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Veranstaltungstipp: Militärdiktatur in Chile

Verbrechen, Widerstand und Justiz: Die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) bietet in Berlin eine Veranstaltungsreihe zur chilenischen Militärdiktatur an.

Am 11. September 1973 putschte das chilenische Militär unter Führung des Junta-Chefs Augusto Pinochet den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende aus dem Amt. Es begann die – neben der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) – blutigste Militärdiktatur in Lateinamerika. Tausende wurden gefoltert, entführt und ermordet. Doch selbst in den Jahren härtester Repression organisierten linke Parteien und vor allem die Bewohner der Elendsviertel Chiles Widerstand gegen das Regime. Nach einer erfolgreichen Kampagne seiner Gegner erlitt Pinochet 1988 in einer Volksabstimmung eine Niederlage, seine Diktatur endete formal. Allerdings blieb Pinochet nach den ersten Wahlen im Jahr 1989 die dominierende Figur des politischen Lebens in Chile. Dies änderte sich erst mit seiner Verhaftung am 16. Oktober 1998 in London. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ein zweites Leben

Fadi Saad war als Jugendlicher in einer Gang – heute bewahrt er junge Menschen vor dem Absturz.

Fadi Saad war früher in einer Gang - heute unterstützt er andere Jugendliche.

Foto: Oliver Gaertner

Fadi Saads Gangkarriere endete in der Gefängniszelle – drei Tage lang saß er dort, wie im Käfig, 15 Jahre war er alt. Ein Jahr zuvor hatte er im Jugendclub die „Araber Boys 21“ getroffen – lässige Jungs, denen alle den Weg frei machten. „Die hatten die hübschesten Mädchen, das beste Ansehen, sie hatten etwas zu sagen“, sagt Fadi Saad – auch er wollte dazugehören. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ganz normale Geeks

10.000 Technikfans, Hacker und Netzbegeisterte trafen sich in Berlin zur Campus Party Europe – dem größten digitalen Gipfeltreffen.

Gegessen? Kaum. Geschlafen? Wenig. Marcelino Coll Roviras Gesicht versinkt fast in einer überdimensionalen, schwarzen Mütze, mit strähnigen langen Haaren sitzt der 20-jährige Spanier blass vor seinem Computer, den Schlafsack bis zum Hals hochgezogen.

Campus Party Europe im Tempelhofer Flughafen (Foto: Fernlokal)

Campus Party Europe im Tempelhofer Flughafen (Foto: Fernlokal)

Wie er das findet: „Super!“ Marcelino Coll Roviras ist nur zum Spielen nach Berlin gekommen, vier Tage lang, 17 Stunden täglich LAN-Party mit anderen Spielern, ein paar Freunde aus Barcelona hat er mitgebracht. Den Rest des Beitrags lesen »

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Spurensuche: Vom Nahen Osten nach Ost-Berlin

Ein Israeli in Berlin: Dan lebt jetzt in der Stadt, aus der sein Großvater fliehen musste.

Für Dan ist es normal, wenn es wieder eine Welle in dem Krieg gibt, der seit 2000 Jahren andauert, und die Bomben kommen. Der 25-Jährige ist in Jerusalem geboren und hat sein Leben vor allem in Nahariya verbracht. Nur zehn Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt ist die Kleinstadt am Meer oft Schauplatz des Konfliktes um Israel gewesen: „Jedes Haus im Norden hat einen Bombenkeller, jede Schule, jede Fabrik, jedes Gebäude“, sagt Dan.

Gasmasken-Designcontest

Im Golfkrieg detonierten „unglaublich große Raketen“ aus dem Irak, deren Einschlag man aus 200 Kilometer Entfernung hören konnte. „Damals hatte jeder Mensch in Israel eine Gasmaske, die man immer in einer kleinen Box dabeihaben musste“, erinnert Dan sich an die Zeiten, in denen bei Schulwettbewerben die am schönsten gestaltete Masken-Box gekürt wurde. Den Rest des Beitrags lesen »

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Der bayerische Kameltreiber

Konstantin Klages hat einen exotischen Beruf: Der 24-Jährige verdient sein Geld mit Kamelreittouren durch Oberbayern.

Unterschiedlicher könnten Konstantin und seine Tiere kaum sein. „Ich bin ein impulsiver Mensch, fast hyperaktiv“, sagt der 24-Jährige, „Kamele sind immer ausgeglichen, gemütlich und langsam.“ Mit 14 Kamelen, fünf Lamas und drei Eseln lebt er auf einem Hof in Oberbayern und bietet Reittouren mit Blick auf die Alpen an.

