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Medienkritik: Nachrichtenliebling China

Verkürzte Nachrichtentexte stärken Chinas Medienpräsenz und erleichtern dem undemokratischen Land erhöhte Aufmerksamkeit.

Eigentlich können sich die Berliner mit RadioEins über ein relativ ausgewogenes Radioprogramm freuen. Kultur, Politik, Lokales und auch zur Hälfte gute, also abseits vom Mainstream, Musik. Nachrichten allerdings können sich die Hörer sparen: kaum länger als der alle 25 Minuten gesendete nervtötend laute Werbeblock berichtet RadioEins das, was BILD, Spiegel und Co. in den Schlagzeilen schon vorher verlautbaren. „Laut Spiegel Online…; einer Studie, die dem Nachrichtenmagazin Spiegel vorliegt…“, ein oft gehörter Satz.

Mal sind es Themen, die nicht nachrecherchiert werden, manchmal kommen die Nachrichten ohne Bedacht. So wie heute: „China hat den Empfang des Dalai Lama von US-Präsident Obama scharf kritisiert…“ Wer eine solche Nachricht sendet, unterstützt die repressive Macht im Osten. China wird zum Hauptakteur, die Nachricht wirkt unkritisch. Hätte es geheißen: „US-Präsident Obama hat den Dalai Lama in Washington  zu Gespächen eingeladen. […] Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao kritisierte den Empfang, da […]“, wäre es den Fakten näher gekommen.

PR für China

Mit China als Subjekt vermittelt der Nachrichtensprecher dem Zuhörer 1) China hat mehr Einfluss, da an erster Stelle und wichtigster Akteur genannt und 2) China hat mit seiner Kritik recht, denn eine kritische Betrachtung oder Einordnung fehlt zunächst. Etwas diffenzierter erklärt ein Beitrag anschließend die – eventuell – schwierige Lage der Tibetaner. Der Text ist im Konjunktiv gehalten, denn dass Demonstranten in Tibet verfolgt würden, ist natürlich nicht nachgewiesen. Zumindest nicht nach RadioEins-Kenntnissen.

Indem die Zuhörer halbsstündlich Chinas Position vorgespielt bekommen, unterstützen öffentlich-rechtliche Medien die Macht des riesigen Landes. Das Land, welches eigentlich zu kritisieren wäre, mit seinen repressiven Politikern, der eingeschränkten Presse, den fehlenden Menschenrechten und der gerade deswegen wachsenden wirtschaftlichen Größe.

Wer China eine solche Plattform liefert, braucht sich über ein kontinuierlich – auch politisch –  erstarkendes Riesenland eigentlich nicht mehr wundern.

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