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„Eye Phone“ gegen Blindheit

Ein aufgerüstetes Smartphone soll in Zukunft Sehbeeinträchtigungen erkennen – und dabei helfen, Erblindungen zu behandeln, bevor es zu spät ist.

Das "Eye Phone" im Einsatz (Screenshot: Peek Vision)

Das „Eye Phone“ im Einsatz (Screenshot: Peek Vision)

Als Dreijähriger hat Simon sich beim Spielen einen spitzen Gegenstand ins Auge gestochen, doch seine Eltern konnten ihn nicht behandeln lassen – weil das nächste Krankenhaus zu weit entfernt und zu teuer für sie war. Seitdem ist der Kenianer auf einem Auge blind. Eine rechtzeitige Behandlung hätte seine Sehkraft wohl retten können.

Forscher aus London wollen in Zukunft mit einer mobilen Mini-Klinik gegen Augenkrankheiten und Erblindung kämpfen: ein mit der „PEEK“-App und einem Scan-Aufsatz hochgerüstetes Smartphone soll Sehleiden diagnostizieren, per Mobiltelefon können auch internationale Experten oder die nächste Klinik hinzugezogen werden, der Datenaustausch funktioniert mobil, Entwicklungen können analysiert, Behandlungen schneller eingeleitet werden.

Erblindung als Armutsproblem
Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge kämpfen fast 300 Millionen Menschen weltweit mit Sehbeeinträchtigungen (WHO), fast 39 Millionen Menschen sind blind – und in 80 Prozent der Fälle wäre eine Erblindung vermeidbar gewesen.
Erblindungen häufen sich in Entwicklungsländern und armen Gegenden – Kinder wie Simon, die sich bei Unfällen verletzen, werden nicht sofort behandelt, bei älteren Menschen wird das Schwinden der Sehkraft als natürliches Übel betrachtet, Infektionskrankheiten erhöhen das Risiko von Sehleiden.

Diagnose mit einem Klick
Das „Eye Phone“, wie Projektleiter Andrew Bastawrous die mobile Technologie nennt, kann auch zu Patienten in abgelegenen Gegenden transportiert werden – im Gegensatz zu den klassischen, sehr teuren, schweren Geräten für die Analyse von Sehbeeinträchtigungen, die normalerweise in Arztpraxen und Kliniken im Einsatz sind.

Die Technik ist auch von Laien zu bedienen, etwa von Gesundheitsarbeitern oder Sozialarbeitern, die Zugang zu den potentiellen Patienten haben, aber nicht auf Augenkrankheiten spezialisiert sind. „In Kenia mit seinen mehr als 40 Millionen Einwohnern gibt es nur 86 ausgebildete Augenärzte, von denen 43 in der Hauptstadt Nairobi arbeiten“, so Andrew Bastawrous. Aber auch für Augenärzte ohne, oder nur schlechter technischer Ausstattung könnte das „Eye Phone“ eine Hilfe sein.

Die Augen lassen sich mit dem Smartphone scannen, die Fotos von Linse oder Retina können mit Fotos verglichen werden, die Ideal- und Krankheitsbilder aufzeigen – und an Experten zur Ferndiagnose weitergeleitet werden. Auch ein Sehtest kann mit dem Smartphone realisiert werden, das Forscherteam experimentiert an weiteren Funktionen.

Billiger für den Massenmarkt
Fünf Jahre lang haben die Wissenschaftlicher der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) an der Entwicklung der PEEK-Anwendung gearbeitet, in Kenia wurden die Prototypen mit 5000 Patienten – darunter Simon – und Gesundheitsarbeitern getestet und mit klassischen Behandlungen abgeglichen.

Bilanz: positiv. Das „Eye Phone“ soll in Zukunft nur unter 500 Euro kosten und weltweit einsatzfähig sein, hofft das Team.

Aber auch das „Eye Phone“ kann die Sehkraft des 26-jährigen Simon nicht mehr wiederherstellen, weil sein Unfall schon 23 Jahre zurückliegt. Damit sein Auge, auf dem er nichts sieht, nicht mehr so schmerzt und tränt, wird er aber doch noch operiert. Der Zustand seiner beiden Augen wird danach mit dem Smartphone weiter beobachtet – ohne, dass er gleich eine Klinik besuchen muss.

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