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Models gegen Morde

Immer mehr Models mit Albinismus erobern die Modewelt – gerade in Afrika könnten sie dazu beitragen, gefährliche Klischees zu entkräften.

Sie hat eine schwarze Familie und ist doch weiß: Diandra Forrest ist hellhäutig, weil ihrer Haut Pigmente fehlen – das afroamerikanische Model mit Albinismus fällt nicht nur auf dem Laufsteg auf. Auch in der Bronx, dem New Yorker Stadtteil, in dem sie aufgewachsen ist, stach sie immer heraus.

Ihr Aussehen verhilft der 20-Jährigen heute zum Erfolg, sie gilt als interessantes Gesicht, in einem Markt, der immer auf der Suche nach dem Exotischen, dem Anderen, ist: der Modewelt.

Neue Gesichter

Models mit Albinismus scheinen gerade im Trend zu liegen. 2008 begann die Modelkarriere des 16-jährigen Shaun Ross, der sagt, er sei Model geworden, weil er „der erste Mann mit Albinismus auf dem Laufsteg sein wollte“. Wie Diandra Forrest stammt er aus New York.

In Südafrika wurde die 26-jährige Refilwe Modiselle vor kurzem zur Vertreterin der jungen Modemarke Legit gewählt. Sie kommt aus einem der Townships von Soweto bei Johannesburg, modelt seit sie 13 Jahre alt ist und ist bei vielen Modeshows und in Magazinen vertreten.

Empfindliche Haut

Dass Menschen mit Albinismus Teil des Schönheitskosmos werden, ist keine Selbstverständlichkeit – gerade in afrikanischen Ländern wird die helle Haut oft zum gesundheitlichen und sozialen Problem.

Kindern mit Albinismus kommt vor allem in ärmeren Gegenden selten spezielle Pflege wie Sonnencreme zu, Hautkrebs ist wegen der Empfindlichkeit der Haut ein hohes Risiko, viele Menschen mit Albinismus leiden auch an Sehstörungen.

Gefährliche Klischees

In einigen afrikanischen Ländern wird zudem geglaubt, Menschen mit Albinismus seien verhext – ein Aberglaube, der lebensgefährliche Folgen für die Betroffenen haben kann. Im Sudan oder in Mali werden Kinder mit Albinismus oft schon bei der Geburt getötet, weil sie angeblich Unglück bringen.

In anderen afrikanischen Ländern werden die fremdartig erscheinenden Menschen aus ganz anderen Gründen verfolgt: Vor allem in Tansania und Burundi machen teils professionelle Banden immer wieder Jagd auf Menschen mit Albinismus, töten sie, und verkaufen ihre Gliedmaßen als Glücksbringer und Zaubermittel. Ein Bein eines Albinos soll mehrere tausend Euro wert sein. Es kursieren Geschichten, dass Fischer mit Haaren oder Haut von Albinos im Netz Fische mit Gold im Bauch fangen könnten, auch Goldgräber würden mit Albinoknochen leichter auf Goldfunde stoßen.

In Simbabwe, einem kleinen Land mit einer sehr hohen HIV-Rate, hatte sich dagegen das Gerücht verbreitet, Sex mit Albino-Frauen könnte AIDS heilen – viele Frauen wurden vergewaltigt.

Sichtbarkeit auf dem Laufsteg

Das Leben kann für Menschen mit Albinismus ein Alptraum sein – auch die Models, die in den USA aufgewachsen sind, erzählen von Ausgrenzung und Hänseleien.

Wenn Menschen mit Albinismus in die Öffentlichkeit treten, wie in der Modewelt, und der Anblick gewohnter wird, könnte das langfristig auch zu einer positiveren Betrachtungsweise führen. Refilwe Modiselle, Diandra Forrest und Shaun Ross zeigen, dass sie schön und vor allem selbstbewusst sind – und dass die Angst vor seltsamen Hexenkindern unberechtigt ist.

Als Diandra Forrest bei einer Show auf der afrikanischen Fashion Week lief, sagt sie, dass ihr der Auftritt sehr wichtig sei: „Ich will die Art, wie Menschen Mädchen mit Albinismus hier sehen, verändern.“

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