Konstantin und seine Kamele (Foto: Konstantin Klages)

Konstantin und seine Kamele (Foto: Konstantin Klages)

Mit einem tierischen Trio fing seine Karriere als Kameltreiber an. Als Konstantin drei Jahre alt war, zog seine Familie von München aufs Land, der Vater suchte nach einem „Rasenmäher“ – und kaufte einem Zirkus spontan drei Kamele ab. Den Rest des Beitrags lesen »

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Auf der Flucht

Fatima musste als Kind mit ihren Eltern aus dem Iran flüchten. Mittlerweile lebt die 19-Jährige in München und hat ambitionierte Zukunftspläne.

Der Eiffelturm ist überall – auf Fatimas Facebook-Profil, auf Postkarten aus Paris und als Zeichnung auf Fatimas Schreibtisch in dem kleinen Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Die berühmte Sehenswürdigkeit ist Fatimas Symbol für Freiheit – denn der Eiffelturm erinnert die 19-Jährige an ihre „erste Reise ohne Angst und Druck“, an den zweiwöchigen Schüleraustausch nach Paris.

Die Erinnerungen an die längste Reise in Fatimas Leben sind weniger schön: Dreieinhalb Jahre lang war sie mit ihren Eltern und den beiden jüngeren Geschwistern auf der Flucht. Vom Iran in irgendein Land, in dem sie bleiben konnten. Auf dem Weg wäre Fatima einmal fast ertrunken, als das Boot voller Flüchtlinge bei einer Flussüberquerung kenterte – ein Mann konnte die damals 11-Jährige gerade noch mit einem Ast ans Ufer ziehen.

Fatima in Paris: "Die erste Reise ohne Angst" (Bild: Fatima)

Fatima in Paris: "Die erste Reise ohne Angst" (Bild: Fatima)

Auch Fatimas kleiner Bruder hätte die Flucht beinahe nicht überlebt. Nach einer 24-stündigen Nachtwanderung durch die Berge war der Körper des Babys starr vor Kälte, die Eltern konnten ihn gerade noch rechtzeitig aufwärmen. Wo genau die Route der Familie verlief, kann Fatima schwer nachvollziehen – auf jeden Fall durch Länder wie Iran, Kurdistan, Türkei, Griechenland, Italien. „Immer hin und her, hin und her“, wie sie sagt. Denn die Familie wurde oft von einem Land ins andere ausgewiesen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Fernlokal WM 2010-Spezial: Randbemerkungen

Anpfiff. Das Fernlokal WM 2010-Spezial erzählt in loser Folge Geschichten vom Rand des Spielfeldes, Kontext, Kurioses – statt sich um Ergebnistabellen, technische Finessen oder Performance zu kümmern.

Fernlokal WM 2010 Spezial: Geschichten vom Rand des Spielfeldes (Foto: Andriz)

Fernlokal WM 2010 Spezial: Geschichten vom Rand des Spielfeldes (Foto: Andriz)

Foto: flickr/Andriz

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Next Generation: Junge Zukunftsentwürfe für den Ruhrpott

Essen und das Ruhrgebiet sind Europäische Kulturhauptstadt 2010. Die Region möchte in diesem Jahr durch ein vielfältiges Kultur-Programm beweisen, dass sie mehr als Kohle, Fußball und Arbeitslosigkeit zu bieten hat. In zehn Zukunftshäusern setzen sich auch die Jugendlichen kreativ mit der Gegenwart und Zukunft des Ruhrpotts auseinander – durch Theater-, Musik- und Tanzprojekte. Sie zeigen, was die „Next Generation“ an Gedanken, Ideen und Talent vorzuweisen hat.

„Wir sind die Chicas aus dem Ruhrgebiet“, singen fünf Mädchen. Sie stehen noch ein wenig unsicher auf der Bühne. Aber die „E-Mädchenband“ wurde auch erst vor wenigen Stunden gegründet, es ist ihr erster Auftritt. Und sie haben noch ein Jahr Zeit, ihre Performance mit der Deutschpop-Musikerin Bernadette La Hengst zu trainieren. Die Girlband ist Teil der Zukunftshäuser – das sind zehn Projekte, die 2010 im Rahmen von „Next Generation“ entstehen.

