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Mist zu Gold

Der kleine peruanische Küstenort Paracas ist berühmt für seine Inseln voller Vögel – und deren Mist ist ein wertvolles Wirtschaftsgut.

Morgens um acht schießen die ersten Schnellboote voller Touristen an der Küste des Naturschutzgebietes von Paracas vorbei, vorbei an einem riesigen Abdruck, der in den Hang geritzt ist und aussieht wie ein überdimensionaler Kerzenleuchter oder ein Kaktus und um den sich verschiedene Mythen ranken, da niemand seine Herkunft kennt.

Wenn das Boot die Islas Ballestas erreicht, sind die Vögel und Seelöwen aber die größte Attraktion – das Boot treibt an schwarzen oder weißen Felsformationen vorbei, je nachdem, welche Farbe die dort sitzenden, nistenden Vögel haben, die das karge Gestein in lebendiges Gewimmel verwandeln.

„Die arbeiten gerade“, sagt der Touristenführer Louis aus Paracas und deutet auf ein paar Vögel, die gerade weiße Flecken gegen den steil abfallenden Felsen klatschen lassen.

Wertvoller Dreck

Denn die Vögel, wie Kormorane, Tölpel und riesige Pelikane sind in ihrer Masse nicht nur eindrucksvoll, sondern produzieren hier ein wichtiges lokales Wirtschaftsgut: Guáno genannt.

Das fruchtbare Naturprodukt wird seit prähispanischen Zeiten auf Äcker als Dünger aufgebracht und wurde früher auch nach Europa transportiert, heute geht der Großteil ins karge Andenhochland von Peru.

Alle sieben Jahre

Jede Insel der Islas Ballestas wird nur alle sieben Jahre von Guáno befreit, durch das Rotationsprinzip ist jedes Jahr eine andere Insel dran.

Ein paar Monate im Jahr ist Erntezeit, dann fahren Arbeiter aus Pisco und Paracas auf die Islas Ballestas, kratzen den Vogelmist zusammen und verpacken ihn in 50-Kilo-Säcke – nur den Mist von den flachen Stellen, da das Herumklettern auf den steilen Felsen zu gefährlich ist.

Vögelscheiße als Glücksbringer

Aber auch sonst dreht sich in Paracas alles um die Touristen, die kommen, um die Vogelfelsen zu sehen – an der Hafenfront reihen sich bunte Restaurants aneinander, unzählige Marktstände bieten Souvenirs an, viele arbeiten hier im Tourismus wie als Tourguide oder in Hostels und Hotels.

Die Vögel und auch ihr Mist haben dem sonst stillen Küstenort viel Glück beschert: Und so darf auch keiner der Touristen, den ein Vogel erwischt, sich das weiße Guáno abwischen, bevor der Ausflug auf die Islas Ballestas nicht vorbei ist und das Boot wieder den Hafen erreicht.

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