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Militärdiktatur-Prozesse: Spätes Urteil im Mordfall Elisabeth Käsemann

Elisabeth Käsemann wurde 1977 von argentinischen Militärs erschossen – erst jetzt werden die Täter bestraft.

An ihrem 30. Geburtstag befand sich Elisabeth Käsemann bereits in dem Folterzentrum El Vesubio in der Provinz Buenos Aires. Wenige Tage später, in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1977 wurde sie mit 15 Mitgefangenen in Monte Grande erschossen. Die offizielle Version der argentinischen Militärregierung: Es habe ein Feuergefecht gegeben, bei dem die 16 “subversiven Verbrecher” getötet worden seien. Allerdings trug Elisabeth Handschellen und eine Kapuze über dem Kopf, die Militärs hatten sie mit Schüssen in Genick und Rücken exekutiert (Hier mehr zu ihrer Geschichte).

Erst jetzt mussten sich die Täter vor Gericht verantworten, die für die Entführung und den Mord an der jungen Deutschen verantwortlich sind.

Nach eineinhalb Jahren Hauptverhandlung Den Rest des Beitrags lesen »

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Paco: Gefährlicher Billigrausch

Gegen Marihuana in kleineren Mengen kämpft die argentinische Regierung nicht mehr – der private Konsum ist legalisiert. Das größere Problem heißt Paco: ein gefährliches Kokain-Abfallprodukt, das schnell süchtig macht und vor allem die Lage in den Villas, den argentinischen Armenvierteln, drastisch verschlimmert.

„Lebende Tote“ werden die zehntausenden Paco-Junkies in Argentinien genannt. Denn Paco tötet nicht nur Schmerz, sondern auch das Hungergefühl. Viele Konsumenten sind völlig abgemagert, sie haben aufgesprungene Lippen und Blutergüsse auf der Haut. Die Pasta Básica de Cocaína, kurz Paco, ist ein Abfallprodukt auf Kokainbasis, das geraucht wird. Oft ist die Droge mit diversen Substanzen wie Glassplittern oder Chemikalien wie Kerosin, Putzmittel oder Lösungsmitteln gestreckt. Langfristig schädigt die gefährliche Mixtur Gehirn und Organe, Paco fördert aber auch Psychosen und Paranoia.

Droge der Armen

Wie Kokain macht Paco euphorisch – doch die Wirkung setzt sofort ein und dauert nur 30-70 Sekunden. Und Paco ist billig, kostet nur ein paar Cents, so dass die Droge sich vor allem in den Armenvierteln von Buenos Aires rasant ausbreiten konnte.

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Nach der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 soll die Zahl der Abhängigen hochgeschnellt sein, vor allem viele Jugendliche bekämpften Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftschancen mit dem billigen Rausch. Den Rest des Beitrags lesen »

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Argentinischer Staatsterror, der Fall Käsemann und die deutsche Schuldfrage

Zur Zeit laufen in Argentinien neue Prozesse gegen Verbrechen während der Militärdiktatur. Etwa 30.000 Menschen fielen dem staatlichen Terror von 1976 bis 1983 zum Opfer, sie wurden entführt, gefoltert und ermordet. Deutschland tritt als Nebenkläger auf: Verhandelt wird auch der Fall der jungen Deutschen Elisabeth Käsemann. Und wirft die Frage nach der Schuld der damaligen deutschen Bundesregierung auf.

An ihrem 30. Geburtstag befand sich Elisabeth Käsemann bereits in dem Folterzentrum El Vesubio in der Provinz Buenos Aires. Wenige Tage später, in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1977 wurde sie mit 15 Mitgefangenen in Monte Grande erschossen. Die offizielle Version der argentinischen Militärregierung: Es habe ein Feuergefecht gegeben, bei dem die 16 “subversiven Verbrecher” getötet worden seien.

