Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Schöne fremde Welt: Ultraorthodoxe Aussteiger in Israel

Junge Israelis, die in einer ultra-orthodoxen Familie aufgewachsen sind, entdecken nach ihrem Ausstieg ein ganz neues Leben.

Zwischen Moderne und Mittelalter liegen in Israel oft nur wenige Meter. In Vierteln wie Mea Shearim in Jerusalem leben ultraorthodoxe Juden abgeschottet von der modernen Welt, die Religion bestimmt ihren Alltag.

Nur wenige, die in der streng-religiösen Gemeinschaft aufwachsen, wagen den Ausbruch und verlassen ihre Familien. Die Aussteiger müssen erst lernen, sich in der modernen Welt zurechtzufinden – eine schwierige Herausforderung.

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Fernlokal Soundtrack #3: „Loving Strangers“ von Russian Red

„Loving strangers“: Russian Red singt den Titelsong des neuen Films von Julio Médem.

Geboren 1986, Gründung des Projekts „Russian Red“ 2007: Lourdes Hernández aus Madrid ist eine junge Indie und Folk Singer-Songwriterin, die 2008 zuerst auf MySpace und dann mit ihrem ersten Album „I love your glasses“ auf sich aufmerksam machte. Vergleiche mit der ebenfalls sehr jungen kalifornischen Singer-Songwriterin Joanna Newsom sind höchstens in Bezug auf den Mädchenmädchenstil angebracht, nicht jedoch inhaltlich (Newsoms Stimme löst bei mir leider eine sofortige Agression aus).

Russian Reds Song „Loving Strangers“ jedenfalls ist auch die Titelmelodie von „Habitación en Roma“, dem neuesten Film des spanischen Regisseurs Julio Médem („Los amantes del circulo polar“, „Lucía y el sexo“), in dem zwei Frauen eine Nacht miteinander verbringen und sich nicht nur körperlich enthüllen.

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Youtube-Filme: Trafficking in Bombay, Missbrauch in der US-Army

Youtube-Filme: Viel Trash, aber auch sehenswerte Dokumentationen. Zum Beispiel eine Doku über Frauen und Mädchen, die in Bombay zur Prostitution gezwungen werden und ein Film über sexuellen Missbrauch in der US-Army.

Kung Fu, Spice Girls oder Bollywood: Das Angebot ist noch überschaubar, doch das wird sich ändern – Youtube bietet jetzt ganze Filme (statt der bisherigen zerstückelten Einzelteile). Hier zwei Dokumentationen, die sehenswert sind und den drastischen Missbrauch von Frauen thematisieren.

2500 Frauen und Mädchen verschwinden täglich weltweit – und viele werden in die Prostitution gezwungen. In The Day my God died erzählen Opfer von Trafficking, wie sie entführt wurden und was sie als Sexsklavinnen in Bombay ertragen mussten. Viele von ihnen wurden mit Vergewaltigungen, Gewalt, brennenden Zigaretten oder Säure gefügig gemacht und waren teils erst sechs oder sieben Jahre alt, als sie sich prostituieren mussten. Denn junge Mädchen sind besonders gefragt – in dem absurden Irrglauben, dass Sex mit Jungfrauen (Geschlechts-)Krankheiten heilt und die Potenz steigert.

Sex in the Army zeigt, wie sexuelle Belästigung, Missbrauch und Vergewaltigung fast zum Alltag von US-Soldatinnen gehört Den Rest des Beitrags lesen »

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„Labyrinth“: Zwischen Müllberg und Kirche – Der erste Film über das Leben im Ghetto Maxuda

Sommerhitze in Varna, der zweitgrößten Stadt Bulgariens unweit der Schwarzmeerküste: Touristengruppen in Bikini und FlipFlops schlendern ebenso durch die Straßen wie kleine, braungebrannte Jungen mit nacktem Oberkörper, die zwischendurch den nächsten Müllcontainer erklimmen – auf der Suche nach einem T-Shirt oder anderen verwertbaren Materialien. Sie kommen aus Maxuda. So heißt die kleine Parallelwelt in Varna: ein Ghetto zwischen Bahnhof, Kathedrale und dem Hafen, neben dem ein riesiger Müllberg emporwächst.

