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Militärdiktatur-Prozesse: Spätes Urteil im Mordfall Elisabeth Käsemann

Elisabeth Käsemann wurde 1977 von argentinischen Militärs erschossen – erst jetzt werden die Täter bestraft.

An ihrem 30. Geburtstag befand sich Elisabeth Käsemann bereits in dem Folterzentrum El Vesubio in der Provinz Buenos Aires. Wenige Tage später, in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1977 wurde sie mit 15 Mitgefangenen in Monte Grande erschossen. Die offizielle Version der argentinischen Militärregierung: Es habe ein Feuergefecht gegeben, bei dem die 16 “subversiven Verbrecher” getötet worden seien. Allerdings trug Elisabeth Handschellen und eine Kapuze über dem Kopf, die Militärs hatten sie mit Schüssen in Genick und Rücken exekutiert (Hier mehr zu ihrer Geschichte).

Erst jetzt mussten sich die Täter vor Gericht verantworten, die für die Entführung und den Mord an der jungen Deutschen verantwortlich sind.

Nach eineinhalb Jahren Hauptverhandlung Den Rest des Beitrags lesen »

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Mord in Guatemala: Anschlag auf Facundo Cabral

Der argentinische Sänger Facundo Cabral ist heute in Guatemala erschossen worden.

Der Argentinier Facundo Cabral war gerade auf einer Konzertreise und nach Vorstellungen in Guatemala auf dem Weg zum Flughafen, als sein Wagen sowie der Wagen seines Leibwächters von einem bewaffneten Kommando attackiert wurden – Cabral, 74, wurde durch mehrere Schüsse getötet. Ob es ein Raubüberfall, eine gezielte Attacke (Cabral hatte länger in Mexiko gelebt, wer weiß) oder eine Verwechslung war, ist unklar. Der Mord wirft nun ein kurzes Schlaglicht auf den von Banden- und Kartellkriminalität durchdrungenen Staat, die Suche nach den Tätern sei im Gange, aber da Guatemala eine ähnliche Straflosigkeitsquote haben dürfte wie Mexiko, ist die Wahrscheinlichkeit einer Antwort gering.

Der Argentinier Cabral ist in den 1970er Jahren mit seinem Lied „No soy de aqui, ni soy de alla“bekannt wurde, musste aber 1976 zur Zeit der Militärdiktatur das Land verlassen, da er als einer der argentinischen Protestsänger galt, damals ein lebensgefährlicher Ruf.

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Uruguay: Straflosigkeit für Militärverbrecher

Vergangenheitsbewältigung versus Realpolitik: In Uruguay wird die Aufarbeitung von Verbrechen während der Militärdiktatur erneut verschleppt.

Nach wochenlangen Debatten und Protesten sind die Bemühungen, das „Ley de Caducidad de la Pretensión Punitiva del Estado“ in Uruguay endlich abzuschaffen, wieder einmal gescheitert – die Annullierung des umstrittenen Gesetzes erhielt bei einer knappen Abstimmung keine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Das Gesetz sichert Polizei- und Militärangehörigen Straffreiheit zu, die während der Militärdiktatur in Uruguay Menschenrechtsverletzungen  begangen haben.

Während der uruguayischen Militärdiktatur von 1976 bis 1985 wurden etwa 200 Urugayaner entführt und getötet, Tausende von Menschen wurden gefoltert – viele der Verbrechen, sind bis heute nicht aufgeklärt, Straftäter, vor allem auf der mittleren Führungsebene und solche, die nur auf Befehl gehandelt haben sollen, wurden nie rechtlich belangt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Argentinisches Wanderkino: Unterwegs auf staubigen Straßen

Flüchtige Filme für Dörfer, Gefängnisse oder Schulen: Das Cine Móvil bringt Kino bis in die letzten Winkel Argentiniens – und ist auch durch Deutschland gereist.

Die Befürchtung vieler Häftlinge, dass die Zeit nach dem Gefängnis schlimmer sein könnte als die Zeit darin, ist universell. Auch die Insassen der Justizvollzugsanstalten in Berlin, Hamburg oder Rottenburg stellten Gemeinsamkeiten mit dem Argentinier aus Un Oso Rojo, Der rote Bär, fest. Nach seiner Entlassung wird der Protagonist des Films von Adrián Caetano mit seiner zerrütteten Ehe konfrontiert, trifft auf gesellschaftliche Vorurteile und strauchelt bei der Rückkehr in den Alltag.

Parallelen zur deutschen Lebenswirklichkeit lassen sich in allen 14 Filmen entdecken, die das argentinische Wanderkino Cine Móvil aus der Provinz Córdoba bei seiner sechswöchigen Deutschlandreise gezeigt hat – es ging um Migration und die Spätfolgen von Diktatur, Zukunftsperspektiven für Jugendliche oder um die Wirtschaftskrise.


