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Fiktiver TV-Beitrag: Georgien in Flammen – Moderator kann sich Zustände „lebhaft vorstellen“

Ein fiktiver Fernsehbeitrag über den Einmarsch russischer Truppen hat in Georgien Panik ausgelöst. In einer RadioEins-Sendung geht der Beitrag unter zwischen Pop-Musik und Hinweisen zum sicheren Motorradfahren. Eine Momentaufnahme aus der Medienwelt gefischt.

In Georgien wurde ein Fernsehbeitrag gesendet, der den Einmarsch russischer Truppen, brennende Häuser und Verletzte darstellte. Es wird behauptet, Präsident Saakaschwili sei getötet worden. Was die meisten Zuschauer nicht wussten: Der 25-minütige Beitrag war fiktiv. Er wurde von einem Sprecher kurz an- und abmoderiert und dann aus Archivbildern aus dem Jahr 2008 des russisch-georgischen Konfliktes zusammengestellt. In der georgischen Bevölkerung soll Panik ausgebrochen sein. Die Moskau-Korrespondentin Heide Rasche berichtete beim rbb-Sender RadioEins von Hamsterkäufen an Tankstellen, Schlangen an Geldautomaten, zahlreichen Herzinfarkten und dem Zusammenbruch des Mobilfunknetzes.

„Lebhaft“ vorstellbare Panik

Matthias Hanselmann von RadioEins führt in der Sendung Radio Eins am Vormittag ein Gespräch mit der Moskau-Korrespondentin und kommentiert mit „das kann man sich lebhaft vorstellen“ und verabschiedet die Korrespondentin nach einer kurzen Inhaltszusammenfassung mit einem fröhlichen „Tschüüß“. Es mag der letzte Beitrag in seiner Sendung gewesen sein und er als Moderator auch eher auf den Redaktionsablauf fokussiert. Dennoch wäre eine etwas seriösere oder interessierte Haltung angebracht gewesen.

Moped fahren geht vor Meinungsbildung

Der Service-Teil des „Schöner Leben“ hatte davor deutlich mehr Zeit zum Thema des sicheren Motorradfahrens bekommen und auch den Moderator offensichtlich inspiriert. Irgendwie schien dieser anschließend nicht mehr zwischen seinem lustigen „Mopped“ (Aussprache des Moderators) und einem Beitrag politisch-medialer Brisanz unterscheiden zu können.

Immerhin hat es die Meldung in das RadioEins-Programm geschafft, dennoch war die Art und Weise der Präsentation für einen anspruchsvollen Radiosender nicht ausreichend. Das Thema der medialen Manipulation, die Vermischung von politischer Propaganda und journalistischer Unabhängigkeit ist nicht nur in Georgien von aktueller Relevanz.

(jja)

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Einsortiert unter:Gesellschaft, Impressionen, Medien, Politik, Russland, , , , ,

One Response

  1. fragmentjunkie sagt:

    Der Georgische Präsident ist nicht dumm. So will er seine Diktatur festigen. Eine Bedrohung von außen ist da immer willkommen. Notfalls muss man sie ja selbst kreieren.

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