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„If I was President“: Wyclef Jean für Haiti, Santos für Kolumbien, Kagame für Ruanda

Veränderungen auf dem politischen Parkett: Der Musiker Wyclef Jean hat sich als nächster Präsident für Haiti beworben, Juan Manuel Santos tritt am Samstag das Erbe von Álvaro Uribe an und bei den Präsidentschaftswahlen in Ruanda am Montag versucht Paul Kagame sein Amt zu verteidigen.

„If I was president“, hat Wyclef Jean einmal gesungen, „I’d get elected on Friday, assasinated on Saturday,
and buried on Sunday.“ Jetzt hat er tatsächlich seine Bewerbung um das Präsidentschaftsamt in seinem Heimatland Haiti eingereicht. Die Neuwahlen sind für November ausgeschrieben, der amtierende Präsident René Préval kann laut Verfassung nicht erneut antreten. Haiti ist politisch instabil, leidet an Umweltzerstörung, Überschwemmung, Überbevölkerung. 80 Prozent der Haitianer leben von maximal zwei Dollar pro Tag, der Staatshaushalt wird durch Entwicklungshilfe gestützt.

Aufgabe des neuen Präsidenten: Wiederaufbau

Dazu das Erdbeben im Januar: Es gilt als eines der schlimmsten Naturereignisse der letzten 100 Jahre. Die vorher schon mangelhafte Infrastruktur wurde zu großen Teilen zerstört, etwa 300.000 Menschen kamen ums Leben, etwa 1,6 Millionen wurden obdachlos. Der Wiederaufbau Haitis (siehe Länderprofil und Erfahrungsbericht eines deutschen Katastrophenhelfers) ist angesichts der chaotischen Lage eine schwierige politische Herausforderung, an der auch Experten leicht scheitern.

Der Hip Hop-Star Wyclef Jean war bisher nicht für politische Ambitionen bekannt. Zumindest hat er in Haiti eine Hilfsorganisation, Yéle Haiti, aufgebaut. Ob er als in die USA ausgewanderter, allerdings sehr bekannter Kandidat gewinnen kann? Was er schon jetzt für Haiti getan hat: Der Prominenzfaktor lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die katastrophale Lage im Land.

Kolumbien nach Álvaro Uribe

Auch Juan Manuel Santos, der nach einem spannenden Wahlkampf gegen den Grünen Antanas Mockus ein doch überraschend eindeutiges Wahlergebnis erzielte, tritt am Samstag in Kolumbien ein schwieriges politisches Erbe an. Kolumbien ist geprägt von den Anschlägen und Entführungen der linksgerichteten FARC-Rebellen und dem Nationalen Befreiungsheer (ELN), Gewaltakten von rechtsgerichteten Paramilitärs, Drogenkriminalität und Korruption.

Der ehemalige Verteidigungsminister, der für eine harte Linie und einige Skandale bekannt ist, hatte mit seiner Fokussierung auf die Sicherheit die richtige Strategie gewählt. Als konservativer Sparring-Partner des Ex-Präsidenten Uribes wird Santos Uribes Politik der harten Hand gegenüber den Guerillas weiterverfolgen.

Neues Image für Ruanda

Bei den Präsidentschaftswahlen in Ruanda am Montag wird der seit 2000 amtierende Präsident Paul Kagame vermutlich im Amt bestätigt werden. Kagame hat nach dem Bürgerkrieg und dem Völkermord von 1994, bei dem über 800 000 Tutsis und gemäßigte Hutus ermordet wurden, das zerstörte Land wiederaufgebaut und für Sicherheit gesorgt.

Kritisiert wird die Regierung allerdings für Repressionen, die Unterdrückung von Medien und Opposition und politische Morde. Schon bei den Wahlen von 2003, bei denen Kagame mit 94 Prozent der Stimmen bestätigt wurde, verlief nicht alles nach demokratischen Maßstäben. Die Regierung investiert massiv in PR-Kampagnen, um die Assoziation mit dem Völkermord von 1994 durch ein neues Image zu ersetzen, das von Naturschönheiten und Gorillas geprägt wird.

(sop)

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