Im September und Oktober hat das Cine Móvil-Team insgesamt 6000 Kilometer quer durch Deutschland zurückgelegt und durch die nationalen Filme, aber auch durch die spezielle Art der Präsentation argentinische Kultur zu Gefängnissen, Kulturinstituten, Schulen und kleinen, kinofreien Orten transportiert.

Auch das Kinosterben ist eine deutsch-argentische Gemeinsamkeit. „Unterwegs sind wir an einigen leerstehenden Kinos vorbeigekommen“, sagt die deutsche Journalistin und Filmemacherin Ute Schneider, die in Córdoba lebt und die Deutschlandtour des Wanderkinos mitorganisiert hat. Den Rest des Beitrags lesen »

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Paco: Gefährlicher Billigrausch

Gegen Marihuana in kleineren Mengen kämpft die argentinische Regierung nicht mehr – der private Konsum ist legalisiert. Das größere Problem heißt Paco: ein gefährliches Kokain-Abfallprodukt, das schnell süchtig macht und vor allem die Lage in den Villas, den argentinischen Armenvierteln, drastisch verschlimmert.

„Lebende Tote“ werden die zehntausenden Paco-Junkies in Argentinien genannt. Denn Paco tötet nicht nur Schmerz, sondern auch das Hungergefühl. Viele Konsumenten sind völlig abgemagert, sie haben aufgesprungene Lippen und Blutergüsse auf der Haut. Die Pasta Básica de Cocaína, kurz Paco, ist ein Abfallprodukt auf Kokainbasis, das geraucht wird. Oft ist die Droge mit diversen Substanzen wie Glassplittern oder Chemikalien wie Kerosin, Putzmittel oder Lösungsmitteln gestreckt. Langfristig schädigt die gefährliche Mixtur Gehirn und Organe, Paco fördert aber auch Psychosen und Paranoia.

Droge der Armen

Wie Kokain macht Paco euphorisch – doch die Wirkung setzt sofort ein und dauert nur 30-70 Sekunden. Und Paco ist billig, kostet nur ein paar Cents, so dass die Droge sich vor allem in den Armenvierteln von Buenos Aires rasant ausbreiten konnte.

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Nach der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 soll die Zahl der Abhängigen hochgeschnellt sein, vor allem viele Jugendliche bekämpften Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftschancen mit dem billigen Rausch. Den Rest des Beitrags lesen »

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Colonia Liebig: Fleischextrakte und Yerba-Mate

Die Cooperativa der Colonia Liebig in der Provinz Corrientes ist noch heute eine produzierende Genossenschaft für Mate-Tee. Ihre Geschichte  geht zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

Die Provinz Corrientes ist für ihre deutschen Einwanderer bekannt. Sie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts nach Argentinien, um den wirtschaftlichen Bedingungen und ärmlichen Verhältnissen des Nachkriegs-Deutschland zu entfliehen.

Mate-Tee der Colonia Liebig

Mate-Tee der Cooperativa Agrícola de la Colonia Liebig (foto: fernlokal)

Bevor die Colonia Liebig für ihre Yerba Mate-Produktion bekannt wurde, zog ein anderes Produkt die Menschen in die Region: Fleischextrakte. Die Colonia Liebig wurde 1924 gegründet. Sie bildete sich zu der Zeit des großen Stroms deutscher Einwanderer nach Argentinien. Circa 300 Personen aus 60 deutschen Migranten-Familien lebten in der Kolonie. Namensgeber war der deutsche Chemiker Justus Liebig, der in Deutschland unter anderem mit der Herstellung von Fleischextrakten Aufmerksamkeit erregt hatte.  Viele Migranten blieben trotz einfacher und oftmals schwieriger Lebensverhältnisse dort, mit vielen Personen auf engem Raum, ohne Strom und fließend Wasser, weil ihnen die Niederlassung von Liebig-Fleischextrakt Arbeit und Land brachte.

Video über das heutige Pueblo Liebig und seine ehemalige Fleischextraktfabrik (spanisch)

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Berlinerin Anni May in Argentinien: „Keine Heimat mehr“

Von Berlin nach Buenos Aires: Die jüdische Berlinerin Anni May ist als junge Frau mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus geflüchtet. Jetzt lebt sie in Argentinien – das Gefühl, eine Heimat zu haben, hat sie dennoch verloren.

Anni May ist eine elegante ältere Dame, die im Villenviertel von Vicente Lopez, einem Vorort von Buenos Aires, zum Tee bittet. „Cuando Anni May dice que tiene 83, nadie le cree“, schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion“ in einem Portrait über Anni und ihren Mann Egon. „Niemand würde glauben, dass Anni May bereits 83 Jahre alt ist“.

Der Artikel ist mittlerweile fünf Jahre alt und immer noch könnte Anni May unauffällig zehn bis zwanzig Jahre unterschlagen. Sie wirkt jung, wenn sie von ihren Reisen durch die ganze Welt und ihrer Lebensgeschichte erzählt – in flüssigem Deutsch.

