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Militärdiktatur-Prozesse: Spätes Urteil im Mordfall Elisabeth Käsemann

Elisabeth Käsemann wurde 1977 von argentinischen Militärs erschossen – erst jetzt werden die Täter bestraft.

An ihrem 30. Geburtstag befand sich Elisabeth Käsemann bereits in dem Folterzentrum El Vesubio in der Provinz Buenos Aires. Wenige Tage später, in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1977 wurde sie mit 15 Mitgefangenen in Monte Grande erschossen. Die offizielle Version der argentinischen Militärregierung: Es habe ein Feuergefecht gegeben, bei dem die 16 “subversiven Verbrecher” getötet worden seien. Allerdings trug Elisabeth Handschellen und eine Kapuze über dem Kopf, die Militärs hatten sie mit Schüssen in Genick und Rücken exekutiert (Hier mehr zu ihrer Geschichte).

Erst jetzt mussten sich die Täter vor Gericht verantworten, die für die Entführung und den Mord an der jungen Deutschen verantwortlich sind.

Nach eineinhalb Jahren Hauptverhandlung hat das argentinische Bundesgericht am 14. Juli 2011 Héctor Humberto Gamen und Ricardo Néstor Martínez wegen Mord und Freiheitsberaubung an Elisabeth Käsemann zu lebenslanger Freiheitsstrafe beziehungsweise zwanzig Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Späte Entscheidung

Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck von der Koalition gegen Straflosigkeit, die unter anderem den Fall Käsemann zur Anzeige gebracht hatte, sieht diese Entscheidung mit gemischten Gefühlen: „Sie kommt spät, die Eltern Käsemann, die sich seit 1977 für die Aufklärung des Verbrechens eingesetzt hatten, erleben sie ebenso wenig wie der vor wenigen Tagen verstorbene Haupttäter, der ehemalige Lagerkommandant von El Vesubio, Duran Saenz.“

Anfang 2012 wird der Fall Käsemann auch eine Rolle in dem Prozess gegen den Ex-Diktator Diktator Jorge Rafael Videla spielen, der die Militärdiktatur 1976 in Argentinien etabliert hatte. Etwa 30.000 Menschen wurden bis 1982 entführt, gefoltert, ermordet – wie Elisabeth Käsemann. Videla soll einmal gesagt haben: „Es müssen so viele Menschen wie nötig in Argentinien sterben, damit das Land wieder sicher ist.“

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