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Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Art in Amsterdam

Ein Streifzug durch die Kiffermetropole und Grachtenschönheit Amsterdam: Street-Art, umgestaltete Fahrräder, ein internationales Magazinprojekt und viele Kühe.

Ein Zwischenstopp auf dem Weg von Tel Aviv nach Berlin als kleine Kunstreise: Vor dem Amsterdamer Hauptbahnhof wird gebaut, die Zäune sind mit Plakaten verschiedener Künstler und Künstlerinnen verhüllt – ein Projekt, das noch von der letzten Nacht der Museen übrig geblieben ist: der Mensch als Schwein, fotografische Stadtansichten, bunte Popart-Illustrationen.

Das Phänomen der Public-Private-Partnership setzt sich in letzter Zeit anscheinend immer öfter durch und weicht die Grenzen des ursprünglichen Streeart-Gedankens auf – der Künstler muss den Öffentlichen Raum gar nicht mehr erobern, sondern die Flächen werden von der Stadt zur Verfügung gestellt, teils kuratiert. Ein Straßenmusiker nutzt die Gelegenheit und lässt sich mit seiner Ziehharmonika vor der rosa-weißen Großstadtsilhouette nieder. Die imaginäre Stadt funktioniert.

Bunte Plakatwände in Amsterdam

Bunte Plakatwände in Amsterdam

Die temporäre Galerie W139, ein schlichter, riesiger, weißgetünchter Raum, ist noch oder immer wieder ein Ort im Aufbau: Hinter einem weißen, kubistischen Holzobjekt hämmern und klopfen zwei junge Männer auf Holz herum, stylistisch würden sie auch im Oberholz in Berlin kaum auffallen. Das kubische Igeldings scheint aktuell die Hauptrolle zu spielen. Wie eine Videoinstallation erkennen lässt, sassen darauf bei einer Vernissage ein paar junge Menschen herum, die Reaktionen der Zuschauer auf die Regungslosen war allerdings wenig spektakulär (in etwa wie im Zoo).

Küsschen, Küsschen

Zudem werden allzu bekannte Szenen der Vernissage wie Bussi rechts und links und allseitige Selbstinzenierung abgespielt – die Ironisierung des Oberflächlichen durch deren multimediale Darstellung. Einfallsreich war vor allem das selbstironische Drehbuch für das Happening (allein dessen Existenz angesichts des Happening-Charakters schon absurd ist): Ausgedruckt auf A4-Blättern, in Holzrahmen an der Wand, bestand es nach der Einleitung vor allem aus Namen, denen der Text noch fehlte. Die Einschübe á la „XY bringt sich wieder in das Gespräch ein und spielt sich in den Mittelpunkt“ lassen erahnen, dass auch ein Text der Inhaltslosigkeit nichts hinzufügen würde – eine Repräsentation des Nichtssagenden.

Amsterdam: viel Kunst, viele Fahrräder

Amsterdam: viel Kunst, viele Fahrräder

Eine Insel in der grauen, kalten Stadt: In dem atmosphärischen Eckcafé dwaze zaken, Untertitel: Essen, trinken, Kunst, hängt die Kunst an der Wand, wie etwa eine Büste, die aus zwei Besen geformt worden ist. Stadt- und Kunstmagazine berichten von Neuigkeiten aus der Kreativenwelt, so würden Hausbesitzer in Amsterdam sich gegen Graffitis wehren, indem sie angesehene Streetartisten damit beauftragen, die Wände aufzuhübschen (in der Hoffnung, dass rangniedere Artisten respekvoll die Finger von den Werken lassen).

Eine Kunstreise durch die Welt: Travel Mediamatic als offenes Projekt

Eine Kunstreise durch die Welt: Mediamatic Travel als offenes Projekt

Auch das Projekt Mediamatic Travel stellt sich in Papierform vor – das Magazin erzählt aus einer künstlerischen Perspektive von Städten auf der ganzen Welt und portraitiert Künstler von Kabul bis Tiflis – als offene Plattform ruft es zur Mitarbeit auf. In einer Fahrradstadt wie Amsterdam, die wohl weltweit die breitesten Radwege hat, darf auch die Fahrradkunst nicht fehlen: Im Stadtmagazin wird eine junge Künstlerin portraitiert, die die meist schwarzen Hollandräder mit Nagelnack und Co durch Muster und deutsche und französische Wortfetzen zu Unikaten stilisiert. Im Hauptbahnhof ist dann ein Ausschnitt ganz klassischer Museumskunst zu sehen: Dort werden aktuell Gemälde mit holländischen Kühen ausgestellt.

(sop)

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