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Paco: Gefährlicher Billigrausch

Gegen Marihuana in kleineren Mengen kämpft die argentinische Regierung nicht mehr – der private Konsum ist legalisiert. Das größere Problem heißt Paco: ein gefährliches Kokain-Abfallprodukt, das schnell süchtig macht und vor allem die Lage in den Villas, den argentinischen Armenvierteln, drastisch verschlimmert.

„Lebende Tote“ werden die zehntausenden Paco-Junkies in Argentinien genannt. Denn Paco tötet nicht nur Schmerz, sondern auch das Hungergefühl. Viele Konsumenten sind völlig abgemagert, sie haben aufgesprungene Lippen und Blutergüsse auf der Haut. Die Pasta Básica de Cocaína, kurz Paco, ist ein Abfallprodukt auf Kokainbasis, das geraucht wird. Oft ist die Droge mit diversen Substanzen wie Glassplittern oder Chemikalien wie Kerosin, Putzmittel oder Lösungsmitteln gestreckt. Langfristig schädigt die gefährliche Mixtur Gehirn und Organe, Paco fördert aber auch Psychosen und Paranoia.

Droge der Armen

Wie Kokain macht Paco euphorisch – doch die Wirkung setzt sofort ein und dauert nur 30-70 Sekunden. Und Paco ist billig, kostet nur ein paar Cents, so dass die Droge sich vor allem in den Armenvierteln von Buenos Aires rasant ausbreiten konnte.

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Nach der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 soll die Zahl der Abhängigen hochgeschnellt sein, vor allem viele Jugendliche bekämpften Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftschancen mit dem billigen Rausch.

Schon nach zwei bis drei Dosen sind die Konsumenten abhängig. Auf der Flucht vor dem Stimmungstief, der nach dem euphorischen Kick folgt, inhalieren Paco-Abhängige einhundert bis dreihundert Mal täglich. Das Geld dafür besorgen sie sich, indem sie nicht selten Eltern oder Familienmitglieder beklauen, dealen, sich prostituieren oder ihren letzten Besitz verkaufen.  

Die Regierung bekommt das Problem nicht in den Griff. Nur etwa 3000 Plätze für den Drogenentzug gibt es – viel zu wenige. Die meisten fühlen sich beim Kampf gegen die Sucht alleine gelassen. Einige Mütter haben sich im Kampf gegen die Droge in der Organisation „Madres contra el paco“ zusammengeschlossen, sie klären auf, halten Vorträge und demonstrieren gegen die mangelnde Unterstützung der Regierung. Die Madres contra el paco tragen bei ihren Protestmärschen schwarze Kopftücher. Sie erinnern damit an die Madres de la Plaza de Mayo mit ihren weißen Kopftüchern, die eine andere Generation von jungen Argentiniern verloren hatten – die während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ermordeten Söhne, Töchter und Enkel.

Weiterlesen

„Paco ist ein Tsunami“ beim Freitag
„Kein Hunger, kein Schmerz“ bei der Wochenzeitung
Reír de alegría, la lucha de una madre contra el paco bei La Nación

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