Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Acapulcos Abstieg

Endlose Bucht, Nachtleben und Hunderte von Hotels: Doch Acapulco hat Glanz verloren.

Acapulco, in den Sechzigern und Siebzigern die „Perle des Pazifik“, Urlaubsdomizil von Stars wie Elvis Presly, Politpromis wie den Kennedys und Möchtegernsternchen, ist inzwischen vor allem Reiseziel für die mexikanische Mittelklasse sowie der Mexikaner aus dem Umland.

Auch Aussteiger vor allem aus den USA und Kanada und schubweise internationale Touristen, deren hochhausgroßes Kreuzschiff im Hafen vor Anker liegt, treiben sich in der Strandstadt herum.

Gewehr im Anschlag

In den Neunzigern führten Umweltverschmutzung und Kriminalität zum Niedergang der Touristenhochburg – ganz sauber scheint das Wasser vor allem in Hafennähe tatsächlich nicht.

Auf den Straßen patroulliert mittlerweile auch Bundespolizei, in schwerer Ausrüstung auf den Ladeflächen schwarzer Jeeps stehen drei, vier, fünf Männer mit Maschinengewehren im Anschlag. Um die Kartelle abzuschrecken – oder zumindest Sicherheit zu suggerieren. Man gewöhnt sich daran.

Leere Hotels

Der Vorteil des Imageverlustes: Auf die Ballermanntouristen und Springbreaker darf man in Acapulco verzichten, denn die sind mittlerweile in Cancún. Hunderte von Hotels stehen im Zentrum, an der riesigen Bucht entlang, aber auch auf den Bergketten, an die sich die Ausläufer der Stadt schmiegen.

Viele der Hostels, Hotels und Ferienwohnungen haben nur wenige Gäste oder stehen leer, darunter sind einige brüchige, verschimmelte Gebäude, teils nie fertig gebaute Ruinen.

Trotzdem: Der Ausblick auf Hafen, Stadt, die Berge, die die Stadt einrahmen, sind schön. Auch noch nie gesehen: ein halbrundes römisches Amphittheater, das sich zum Meer hin öffnet – grandios.

Und die metallic angesprayten Busse von Acapulco, mit ihren flammenden Tatoo-Herzen, Looney-Tunes-Comicfiguren, Mickey Mäusen, halbnackten Frauen auf Front, Seiten und Heck, zählen wohl zu den optisch interessantesten öffentlichen Verkehrsmitteln in ganz Mexiko.

Heere von Strandverkäufern

Die Kulisse macht das Leben in Acapulco für viele Bewohner, die dort in Armut leben, wahrscheinlich erträglicher.

Eine Armada von Kleinstunternehmern schlägt sich durch den Verkauf von Tortillas, Strandtüchern, Sonnenbrillen, Meeresfrüchtesalat, Ketten, mit Diensten wie Massage oder temporären Tätowierungen durch. Auch kleine Kids werden entweder alleine, mit Geschwistern oder Mutter mit auf Verkaufstour geschickt, den ganzen Tag am Zócalo, dem Zentrum, oder am Strand hin- und her.

Überlebenskampf am Strand

Camelia la Mexicana, Ruth, Moby Dick: Am Strandabschnitt liegen morgens die abgewrackten Fischerboote am Strand, wie auf eine Sandbank aufgelaufen, Männer sitzen unter dem Schatten eines Baums und schlagen die Zeit tot, nebenan sind die glänzenden Fischlaiber ordentlich zum Verkauf auf Tischen gestapelt.

Erschöpfte Kugelfische, die aufgrund ihrer eingeschränkten Geniessbarkeit aus den Fischernetzen ins Meer zurückbefördert wurden,  werden immer wieder von den Wellen an den Strand geworfen, bleiben kurz liegen, schnappen nach Luft und werden einige Meter zurückgeschleudert.

Überlebenskampf, während nebenan kunstvolle Sandburgen, Pyramiden gebaut werden. Wobei, Überlebenskampf ist in Acapulco fast überall anzutreffen.

Amüsement für die Armen

Zumindest der Strand ist kostenlos – und das tägliche Spektakel der Clavadistas von Quebrada, den Klippenspringern von Acapulco.

Zumindest wenn sich die Gäste, was die meisten tun, außerhalb der offiziellen Tribüne auf den Straßen oberhalb der Küste aufreihen, um den Clavadistas zuzusehen, wie sie mit ausgebreiteten Armen oder mit Salti rückwärts von den Klippen ins Meer springen.

Advertisements

Einsortiert unter:Gesellschaft, Impressionen, Mexiko, Reise, USA, Wirtschaft, , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal bei den Deutsche Welle Blog Awards

Fernlokales 2011

Jesus Mexiko 2011 (copyright fernlokal)

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

Lokales 2010

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

%d Bloggern gefällt das: