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Oaxaca: Revolution auf der Straße

Steinewerfer, Masken, Totenköpfe: In der Street-Art von Oaxaca spiegeln sich mexikanische Politik und Kultur.

Neben einer Kirche im spanischen Kolonialstil springen Skater über Treppen und feilen an ihren Tricks, an den Wänden kleben ein gelb-schwarzes Zebra und einige Sticker.

Gerade einmal 300.000 Einwohner hat Oaxaca, die Hauptstadt des gleichnamigen mexikanischen Bundesstaates – und doch ist Street-Art hier an jeder Straßenecke präsent und verhältnisweise häufiger zu sehen als in der riesigen Metropole Mexiko City.

Kreative Vielfalt

Viele der knallbunten Häuserwände Oaxacas sind mit Tags verziert oder auch mit unschönen Schriftzügen vollgeschmiert. Avenida de la Independencia, Calle de la Noria, Calle de Mariano Matamoros: An Straßenschildern, Verkehrsschildern und Ampeln pappen Hunde-, Bob-Marley- oder Schmetterlingssticker und andere Gebilde.

Die Street-Kultur ist lebendig, die Künstler arbeiten mit Stickern, Postern, Stencils, Wandmalerei, Graffiti. Die formale Vielfalt reicht an internationale Großstädte wie New York, Berlin oder San Francisco heran.

Politischer Protest

Doch im Stadtbild von Oaxaca zeigen sich auch die Spuren der lokalen Revolution: die Silhouette eines Steinewerfers an einer Häuserwand, ein anderes Wandbild ist ein Aufruf zum revolutionären Widerstand.

Denn 2006 und 2007 war Oaxaca durch Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Aktivisten sowie Regierung immer wieder in Aufruhr, bis die Proteste schließlich von der mexanischen Bundespolizei niedergeschlagen wurden. 2006 hatten Lehrer friedlich gegen die niedrigen Löhne protestiert – dann weiteten sich die Demonstrationen zu einer Protestwelle verschiedener sozialer Bewegungen gegen die Korruption und die Politik des Gouverneurs von Oaxaca aus, mit Straßensperren, Besetzungen und einem gewaltsamen Schlagabtausch.

Bunte Masken und Totenköpfe

In der Street-Art-Szene Oaxacas spiegelt sich auch die mexikanische Kultur in bestimmten Szenen und Symbolen: In der ganzen Stadt sind etwa Stencils und Aufkleber mit mexikanischen Masken verteilt, manche Wandbilder mit indigenen Szenarien erinnern an tradionelle Wandmalerei und auch die vielen, oft bunten Totenköpfe sind typisch Mexiko.

Denn der mexikanische Totenkult ist nicht von Trauer geprägt, sondern von Lebenslust: Das Totenfest am zweiten November zählt zu den wichtigsten Festen Mexikos und ist ein buntes Volksfest, kein Trauertag.

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