Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Das bayerische Lampedusa

In einem niederbayerischen Dorf leben mehr Asylbewerber als Einwohner – ein Kulturschock für beide Seiten.

Durch Berg und Tal schlängelt sich die kleine Straße nach Schöllnstein, einem niederbayerischen Dörfchen, das aus einer Handvoll alter Bauernhäuser mit bunten Fensterläden, einer Kapelle, einem Feuerwehrhaus besteht. Zwei blonde Kinder rutschen auf dem Skateboard den Berg hinunter, ein alter Mann tuckert mit Traktor und mit Holz auf dem Anhänger durch das Dorf – sonst sind die Straßen leer.

Für viele ist das beschauliche Schöllnstein seit Generationen Alltag, auch junge Familien ziehen wegen der Ruhe hierher. Doch die meisten Menschen leben unfreiwillig in dem Dorf zwischen Donau und bayerischem Wald. Denn Schöllnstein hat nur 70 Einwohner – und rund 90 Asylbewerber.

Für die Flüchtlinge, die oft direkt aus Krisengebieten wie Somalia, Afghanistan oder Irak nach Deutschland kommen und selten Deutsch sprechen, ist das Leben in dem Dorf schwierig. Kaum Busverbindungen ins nächste Dorf, kein Laden, keine Freizeitangebote, keine Schule, kein Arzt, das letzte Gasthaus ist vor Jahren abgebrannt: Schöllnstein ist vor allem für die eine Idylle, die auch ein Auto haben, um notfalls schnell woanders zu sein.

„Eine Notsituation“

Anfang Juli 2010 kamen die ersten Asylbewerber nach Schöllnstein. Damals waren es nur wenige, die in dem weißgetünchten Gebäude untergebracht wurden, das wie ein Landhotel auf dem Schöllnsteiner Berg thront – doch schnell wurden es immer mehr.

„Es war eine Notlage“, sagt Michael Bragulla, Regierungssprecher von Niederbayern. „Wir mussten viele Leute schnell unterbringen.“ Hauseigentümer, die ihre Gebäude als Unterkünfte für Asylbewerber an die Regierung vermieten wollen, sind rar – in Schöllnstein war es so. Das Haus am Berg stand leer, früher war es ein Gasthaus mit Ferienwohnungen, in den Neunziger Jahren eine Unterkunft für Spätaussiedler.

Die Situation der Asylanten in Schöllnstein ist zwar ein Extremfall, aber kein Einzelfall: Niederbayern sei eben ein sehr ländlicher Regierungsbezirk, sagt der Regierungssprecher. „Die Asylbewerber sind so untergebracht wie die Niederbayern auch – in kleineren Orten.“ 1100 Asylanten sind derzeit auf insgesamt 15 Unterkünfte in Niederbayern verteilt.

Was die Schöllnsteiner dazu sagen und wieviele Menschen aus welchen Ländern wo in Bayern 2010 Asyl beantragt haben auf Unklartext Online

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