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Kind der Gewalt

Gang, Gewalt, Mord: Alma aus Guatemala hat ein hartes Leben hinter sich. Jetzt hofft sie auf eine zweite Chance. Eine Webdoku.

Alma wollte unbedingt dazugehören: Mit 15 Jahren trat sie in die berüchtigte guemaltekische Jugendgang der Maras ein – und beging dafür auch ihren ersten Mord. „Von Anfang an wusste ich, dass dort getötet, gestohlen und erpresst wird“, sagt sie. Bei den anderen Gangmitgliedern der Maras fühlte Alma sich aufgehoben, hatte eine Ersatzfamilie, doch sie wurde auch immer stärker vom Kreislauf der Gewalt erfasst.

Alma (Arte Screenshot)

Alma (Arte Screenshot)

In der Arte-Web-Dokumentation „Alma – ein Kind der Gewalt“ erzählt die 26-jährige Alma ihre brutale Lebensgeschichte. Kühl wirkt sie erst, als würde sie darüber stehen, nichts mehr fühlen – doch dann brechen die Verletzungen aus ihr heraus, manchmal weint die junge Frau nur noch, vor der Kamera.

Auswandern oder Jugendgang

Almas persönliche Geschichte ist auch ein Einblick in das Leben vieler anderer junger Menschen in Guatemala, einem Land, das von den Folgen des von 1960 bis 1996 andauernden Bürgerkriegs, instabilen politischen Verhältnissen, Drogenkrieg, Kriminalität und hoher Arbeitslosigkeit zerrüttet ist.

Perspektiven gibt es für viele nur zwei: Auswandern in die USA oder der Eintritt in eine der rivalisierenden Jugendgangs wie die Maras, die zum Auffangbecken für die Perspektivenlosen werden, zur – begrenzten – ökonomischen Aufstiegsmöglichkeit. Denn die Jugendbanden kassieren Schutzgelder ab, handeln mit Drogen, begehen Auftragsmorde.

Gescheiterter Ausstieg

Etwa 20.000 junge Guatemalteken sollen Gangs angehören, ihre Mitglieder erkennt man oft an den Gangtattoos – viele haben den ganzen Körper und das Gesicht übertätowiert, spezielle Zeichnungen zeigen an, wie viele Morde ein Mitglied begangen hat.

Der Ausstieg ist schwierig – und wird oft als Verrat mit dem Tod bestraft. Alma hat die Flucht gewagt, reiste in die USA, versuchte dort neu anzufangen. Doch ihr fehlte die Gang – sie kehrte nach Guatemala zurück. Die anderen nahmen sie wieder auf, doch als sie erneut aussteigen wollte, schossen die Gangmitglieder sie nieder.

Alma sah aus wie tot – doch sie überlebte, trotz schwerer Verletzungen. Heute sitzt sie im Rollstuhl. Ihren Lebensunterhalt versucht sie mit dem Verkauf von Waren in einem Einkaufszentrum zu bestreiten und träumt von einem Studium der Psychologie. Vielleicht gelingt es der jungen Frau tatsächlich, zu beweisen, dass sie drei Leben hat.

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