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Ganz normale Geeks

10.000 Technikfans, Hacker und Netzbegeisterte trafen sich in Berlin zur Campus Party Europe – dem größten digitalen Gipfeltreffen.

Gegessen? Kaum. Geschlafen? Wenig. Marcelino Coll Roviras Gesicht versinkt fast in einer überdimensionalen, schwarzen Mütze, mit strähnigen langen Haaren sitzt der 20-jährige Spanier blass vor seinem Computer, den Schlafsack bis zum Hals hochgezogen.

Campus Party Europe im Tempelhofer Flughafen (Foto: Fernlokal)

Campus Party Europe im Tempelhofer Flughafen (Foto: Fernlokal)

Wie er das findet: „Super!“ Marcelino Coll Roviras ist nur zum Spielen nach Berlin gekommen, vier Tage lang, 17 Stunden täglich LAN-Party mit anderen Spielern, ein paar Freunde aus Barcelona hat er mitgebracht. Was um ihn herum passiert? Weiß er nicht. Marcelino Coll Roviras will nur spielen.

Hacken und lernen

Andere wollten die Welt verändern, hacken, tüfteln, lernen: Etwa 10.000 Gamer, Roboterfans, Entwickler, Start-Up-Anwärter und Neugierige haben sich in der vergangenen Woche bei der ersten „Campus Party Europe“ im stillgelegten Tempelhofer Flughafen in Berlin getroffen.

Die 1997 von vier spanischen Freunden gegründete Campus Party ist das weltweit größte Technologiefestival, auf dem Innovation, Kreativität, Wissenschaft und digitales Entertainment zusammentreffen – in Spanien und Lateinamerika ist die Campus Party bekannt, in Europa fand sie zum ersten Mal statt. Wobei „Campus“ treffender als „Party“ ist – das Ganze erinnerte eher an einen Kongress.

Studenten aus Spanien und Mexiko

Viele junge Leute zwischen 20 und 30 ließen sich durch den riesigen Hangar mit den neun Bühnen und vielen Workshop-Plätzen treiben, bauten ihre Laptops und Computer auf den langen Tischreihen mit LAN-Kabeln auf. Mit kostenlosen Tickets hatten die Veranstalter Studenten und Technikfans aus anderen europäischen Ländern, Brasilien und Mexiko, den USA angelockt.

Die meisten „Campuseros“ wirkten wenig „nerdig“, trugen oft T-Shirt und Jeans. Längst sind Computer-, Netz-, und Technikfans keine Exoten mehr – das Digitale hat die Mainstream-Gesellschaft erfasst. Ein Maschinenbaustudent kam etwa zur Campus Party, um bei einem Workshop ein Design-Programm zu erlernen, das er in seinem Beruf brauchen wird.

Live-Hacking und soziale Roboter

Astronomie, Apps und Start-Ups, Biotechnik, soziale Roboter, Cyberstalking, freie Software, Social Media, wie der Mensch zum Cyborg erweitert wird oder sich eine Augmented Reality App erstellen lässt: Hunderte Vorträge, Pitches, Live-Hackings, Workshops und Wettbewerbe fanden gleichzeitig statt. Das fühlte sich dann an wie das Internet: tausend Menschen, tausend Dinge, die oft nebeneinander existieren, alles geschah gleichzeitig, es war spannend, aber schwer, Relevantes für sich herauszufiltern.

Die Weltverbesserung wurde zwar nicht erhackt auf der Campus Party Europe, aber es entstanden viele kleine Ideen und Einblicke, die dazu inspirieren, darüber nachzudenken, was sich mit Daten, Technik, Social Media, Netz, Apps und Co alles anstellen lässt. Der Spanier Marcelino Coll Roviras hatte einfach eine gute Zeit, ein paar Dänen, Deutsche, auch Spanier hat er auf der Campus Party kennengelernt – die meisten aber nur digital.

Wer sich auf der Campus-Party-Webseite anmeldet, kann sich kostenlos Videos der Vorträge und Workshops ansehen: www.campus-party.eu

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