Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Barfuß und Bargeldlos

Schuhe weg, Geld weg: Gestrandet in Mexiko City.

Der Plan sah eigentlich anders aus: Endlich wieder Aufbruch aus der – wenn auch spannenden und sich fast schon wie zuhause anfühlenden – Metropole Mexiko City, endlich wieder reisen – nach Morelia und Guadalajara, in die Bundesstaaten Michoacán und Jalisco, die wir bisher noch nicht betreten haben.

In Guadalajara auf der Parkbank

Nach dem Zusammensammeln der letzten Peso-Scheine aus Reiseführer, Brottüte, Socken und anderen absurden Verstecken dann Ernüchterung: wir hätten es gerade mal per Bus nach Guadalajara geschafft, dann hätten wir wohl auf einer Parkbank schlafen müssen.

Kein Geld mit Postbank-Karte

Der Kreditkartenrahmen ist ausgereizt, in Deutschland sind die Banken unerreichbar und die Postbank hat fieserweise klammheimlich die Möglichkeit abgeschaft, im außereuropäischen Ausland Geld mit der ec-Karte abzuheben – zumindest so heimlich, dass diversen Internetforen zufolge nicht nur wir erst im Ausland davon überrascht wurden.

Also Warten auf Morgen was Reisepläne und Geldbeschaffung betrifft. Als ich dann mit dem Restgeld zumindest die Hotelrechnung für heute Abend bezahlen wollte, waren auf einmal meine – einzigen! – Schuhe weg, die nicht mehr besonders schön sind und auch so intensiv stinken, dass sie die letzten Nächte außerhalb des Zimmers verbracht haben.

Aufregung um Schuhdiebstahl

Der Blick in sämtliche Mülltonnen nutzte erstmal nichts – die Putzfrauen sagten auf Nachfrage, sie hätten die Schuhe zwar immer gesehen, aber eben immer stehengelassen, telefonierten aber gleich ihre Kolleginnen auf den anderen Etagen durch.

Wir hatten ja unsere neuen Nachbarn, zwei schwule Jungs, im Verdacht, die in der Nacht mit zwei weiteren Companeros hörbar betrunken draußen herumgebrüllt hatten und die Schuhe vielleicht als Wurfgeschoss Richtung Skyline Mexiko City missbraucht oder in der Dunkelheit für wertvolle Objekte gehalten hatten.

Als der eine der beiden Nachbarn dann tatsächlich  um die Ecke bog, stellten wir uns ihm in den Weg. Auf die Frage, ob er wüsste, wo die Schuhe seien, wusste er sofort worum es ging: „Jaja, die Schuhe sind nebenan.“ Ging ins Nebenzimmer, holte die Schuhe heraus, warf noch ein „Sorry“ hin und war sofort wieder verschwunden.

Der Nebeneffekt: Die Suche nach den Schuhen hat eine mittelschwere investigative Recherche im ganzen Hotel ausgelöst, weswegen uns bei jeder Gelegenheit jeder Angestellte fragt, ob die Schuhe wieder aufgetaucht seien, wo und wie. Eine Delegation, bestehend aus der Chefin aller Angestellten und einem Zimmermädchen stand dann auch nochmal bei uns vor der Tür.

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Einsortiert unter:Deutsche Spuren im Ausland, Impressionen, Mexiko, Panorama, Reise, , , , ,

One Response

  1. Martin sagt:

    Wahnsinn, da kann man schon was erleben im Urlaub. Das mit der ec-Karte von der Postbank durfte ich übrigens auch erleben im Urlaub. Auf meine relativ empörte Nachfrage hin hieß es nur, ich hätte diese Info der Homepage entnehmen können. Super!

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