Elisabeth trug Handschellen und eine Kapuze über dem Kopf, die gezielten Schüsse in Genick und Rücken weisen auf eine Exekution hin. Keine ungewöhnliche Praxis im Umgang mit Gefangenen, die nach ihrer Inhaftierung in den Folterzentren oft erschossen und in Massengräbern verscharrt oder narkotisiert, gefesselt und während der sogenannten „Todesflüge“ über dem Atlantik abgeworfen wurden.

Elisabeh Käsemann: Gefährliches Engagement

Elisabeh Käsemann: Gefährliches Engagement

Soziales Engagement in Lateinamerika
Elisabeth Käsemann war die Tochter des streitbaren Theologen und Nationalsozialismus-Gegners Ernst Käsemann. Ihr sozialpolitisches Engagement führte sie nach ihrem Soziologie- und Politik-Studium 1966 an der Freien Universität Berlin für ein Praktikum nach Lateinamerika. Den Rest des Beitrags lesen »

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Berlinerin Anni May in Argentinien: „Keine Heimat mehr“

Von Berlin nach Buenos Aires: Die jüdische Berlinerin Anni May ist als junge Frau mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus geflüchtet. Jetzt lebt sie in Argentinien – das Gefühl, eine Heimat zu haben, hat sie dennoch verloren.

Anni May ist eine elegante ältere Dame, die im Villenviertel von Vicente Lopez, einem Vorort von Buenos Aires, zum Tee bittet. „Cuando Anni May dice que tiene 83, nadie le cree“, schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion“ in einem Portrait über Anni und ihren Mann Egon. „Niemand würde glauben, dass Anni May bereits 83 Jahre alt ist“.

Der Artikel ist mittlerweile fünf Jahre alt und immer noch könnte Anni May unauffällig zehn bis zwanzig Jahre unterschlagen. Sie wirkt jung, wenn sie von ihren Reisen durch die ganze Welt und ihrer Lebensgeschichte erzählt – in flüssigem Deutsch.

Flucht vor Hitler`s Deutschland
Anni May wurde als Anni Lichtenthal in Berlin geboren und ist als 16-jähriger Teenager mit ihren Eltern nach Argentinien ausgewandert: „Meine Eltern hatten ein Seidengeschäft in der Uhlandstraße. Wir sind jüdisch und mussten auswandern im Jahr 1938.“

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Für die Einwanderung nach Argentinien war eine sogenannte „Llamada“ notwendig: Jeder Einwohner mit Aufenthaltsgenehmigung durfte Verwandte ersten Grades ins Land holen. Die Familie von Anni May hatte Glück: Die große Schwester war bereits 1937 eingewandert und konnte die Eltern, Anni und ihren Bruder nachkommen lassen.

Heimatlos
In Argentinien war Anni May vor allem Ehefrau und Hausfrau: „Ich habe nie etwas Richtiges gemacht. Ich war bis 14 in der Schule und dann später noch auf einem Pensionat in Italien, Sprachen lernen und so, das gehörte sich damals so.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Schindler-Biographin Erika Rosenberg im Interview: „Spielberg wollte nur einen Helden haben“

Erika Rosenberg, in Argentinien aufgewachsene Tochter deutsch-jüdischer Emigranten aus Berlin, lebt heute je ein halbes Jahr in Argentinien und ein halbes Jahr in Deutschland. Sie ist die Verfasserin von zwei Biographien über Emilie Schindler, sowie einer Biographie über deren Ehemann Oskar Schindler. Das Interview in Buenos Aires führte unser geschätzter Kollege Nikolaus Kowall 2009 für den Österreichischen Auslandsdienst.

Erika Rosenberg interessiert sich grundsätzlich für Geschichten mutiger Frauen, wie sie betont. In mehreren Interviews anno 1990 schilderte ihr die damals in Argentinien lebende Altösterreicherin Emilie Schindler ihre Lebensgeschichte. „Mit mährischem Akzent“, wie Erika Rosenberg berichtet. Emilie Schindler war an der Rettung der 1200 „Schindler-Juden“ ganz maßgeblich beteiligt gewesen, was Erika Rosenberg in ihren Büchern ganz klar nachweist. Eine Teilhabe, die in der weltberühmten Spielberg-Verfilmung „Schindlers Liste“ (1993) keineswegs zum Ausdruck kam. Erika Rosenberg hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, auf die heldenhafte Rolle der Emilie Schindler aufmerksam zu machen.