Flucht vor Hitler`s Deutschland
Anni May wurde als Anni Lichtenthal in Berlin geboren und ist als 16-jähriger Teenager mit ihren Eltern nach Argentinien ausgewandert: „Meine Eltern hatten ein Seidengeschäft in der Uhlandstraße. Wir sind jüdisch und mussten auswandern im Jahr 1938.“

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Für die Einwanderung nach Argentinien war eine sogenannte „Llamada“ notwendig: Jeder Einwohner mit Aufenthaltsgenehmigung durfte Verwandte ersten Grades ins Land holen. Die Familie von Anni May hatte Glück: Die große Schwester war bereits 1937 eingewandert und konnte die Eltern, Anni und ihren Bruder nachkommen lassen.

Heimatlos
In Argentinien war Anni May vor allem Ehefrau und Hausfrau: „Ich habe nie etwas Richtiges gemacht. Ich war bis 14 in der Schule und dann später noch auf einem Pensionat in Italien, Sprachen lernen und so, das gehörte sich damals so.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Ritt durch den Regenwald

Bei Ausritten durch den Regenwald der argentinischen Provinz Missiones kämpfen die Pferde sich auf kleinen Wegen durch dichtes Grün. Roberto Rodas erzählt dabei Geschichten über die indigenen Guaraní, deren Dörfer die Reiterkolonne auch besucht.

„Tapeguahê porãite heißt ‚Herzlich Willkommen'“, bereitet Roberto Rodas uns auf den Besuch im Guaraní-Dorf vor, während wir die Pferdekoppeln hinter uns lassen und die staubig-rote Straße Richtung Regenwald reiten. Rodas, der mit Cowboyhut auf dem Kopf ganz vorne reitet, führt ein- und mehrstündige Ausritte durch den Regenwald der argentinischen Provinz Missiones. Bei seinen Touren verbindet er witzige und charmante Anekdoten mit einer Einführung in die Lebenswelt der Guaraní, einem der indigenen Völker Argentiniens. Öko-Tourismus zu Pferd. Eine französische Familie mit zwei Kindern und wir schaukeln auf unseren leicht abgemagerten, verlässlich wirkenden Pferden hinter Rodas her und versuchen seinen Geschichten zuzuhören – was über sieben Pferderücken hinweg akustisch schwierig ist. Rodas selbst kommt aus Paraguay, sein Großvater war Guaraní, jetzt lebt er mit seiner Familie in Puerto de Iguazú, hat aber auch ein Holzhäuschen in dem Guaraní-Dorf im Regenwald.

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Ritt durch Missiones

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Buenos Aires: argentinisch undeutsch

Kulturelle Stereotypen lassen sich aufzählen wie ein Erstklässler das Alphabet herunterleiert: Argentinier sind leidenschaftliche Tangotänzer und fanatische Fußballfans. Lederhosentragende Deutsche trinken Bier. Bei der Betrachtung argentinischer Alltagssituationen aus deutscher Perspektive ergibt sich Folgendes: typisch argentinisches und gleichzeitig undeutsches in Buenos Aires.

Müll wird nie getrennt. Egal ob Plastik, Bio-Abfall, Glas oder Papier – in Argentinien/Buenos Aires kommt alles in einen Sack (es soll auch eine Ausnahme geben).

Kinder sind überall gern gesehen: Sie schreien, reißen Packungen in Geschäften auf und greifen nach dem Wasserglas auf dem Nebentisch – und trotzdem haben der gediegene Herr oder der noble Verkäufer ein Winkehändchen, ein Kosewort oder eine Nascherei für sie bereit.

Süsses

Die breiten Avenidas der argentinischen Hauptstadt quellen morgens bis abends mit Autos über. Verrostete halbe Schrottkarosserien teilen sich die Straßen mit hunderten Bussen und Taxis. Trotz der Zielsetzung Argentiniens die Richtlinien des Kyoto-Protokolls freiwillig einzuhalten, scheint keine Vorschrift für Katalysatoren oder sonstige Rußpartikelreduktion zu existieren. Eine Feinstaub-Plakette würde einige Stadtteile zu Fußgängerzonen machen, viele Autos fahren noch mit bleihaltigem Benzin.

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Händewaschen gegen Schweinegrippe

Die Schweinegrippe ist zur Pandemie erklärt worden, Argentinien hat den sanitären Notstand ausgerufen – aber so richtig im Griff hat die Lage keiner. Nur mit Appellen, sich die Hände zu waschen alleine verflüchtigt sich das Virus sicherlich nicht.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet Argentinien einen rapiden Anstieg der Schweinegrippe-Ausbreitung. Etwa 20.000 infizierte Menschen werden auf den Straßen der Haupstadt vermutet, bisher 46 Menschen starben an den Folgen der Erkrankung, womit Argentinien nach den USA und Mexiko laut WHO das am drittstärksten von der Epidemie betroffene Land ist. Und auch die ersten Schweine hat es erwischt. Den Rest des Beitrags lesen »

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