In Maxuda leben ethnische Randgruppen, „ciganis“, hinter mit Plastikstreifen verhängten Türrahmen wohnen die Familien auf engstem Raum, bunte Wäsche flattert vor den grauen Betonhäuschen und Steinbaracken, eben noch per Hand im Plastikbottich gewaschen. „Ein Ort, den man oft sieht, wo man aber nie hingeht“, erzählt Nora Gavazova, die in Varna geboren und aufgewachsen ist. Irgendwann, als sie schon längst in Berlin Ethnologie und Psychologie studierte, begann sie die kleine, abgerissene Stadt in der Stadt, die sich mitten im Zentrum Varnas behauptete, zu interessieren: „Ich wurde einfach neugierig, wie das Leben dort ist.“ Beim Sommerurlaub in Varna näherte sie sich dem Zigeunerviertel mit der Kamera, fotografierte Menschen und Landschaft. So entwickelte sich die Idee, einen Film über das Ghetto und seine Bewohner zu drehen.

Premiere für Maxuda

52 Minuten lang verfolgt „Labyrinth“ nun die Geschichte des Viertels und die Situation von vier Menschen aus Maxuda, die mit sozial-politischen Umbrüchen ebenso kämpfen wie mit Perspektivlosigkeit und Herzschmerz: „Es geht um Drogenhandel, Mafia, neue Demokratie, Schicksal, Liebe, Aussiedlungspläne, Jungfräulichkeit, Tradition und Moderne … die Mischung aus alldem macht aus dem Leben der vier ein Labyrinth, aus dem man immer wieder den Weg nach außen sucht, sich aber stattdessen nur noch im Kreis dreht“. Der Kontakt zu Nataliya, einer der Protagonistinnen, hatte sich über eine Zufallsbekanntschaft ergeben, über den Online-Verteiler der Universität der Künste fand sich dann Noras Team für das No-Budget-Projekt. Im Herbst 2006 flogen Volker Langholz (Kamera), dessen Freund Maxim-Alexander Scharl als Kameraassistent und Nora Gavazova (Regie) nach Bulgarien, um dort zu drehen. Um einen offiziellen Zugang musste sich das junge Filmteam nicht kümmern: „Bulgarien ist nicht wie hier, da hört sich alleine das Wort ‚Drehgenehmigung‘ irgendwie komisch an – wir waren ja nur No-Budget Filmemacher und nicht die BBC“. Erstmals rückte die Problemzone Varnas in den Fokus von Filmaufnahmen, die Menschen waren nicht an Medienpräsenz gewöhnt. Durch den gemeinsamen Bekannten war aber eine „gewisse Vertrauensbasis da“, so dass die Crew von einem sehr offenem Empfang überrascht wurde. „Nach ein paar Tagen haben uns die Leute bereits sehr nah an sich herangelassen. Je mehr Zeit wir mit ihnen verbrachten, desto mehr wuchs auch das Vertrauen, da man gesehen hat, dass wir keine Journalisten sind“, erinnert sich Nora.

Eine Woche lang teilte das Trio den Alltag der Bewohner von Maxuda, die Kamera lief den ganzen Tag, so dass sich nach dem dritten Tag ein Gewöhnungseffekt einstellte: „Die Kamera ist nicht mehr so sehr aufgefallen, dass man davor Angst haben oder sich großartig verstellen musste. Natürlich mussten der Kameramann und ich als Regisseurin dabei über eine gewisse Feinfühligkeit verfügen: bestimmte Momente sollten lieber nicht gefilmt werden genauso wie man manche Fragen lieber nicht stellen sollte.“

Vom Niemandsland zum Neuland?

Vertrauen schenken die Bewohner von Maxuda nicht jedem, der von außen kommt. Vor 100 bis 150 Jahren hatten sich nach und nach arme Leute auf dem Areal angesiedelt, meist Nomaden und Einwanderer aus Ländern wie dem benachbarten Rumänien, der Türkei oder Albanien. Als der kommunistische Staat schließlich begann, die Hütten zu besteuern, wurde das besetzte Gebiet im Zentrum quasi legalisiert. Dennoch: keine Wohnraumgarantie für die Bewohner, eine Aufwertung des attraktiven Areals im Stadtzentrum droht. „Jetzt, fast 20 Jahre nach der Wende, sind die Neureichen der Stadt auf die schöne Lage von Maxuda aufmerksam geworden. Es gibt Gerüchte, sie haben das Land vom Bürgermeister gekauft und wollen dort ein Luxusviertel mit Yachthafen machen.“ Bis dato: viele Spekulationen und eine unsichere Zukunft. Der Film – eine Momentaufnahme eines Viertels, das vielleicht irgendwann dem Kapital zu Opfer fällt, das die Menschen ein zweites Mal zu Nomaden machen wird.

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