Emilie Schindler und Erika Rosenberg

Eine kleine, fast enge aber ruhige Wohnung im „Barrio Norte“, Buenos Aires. Drei kleine Hunde, jede Menge Bücher, Unterlagen, sowie ein Laptop. Erika Rosenberg bereitet sich auf ihre Vortragsreise durch Europa von September bis Jänner vor. Mit perfektem Deutsch, bei dem nur ganz selten unabsichtlich englische statt deutscher Begriffe verwendet werden und die eine oder andere Ortsbezeichnung spanisch ausgesprochen wird, startet das Gespräch.


Frau Rosenberg, war ihr Zusammentreffen mit Emilie Schindler zufällig, oder haben sie sich gezielt entschieden die Schindler-Geschichte zu recherchieren?

Es ereignete sich ganz zufällig. Über den Chefredakteur des argentinischen Tageblattes (deutschsprachige Zeitung in Argentinien Anmk.) war ich auf die Schindlergeschichte aufmerksam gemacht worden. Über die deutsche Botschaft konnte ich die Adresse von Emilie Schindler in der Provinz Buenos Aires herausfinden. Bei unserem ersten Gespräch 1990 stelle sich heraus, dass Emilie Schindler vor allem heilfroh war, wieder einmal Deutsch sprechen zu können. Sie erzählte mir vom Bäcker, vom Nachbar und was sie sonst noch so beschäftigte. Sie lebte arm, krank und vergessen. Niemand wusste, was sie geleistet hatte.

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Berliner Mauer in Polen

Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer, doch weltweit existiert sie weiter. In Bruchstücken in Privathaushalten als wertvolle Erinnerung und als offizielles Denkmal wie im polnischen Kreisau.

Jetzt bekommt auch Polen ein Stück der Berliner Mauer. Offiziell und ganz politisch. Bundestagspräsident Lammert übergibt das Fragment und weiht eine Gedenktafel zusammen mit Sejmmarschall Bronislaw Komorowski im niederschlesischen Kreisau ein. Anlass ist das 20jährige Jubiläum des Mauerfalls.

Genau genommen ist es nur eines von vielen Mauerstücken, die in der polnischen Republik zu finden sind. Ein Privatmann kaufte schon vor einigen Jahren eine ganze Sammlung von Mauerresten, die er auf seine Wiesen nahe eines polnischen 200-Seelen Dorfes stellte.

Das Mauerstück im polnischen Kreisau (Krzyzowa) erweitert die weltweite Verstreuung von einzelnen Überresten der Berliner Mauer. Weitere Teile finden sich in Moskau im Garten vor dem Sacharow-Museum oder in Buenos Aires, versteckt in einer Buchhandlung .

Mauerteil in Moskau (Foto: fernlokal)

(jja)

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Deutschlernen mit Burda, Bibel und dem Kicker

Gustavo Schönfeld lebt in Argentinien, Deutschland ist jedoch seine gefühlte Heimat: Der Urenkel wolgadeutscher Einwanderer hat sich die deutsche Sprache ohne Wörterbuch erschlossen und will schnellstmöglich auswandern.

„In der Schule wurde ich als Nazi beschimpft, einige haben mir Hakenkreuze ins Buch geschrieben“, erinnert sich der Argentinier Gustavo Schönfeld an erste Reaktionen auf seinen deutschen Namen. „Die meisten in Argentinien verbinden Deutschland mit der Vergangenheit, das ist für mich schlimm.“

Foto: Sonja Peteranderl Copyright: to4ka-treffGustavo selbst sieht in Deutschland seine Zukunft, er sucht nach Arbeit – „egal wo“ – und möchte schnellstmöglich auswandern. Selbst sein Zeitgefühl ist schon auf die neue Wunschheimat eingestellt: Die Uhr auf seinem Handy zeigt fünf Stunden später an – Berliner Rhythmus statt Buenos Aires.

