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Auf der Flucht

Fatima musste als Kind mit ihren Eltern aus dem Iran flüchten. Mittlerweile lebt die 19-Jährige in München und hat ambitionierte Zukunftspläne.

Der Eiffelturm ist überall – auf Fatimas Facebook-Profil, auf Postkarten aus Paris und als Zeichnung auf Fatimas Schreibtisch in dem kleinen Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Die berühmte Sehenswürdigkeit ist Fatimas Symbol für Freiheit – denn der Eiffelturm erinnert die 19-Jährige an ihre „erste Reise ohne Angst und Druck“, an den zweiwöchigen Schüleraustausch nach Paris.

Die Erinnerungen an die längste Reise in Fatimas Leben sind weniger schön: Dreieinhalb Jahre lang war sie mit ihren Eltern und den beiden jüngeren Geschwistern auf der Flucht. Vom Iran in irgendein Land, in dem sie bleiben konnten. Auf dem Weg wäre Fatima einmal fast ertrunken, als das Boot voller Flüchtlinge bei einer Flussüberquerung kenterte – ein Mann konnte die damals 11-Jährige gerade noch mit einem Ast ans Ufer ziehen.

Fatima in Paris: "Die erste Reise ohne Angst" (Bild: Fatima)

Fatima in Paris: "Die erste Reise ohne Angst" (Bild: Fatima)

Auch Fatimas kleiner Bruder hätte die Flucht beinahe nicht überlebt. Nach einer 24-stündigen Nachtwanderung durch die Berge war der Körper des Babys starr vor Kälte, die Eltern konnten ihn gerade noch rechtzeitig aufwärmen. Wo genau die Route der Familie verlief, kann Fatima schwer nachvollziehen – auf jeden Fall durch Länder wie Iran, Kurdistan, Türkei, Griechenland, Italien. „Immer hin und her, hin und her“, wie sie sagt. Denn die Familie wurde oft von einem Land ins andere ausgewiesen.

„Iraker raus“

Fatimas Eltern sind Iraker, Fatima wurde im Iran, in Esfahan, geboren – doch eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt sie nie. Der erste Golfkrieg hatte ab 1980 tiefe Gräben zwischen Iranern und Irakern gezogen. In der Schule merkte Fatima zwar nichts von dem Hass, doch sie erinnert sich, dass manche Iraner „Iraker raus“ skandiert hätten. Auch die Kinder seien immer „Iraker“ genannt worden – obwohl sie gebürtige Iraner sind. Zurück in den Irak konnte die Familie aber nicht.

Ihr Vater habe als Journalist immer das geschrieben, was er gedacht habe, sagt Fatima. Das konnte gefährlich sein. Als sie in der dritten Klasse war, musste die Familie aus dem Iran fliehen, gelangte erst nach Kurdistan, dann ging es immer weiter.

Wie es weiterging: respect.de

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