt. Kann man abgedruckten Interviews überhaupt noch trauen – wie authentisch sind sie?
Man kann Interviews in dem Maße trauen, in dem man den Medien traut, die sie drucken. Im Übrigen ist weniger das Redigieren ein Problem als die Autorisierungspraxis.

Was war Ihre unangenehmste Interviewsituation?
Als ich aus lauter Wut über ihre Ignoranz versucht habe, eine Person aus dem politischen Leben von meiner Position zu überzeugen. Da war das Gespräch aber zum Glück schon fast beendet.

Welches Interview war Ihre persönliche Bestleistung?
Das damals erste Interview eines westdeutschen Journalisten – übrigens gemeinsam mit Chris Bleher – mit der Tochter von Che Guevara.

Welches Interview hätten Sie gerne selbst geführt und wieso?
Mit einem großen Steuerbetrüger über sein Verhältnis zum öffentlichen Eigentum und seine Mitschuld am Verfall des Gemeinwesens. Kommt hoffentlich noch.

(sop)

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