Der gesamte Artikel findet sich auf dem deutsch-russischen Portal to4kaTreff

(sop)

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Buenos Aires – Willkommen in Europa?

Zwischen Pampas und Regenwald, Zuckerhut und Straßenkindern: Von unserem Streifzug durch Lateinamerika und unseren Erlebnissen aus Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Santiago de Chile berichten wir ab sofort jede Woche im respect-Blog. Die erste Reise-Impression handelt von der Ankunft in Buenos Aires – das schon fast ein wenig zu europäisch wirkt.

Buenos Aires ist kein Kulturschock. Straßenzüge, die an Madrid oder Paris erinnern, ein Netzwerk italienischer Heladerias (Eiscafés) und Pizzerien, eine der letzten deutschsprachigen Zeitungen im Ausland: In der argentinischen Hauptstadt finden sich überall Fragmente europäischer Kultur. Die Einwanderungswellen aus Italien und Spanien, aber auch Deutschland und Frankreich haben Stadtbild und Lebensstil der Argentinier geprägt. Dennoch ist die Stadt am Rio de la Plata kein Klein-Europa – zum Glück findet sich auch lateinamerikanisches Flair. Mehr Impressionen auf respect.de.

Innenhof des Präsidentenpalastes "Casa Rosada"

Buenos Aires

La BocaBuenos AiresP1050284

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Momentaufnahme: Deutsch im Copyshop

In Buenos Aires gibt es viele Copyshops. Im Bezirk Caballito treffen wir den Ladenbesitzer Felix, der in gebrochenem Deutsch, aber höchst erfreut über seine deutschen Kunden, kleine Familiengeschichten erzählt.

Er selbst wurde in Frankfurt/Main geboren, seine Eltern wanderten in Kriegszeiten nach Argentinien aus. Seine Sprache  zeigt deutliche Lücken in Grammatik und Vokabularium; hin und wieder helfen spanische Einwürfe, den Satz zu vervollständigen. Denoch freut er sich, fast vergessene Erinnerungen aufleben zu lassen. Es scheint als stellte die deutsche Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel dar, sondern gleichzeitig eine Projektion emotionaler Erfahrungen und ein Blick in die Vergangenheit, die das Leben in Buenos Aires, an der Straßenecke im Copyshop kurzzeitig in den Hintergrund geraten lassen.

Sein Sohn hat keine Verbindung mehr noch irgendein Interesse an den deutschen Wurzeln Felix. Deutsch wollte er auch nicht lernen.

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Schnee in Deutschland – Schnee in Argentinien?

In München taumelt heute der erste Schnee vom Himmel, in Buenos Aires kündigen sich Frühling und Sommer an. Was in der im Winter verschneiten bayrischen Landeshauptstadt alljährliches Beiwerk darstellt, ist in der argentinischen Metropole eine Seltenheit.

Die Argentinier, bei denen patagonische Gletscher (wie beim Präsidentenehepaar Kirchner) oder die Pisten von Wintersportorten in den Anden wie Las Leñas vor der Haustür liegen, kennen Schnee. Die Hauptstadt, in der sich der Großteil der argentinischen Bevölkerung versammelt, ist dagegen weitgehend eis- und schneefrei. Umso begeisterter sind die Stadtbewohner, wenn es doch einmal schneit – zuletzt 2007. Auf das weiße Wunder hatten sie allerdings auch knapp 90 Jahre gewartet. Der letzte Schneefall vor 2007 fand im Juni 1918 statt – so dass ein bis zwei Generationen zum ersten Mal eine winterliche Stadt sahen.

Schnee

Foto: Albert.ag

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