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Rote Karte für Machos

Sie gründen Start-Ups, hacken, programmieren: Doch Frauen sind in der digitalen Szene noch zu unsichtbar.

Hacker – das ist in der Vorstellung vieler immer noch ein Mann, der eine symbiotische Beziehung mit seinem Computer hat. Tatsächlich aber gibt es zahlreiche Hackerinnen, in Deutschland auch „Haecksen“ genannt – auch wenn sie eine Minderheit sind und seltener lautstark in die Öffentlichkeit treten.

Frauen während einer Podiumsdiskussion bei der Campus Party Europe
Dumme Sprüche und sexistisches Verhalten seien bei der DEFCON, dem größten Hackertreffen in den USA, häufig, sagt Keren Elazari, eine 30-jährige Hackerin aus Tel Aviv. Eine Frau habe deswegen bei der DEFCON 2012 rote und gelbe Karten gegen Macho-Sprüche verteilt – um den Männern ihr Verhalten bewusst zu machen.

Netzwerkerinnen

Hackerinnen im Chaos Computer Club haben sich 1988 im „Haecksen“-Netzwerk zusammengeschlossen, um zu zeigen „dass Mädchen und Frauen ganz selbstverständlich kreativ mit Technik umgehen können und dass das Bild in den Köpfen der Menschen – dass Hacker männlich sind – nicht stimmt“.

Auch in der jungen digitalen Szene sind in den vergangenen Jahren neue Netzwerke von Frauen entstanden, die bloggen, programmieren, hacken, Start-Ups gründen. Fast 700 Bloggerinnen und Internetaktivistinnen aller Altersgruppen gehören der Facebook-Gruppe „Girls on Web Society“ an, deren Mitglieder sich auch im realen Leben treffen – was allerdings gerade etwas eingeschlafen scheint.

Unter den fast 700 Fans der neuen Gruppe Berliner „Geekettes„, tummeln sich viele weibliche Gründerinnen. „Wir wollen mehr Frauen ermutigen, sich in Start-Ups zu engagieren oder selbst welche zu gründen, und hinterfragen, wieso nur so wenige Frauen in der Tech-Szene involviert sind“, sagt die Geekettes-Gründerin Jess Erickson.

Locker programmieren lernen

Die Rails Girls Berlin geben Crash-Workshops im Programmieren. Das Netzwerk möchte Frauen dabei unterstützen, ihre Ideen technisch umzusetzen.

Joan Wolkerstorfer, die sich selbst beigebracht hat zu programmieren und kostenlose Einführungen in die Programmiersprache Ruby on Rails gibt, findet: „Es ist wichtig, Menschen in Technik einzuführen, ohne dass sie sich dumm vorkommen.“ Eigentlich müsse das schon in der Schule geschehen. Zu viele Mädchen und Frauen ließen sich von dem Klischee einschränken, dass Frauen und Technik nicht kombinierbar seien.

Mehr Frauen aufs Podium

Mit dem Barcamp Frauen, bei dem Männer und Frauen Gender-Themen diskutieren, hat sich eine eigene Veranstaltung entwickelt, bei denen Frauen im Vordergrund stehen.

Doch auch bei den klassischen Veranstaltungen der digitalen Branche wie Politcamp, Republica oder Campus Party Europe erobern immer mehr Frauen das Podium. Bei der Campus Party Europe wurde an einem Tag gezielt die Sprecherinnenquote auf 50 Prozent angehoben – Frauen stellten ihre Projekte vor und diskutierten auf dem Podium.

Nicht nur „das nächste große Ding“

Wieso technikbegeisterte Frauen trotzdem noch zu selten in der Öffentlichkeit stehen? Angst spiele mit, Frauen zweifelten oft zu sehr an ihrer Erfahrung, sagt Etsy-Managerin Caroline Drucker. Männer seien oft sehr egozentrisch, konkurrenzorientiert, es gehe darum, wer „das nächste große Ding“ präsentiere.

„Aber wenn wir immer die gleichen Leute hätten, wäre es unglaublich langweilig und eindimensional“, sagt sie. Es sei wichtig, dass Frauen ihre Stimmen erheben, ihre Meinung sagen.

„Frauen sollten sich fragen: Wie oft habe ich versucht, auf einer Konferenz zu sprechen?“, fordert die Changers.com-Mitgründerin Daniela Schiffer. „Sprecht in der Öffentlichkeit, zeigt euch!“ Sich zurückzulehnen und darauf zu warten, dass sich etwas ändert – das bringe nichts.

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