Zukunft auf der Bühne

In Essen, Duisburg, Bochum und Herne kommen Schüler und Schülerinnen, Azubis und Studierende aus unterschiedlichen Stadtteilen und Kulturen in den nächsten Monaten zusammen. Sie werden Perspektiven und Visionen austauschen, über ihre Zukunft und den Wandel des Ruhrgebiets diskutieren und zusammen mit Theater- und Filmproduzenten, Choreografen und Musikern kreativ arbeiten.

Next Generation: Jugendliche aus dem Ruhrgebiet

Next Generation: Jugendliche aus dem Ruhrgebiet (Foto: Diana Küster)

Die Erkenntnisse, Theaterstücke, Filme und Performances sollen im Herbst 2010 bühnenreif sein: Mit dem Regisseur Nuran David Calı präsentieren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen von „Next Generation“ ihre Ergebnisse als Gesamtkunstwerk im Schauspielhaus Bochum. Der Theaterautor und Filmregisseur hat am Schauspiel Essen bereits 2005/2006 mit Jugendlichen aus Essen-Katernberg das erfolgreiche Stück „Homestories – Geschichten aus der Heimat“ erarbeitet. „Als klar wurde, dass wir Kulturhauptstadt werden, wollten wir in diese Richtung weiterarbeiten“, erzählt Christine Hoenmanns vom Schauspielhaus Essen. Homestories war die Keimzelle, Next Generation ist ein vielschichtigeres Projekt mit vielen Bereichen.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Berlinerin Anni May in Argentinien: „Keine Heimat mehr“

Von Berlin nach Buenos Aires: Die jüdische Berlinerin Anni May ist als junge Frau mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus geflüchtet. Jetzt lebt sie in Argentinien – das Gefühl, eine Heimat zu haben, hat sie dennoch verloren.

Anni May ist eine elegante ältere Dame, die im Villenviertel von Vicente Lopez, einem Vorort von Buenos Aires, zum Tee bittet. „Cuando Anni May dice que tiene 83, nadie le cree“, schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion“ in einem Portrait über Anni und ihren Mann Egon. „Niemand würde glauben, dass Anni May bereits 83 Jahre alt ist“.

Der Artikel ist mittlerweile fünf Jahre alt und immer noch könnte Anni May unauffällig zehn bis zwanzig Jahre unterschlagen. Sie wirkt jung, wenn sie von ihren Reisen durch die ganze Welt und ihrer Lebensgeschichte erzählt – in flüssigem Deutsch.

Flucht vor Hitler`s Deutschland
Anni May wurde als Anni Lichtenthal in Berlin geboren und ist als 16-jähriger Teenager mit ihren Eltern nach Argentinien ausgewandert: „Meine Eltern hatten ein Seidengeschäft in der Uhlandstraße. Wir sind jüdisch und mussten auswandern im Jahr 1938.“

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Für die Einwanderung nach Argentinien war eine sogenannte „Llamada“ notwendig: Jeder Einwohner mit Aufenthaltsgenehmigung durfte Verwandte ersten Grades ins Land holen. Die Familie von Anni May hatte Glück: Die große Schwester war bereits 1937 eingewandert und konnte die Eltern, Anni und ihren Bruder nachkommen lassen.

Heimatlos
In Argentinien war Anni May vor allem Ehefrau und Hausfrau: „Ich habe nie etwas Richtiges gemacht. Ich war bis 14 in der Schule und dann später noch auf einem Pensionat in Italien, Sprachen lernen und so, das gehörte sich damals so.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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München abseits der Stereotype: Neuperlach

Glückliche Kühe, fesche Dirndl und ein Bierkrug in der Hand: Der „typisch“ bayrische Lebensstil wird in Szene gesetzt, um in- und ausländische Touristen anzuziehen. Ein „Heile-Welt-Bild“ will die Tourismus-Expertin Sybille Wiedenmann der Bayern Tourismus Marketing Gesellschaft laut einem Interview in der Süddeutschen Zeitung den Gästen bieten. Milchbauern-Proteste und High Tech passen nicht ins Bild – ebenso wie die Münchner Satellitenstadt Neuperlach. Hier ist es eher grau statt grün: Ein Streifzug in Bildern.

Neuperlach Zentrum (Foto:Fl)

Zirkus Neuperlach (Foto: Fernlokal)
Neuperlach: Brot und Spiele (Foto: Fernlokal)
Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

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Thematisches

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