Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Fernlokal WM-Spezial 2011: Slumdog Verteidigerin

Sie hatte keine Bleibe, kein Geld, keine Freunde. Shahenaz Kureshi lebt heute in einem indischen Armenviertel – und findet im Fußball einen neuen Lebenssinn.

Shahenaz Kureshis Geburt war für ihren Vater eine Beleidigung. Tagelang schlug und schikanierte er die Mutter, die es gewagt hatte, nur eine Tochter, keinen Sohn, auf die Welt zu bringen, und ermordete die Kleine fast, bis Shahenaz’ Mutter mit dem Baby flüchtete. An diesem Berliner Nachmittag im Juni steht Shahenaz Kureshi, die so unerwünscht war, am richtigen Platz in ihrem Leben: Auf einem Berliner Fußballfeld donnert sie energisch einen Ball nach dem anderen ins Tor, dribbelt, lacht.

Die gemalte safranfarben-weiß-grüne Landesflagge trägt die zierliche 19-Jährige stolz auf der Wange, dazu das „Slum Soccer“-Trikot: hellblaues Hemd, hellblaue Shorts, rote Stutzen. Fußball eben.

Fußball spielt im Hockey- und Cricket-Land Indien eine geringe Rolle, kein indisches Nationalteam hat sich je für die WM qualifiziert – doch es ist zumindest eine kleine Weltmeisterschaft, bei der Shahenaz ihr Land vertritt: Beim Frauen-Fußball-Festival „Discover Football“ in Kreuzberg treten in dieser Woche Frauenteams aus aller Welt gegeneinander an. Den Rest des Beitrags lesen »

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Frauen in Indien: Unerwünscht

Indien gilt als größte Demokratie und aufstrebender wirtschaftlicher und politischer Global Player. Doch die Situation vieler Frauen ist katastrophal.

Der Einblick in das Leben indischer Frauen ist erschütternd: In der zwölfminütigen Multimedia-Slideshow „Undesired“ zeigt der argentinische Photo-Journalist Walter Astrada, wie die Geburt eines Sohnes in vielen Fällen als einzige Daseinsberechtigung angesehen wird, Frauen als Belastung gelten und in jeder Lebensphase diskriminiert werden.

Wurden weibliche Babys in Indien früher oft direkt nach der Geburt erstickt, ertränkt, verbrannt oder vergiftet, addieren moderne Möglichkeiten wie Ultraschall nun eine Praxis hinzu, wie man sich der Tochter noch früher entledigen kann: Etwa 7.000 Mädchen werden den UN zufolge täglich abgetrieben. Geschlechtsabhängige Abtreibungen sind zwar inzwischen illegal, doch viele Ärzte beugen sich dem Wunsch der Eltern dennoch – und kassieren das Geld. Den Rest des Beitrags lesen »

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Baumwollengpass: Preisrally im Kleiderschrank

Die Lager sind leer, die Nachfrage steigt: Die weltweite Baumwoll-Knappheit schlägt auch auf die deutsche Modebranche durch. Jeans könnten bald teurer werden.

Vielleicht eine neue Levi’s-Jeans, vielleicht darf es auch ein T-Shirt sein: Wer sich auf die nächste Modesaison freut, hat selten den globalen Rohstoffmarkt im Blick. Doch die Entwicklungen bei Agrarrohstoffen betreffen den eigenen Kleiderschrank – denn Stücke aus Baumwolle könnten bald teurer werden.  

100 Prozent Baumwolle wird bald teuer (Foto: Dayna Bateman/Flickr)

100 Prozent Baumwolle wird bald teuer (Foto: Dayna Bateman/Flickr)

Die wichtige Naturfaser ist auf dem Weltmarkt äußerst knapp. Die Preise schießen in die Höhe und haben sich in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Händler zahlten kürzlich an den Terminbörsen fast 97 Cent pro Pfund, um sich Lieferungen im Dezember zu sichern – und damit so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr. Länder wie China und Indien verschärfen den Engpass, indem sie Baumwolle bunkern. Den Rest des Beitrags lesen »

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Noa Lerner: „If something doesn`t have a story, it`s meaningless“

Vom Luxusgut bis zu Ghandis Toilette: Noa Lerner aus Israel studiert Industrial Design an der Universität der Künste. Ihr jüngster Erfolg: der prämierte MP3-Player „Music Drop“, der exakt einen Song konserviert. Ihre aktuelle Herausforderung: ein Toilettenprojekt in Indien.

Ein graziles Glasgebilde in Form einer Ampulle lässt einen einzigen Song ins Ohr fließen, sobald man es in selbiges einführt – der Miniatur-Soundtrack für einen singulären Moment: «One drop of music that contains one song that can be used only one time». Der «Music Drop» reduziert ubiquitären Musik-Konsum auf das Wertvolle, auf ein Erlebnis, dessen Bedeutung durch die Nicht-Wiederholbarkeit vom Moment zum Momentum veredelt wird. In Zeiten des Überflusses ist das Elementare wieder distinktiv.

Noa Lerners Music Drop

Für «Existentiellen Luxus» gewann die Industrial-Design-Studentin Noa Lerner 2007 den Karl-Hofer-Preis, das «MoMA» in New york zeigt den «Drop »auf der Webseite zur Ausstellung «Design and the Elastic Mind» und auf der Musik-Messe Midem wurde die Erfindung auf den zweiten Platz der viel- versprechendsten Weltneuheiten des «Music Ally/MidemNet New Business Showcase» gewählt. Trotz der internationalen Aufmerksamkeit – in letzter Konsequenz ist der Music Drop auch in der Hinsicht Luxus, dass er verzichtbar ist. Woher kommt das Bedürfnis, den unendlichen Vorrat der Dinge um ein weiteres Produkt zu ergänzen?

Für Noa ist jedes Artefakt die Materialisierung einer Geschichte, woran sich auch dessen Bedeutsamkeit misst: «I have an image in my head, I must have a story – if something doesn’t have a story, it’s meaningless.» In Tel Aviv-Jaffa aufgewachsen, wechselte sie vom Script-Writing zum Industrial Design, um die Brücke zwischen Worten und deren physischer Manifestation zu schließen. Am Anfang sei dies schwierig gewesen: «I was the most horrible student in the first year, I am totally oldschool, I hate computer, nobody could understand me.» Als Designerin musste sie lernen, wie man Abstraktes «down to earth» transformiert: Storytelling durch Objekte. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ushahidi: Krisen aus der Makroperspektive

Von der Schweinegrippe bis zu Konflikten: Ushahidi – Swahili für „Zeugenaussage“ – ist ein Mapping-Tool, das Informationen, die per SMS, E-Mail oder Internet eingesandt werden, aggregiert und in Form einer Google-Map ausgibt.

Weder in Argentinien noch in Namibia sind bisher Fälle von Schweinegrippe aufgetreten, was hinsichtlich unserer Projektvorhaben (vorerst) beruhigend wirkt. Auf einer internationalen Übersichtskarte (auf der Karte unten sind die Verdachtsfälle lokalisiert) kann man sich durch verschiedene Filtermechanismen Verdachts- sowie Krankheits- und Todesfälle anzeigen lassen, die sowohl aus verifizierten, offiziellen Quellen als auch von Privatpersonen stammen.

Schweinegrippe

Crowdcourcing-Krisenplattform

Die Übersichtskarte ist eine Variante von Ushahidi, einer „Crowdsourcing Crisis Information“-Plattform: „Our goal is to create the simplest way of aggregating information from the public for use in crisis response.“ Ushahidi – Swahili für „Zeugenaussage“ – ist ein Mapping-Tool, das Informationen, die per SMS, E-Mail, Twitter oder Webseitenformular eingesandt werden, aggregiert und in Form einer Google-Map ausgibt. Ursprünglich wurde das Open-Source-Projekt nach der „Wiederwahl“ des amtierenden kenianischen Präsidenten Kibakis und dem blutigen Niederschlagen der auf die Wahlfälschungen folgenden Proteste und Ausschreitungen konzipiert: „Fifteen hundred were killed and half a million displaced while the news went black for three days“, so Forbes. Den Rest des Beitrags lesen »

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