Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Tel Aviv: Die israelische Insel

Tel Aviv, die pulsierende Stadt am Mittelmeer, ist ein spannendes Reiseziel – und für die Israelis ein Fluchtort vor den Spannungen des Nahostkonflikts.

In Tel Aviv lässt sich der Nahostkonflikt leicht verdrängen: Am Strand zupfen ein paar Jugendliche an Gitarren, alte Männer schießen beim Matkot-Spiel mit Holzschlägern Bälle hin und her, an der Promenade flanieren Menschen wie aus Modemagazinen und die vielen kleinen Cafés und Bars sind gut besucht.

Tel Aviv hat mehr mit Strandstädten wie Rio de Janeiro oder Los Angeles gemeinsam als mit dem historisch aufgeladenen Jerusalem, das von der Präsenz der Religionen und der konfliktreichen heiligen Stätten geprägt ist. Und so dreht sich in der mit fast 400.000 Einwohnern zweitgrößten israelischen Stadt Tel Aviv der Alltag meist um Profaneres als Politik – zum Beispiel um Mode, Partys, Kunst und Kultur. Als israelisches New York, als Stadt am Mittelmeer, die niemals schläft, präsentiert sich Tel Aviv und zieht mit diesem sorglosen Image Touristen aus aller Welt an.

Wo alles möglich ist

Viele lieben an der Stadt das Gefühl, alles tun zu können, was man will. Tel Aviv ist für ein pulsierendes Nachtleben bekannt, internationale DJ’s legen in den vielen Clubs auf. An Laternen oder Hauswände geklebte, teils selbstgebastelte Flyer kündigen unzählige privat organisierte Dachterrassen-Partys und kleine Konzerte an.

Aus der „Anything-goes-Atmosphäre“ ist auch eine große, offene Schwulen- und Lesbenszene entstanden, die in Jerusalem so nicht denkbar wäre. Ende 2009 wurde das Freiheitsgefühl allerdings durch den Anschlag auf ein queeres Jugendzentrum und den Tod von zwei Jugendlichen empfindlich getroffen. Dennoch zeigen die Tel Aviver sich weiter unbeschwert, die Bars, die zahlreichen Läden oder die großen Shopping-Komplexe wie das glitzernde Azrieli-Center oder das Dizengoff-Center im Norden sind stark frequentiert.

Bunte Märkte

Auf den Märkten Tel Avivs wie dem Hacarmael Markt mischen sich die unterschiedlichsten Einwandererkulturen: Überladene Obststände, türkischer Honig, Kibbuz-Käse, Asia-Food und arabische, vor Honig triefende Süßigkeiten. Überall gibt es Sandwiches, die man sich selbst mit Zutaten beladen kann – wie mit Falafel und Hummus, der arabischen Kichererbsenpaste, die auch die Israelis als Nationalspeise für sich reklamieren.

Ein beliebter Treffpunkt sind der Flohmarkt und die Stände, Geschäfte und Bars von Old Jaffa, wodurch die Preise allerdings auch touristisch-teuer sind. Die alte arabische Hafenstadt Jaffa wurde 1950 mit den jüdischen Siedlungen zu Tel Aviv-Jaffa verschmolzen.

Das heutige Tel Aviv ist keine langsam im Lauf der Jahre gewachsene, geplante Stadt, sondern ein Siedlungskomplex, der sich durch den plötzlichen Bevölkerungsanstieg durch die jüdischen Einwanderer aus der ganzen Welt explosionsartig vergrößert hat.

Weiße Stadt am Meer

Tel Aviv vereint ein Sammelsurium aus unterschiedlichsten Stilen, kleine, gedrängte Straßen, aber auch breite Alleen wie den Rothschild Boulevard, auf dem sich ein Café an das andere reiht und der von den weißen, kubischen Bauhaus-Gebäuden mit den charakteristischen abgerundeten Kanten gesäumt ist. Wegen der Präsenz des Bauhaus-Stils wird Tel Aviv auch „White City“, die weiße Stadt, genannt. In den dreißiger Jahren aus Nazideutschland geflüchtete Architekten, die vom Dessauer Bauhaus-Stil beeinflusst waren, hatten nach ihrer Ankunft in Israel 4000 der weißen Häuser gebaut.

Nur eine Handvoll Museen, wie das relativ kleine Tel Aviv Museum of Art, sind in Tel Aviv eine Besichtigung wert. Stadtteile wie Florentin im Süden, das sich langsam vom heruntergekommenen Viertel in einen zukünftigen Trendbezirk verwandelt, ist dafür eine Arena für Street-Artisten: An jeder Straßenecke lassen sich kleine Kunstwerke, Zeichnungen, Stencils oder geklebte Bilder entdecken. Der Platz, an dem sich ganz Tel Aviv versammelt, ist allerdings der Strand – denn selbst in den kalten Monaten fallen die Temperaturen selten unter 20 Grad.

(sop)

Advertisements

Einsortiert unter:Deutsche Einwanderung, Deutsche Spuren im Ausland, Deutschland, Europa, Gender, Gesellschaft, Impressionen, Israel, Kunst, Migration, Nahost, Panorama, Reise, , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal bei den Deutsche Welle Blog Awards

Fernlokales 2011

Jesus Mexiko 2011 (copyright fernlokal)

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

Lokales 2010

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

%d Bloggern gefällt das: