Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Japan: Gottes Werk und Atomis Beitrag?

Japan bestimmt die Schlagzeilen. In deutschen Backdiscountern läuft das Drama live. In den USA erlaubt sich ein Moderator, das Schicksal der Notleidenden als gottgewollte Fügung zu bezeichnen.

Keine Fernsehsendung, kein Radio-Magazin oder sonstiges Nachrichtenmedium kommt momentan ohne die ständig neuen und verheerenden Meldungen aus Japan aus. Die dramatische Notsituation der Menschen dort fordert eine durchgehende Berichterstattung, keine Frage.

Erdbeben statt Hits der 80er, 90er und die besten Songs von heute

Fraglich dennoch, ob die Menschen hierzulande mehr Verständnis und Interesse entwickeln, wenn sie das japanische Drama auf einem Flachbildfernseher beim Brötchenkauf der Discountbäckereien beobachten können. Die Entscheidung ob Schoko-Croissant oder Blaubeermuffin fällt, während oberhalb der Selbstbedienungstheke per Live-Übertragung Geröll- und Schlammmassen ganze Dörfer, Häuser und Autokarawanen und wahrscheinlich zahlreiche Opfer über die japanische Landschaft schieben. Die Betroffenheit in der Bevölkerung ist groß, auch wegen der Bilder. Bloß: Wie lange noch?

Konservativer Fehltritt

Was in Bahrain oder Libyen passiert, ist hier im Bäcker vergessen. Die mediale Aufmerksamkeit ist verschoben. Hoffentlich sind die Zuschauer von diesem scheinbar endlosen Tragödie in Japan nicht auch bald abgestumpft. Immerhin  fokussiert die deutsche Berichterstattung überwiegend auf Fakten und Analysen. Noch hat sich hier kein berechnend polarisierender Moderator wie der us-amerikanische Glenn Beck erfunden, der in dem japanischen Erdbeben eine gottgeführte Tat vermutete. Vielleicht sollten die Menschen daran erinnert werden, die zehn Gebote einzuhalten, so Beck.

Dagegen sind deutsche Satiremagazine regelrecht harmlos

(Der Beitrag ist schon älter – den Machern kann also keine unpassende Polemik zur aktuellen Situation vorgeworfen werden.)

Und ganz im Ernst: Der Internet-Suchdienst google hat im Übrigen einen Personenfinder für Japan gestartet.

Einsortiert unter:Gesellschaft, Impressionen, Migration, Politik, USA, , , ,

Instant Origami: Speed-Dating mit Hai und Kranich

Nur ein paar Sekunden dauert die moderne Variante von Origami, der Kunst des Papierfaltens: Beim Instant Origami kommt es nicht auf Genauigkeit, sondern auf Schnelligkeit und Phantasie an.

Es könnte Fisch oder Vogel sein: Die Ergebnisse von Instant Origami sind nicht immer sofort zu identifizieren. Bei der schnellen Variante der fernöstlichen Papierfalterei entstehen die Objekte in Sekunden, wirken aber auch oft kaum eindrucksvoller als ein zerknüllter Notizzettel. Wie beim traditionellen Origami gilt die Regel: Verzicht auf Kleber.

Klassische Origamis sind oft komplex und können den Bastler mehrere Stunden kosten. Die fernöstliche Kunst, die zuerst in China und Japan aufkam, wurde anfangs wegen der hohen Kosten von Papier meist nur bei Zeremonien eingesetzt. Den Rest des Beitrags lesen »

Einsortiert unter:Asien, Deutschland, Gesellschaft, Kultur, Kunst, , , , , , , , , , ,

Stereotypes: Baumkuchen in Japan

Fuer eine Biologie-Studentin aus Tokyo, die wir in Puerto Iguazú getroffen haben, ist „Baumukūhen“ typisch deutsch.

In Japan ist der sattgelbe Schichtkuchen, der aufgeschnitten an die Jahresringe eines Baumes erinnert, einer der beliebtesten Kuchen und ueberall erhältlich – anders als in Deutschland selbst.

BaumkuchenFoto: Chikache

Wer den Baumkuchen tatsächlich erfunden hat, ist unklar. Schon im Mittelalter gab es Brote mit einem ähnlichen Herstellungsverfahren: Der um einen Spiess gedrehte Teig wurde über dem Feuer geröstet. Schriftlich taucht das Baumkuchenrezept in einem italienischen Kochbuch von 1426 auf; von 1450 datiert das älteste deutschsprachige Rezept und in Nürnberg und Frankfurt galt der Kuchen im 15. Jahrhundert als klassisches Hochzeitsgebäck der Patrizier. In Japan wird ein Baumkuchen gerne als Geschenk überreicht – so erfuhr auch die Studentin , dass ihr Praesent, das sie einem deutschen Freund als etwas „typisch japanisches“ mitbringen wollte, eigentlich deutsch sei.

Schriller Vogel

Ein anderes Objekt, das in Japan bekannt ist, ist die Kuckucksuhr, die im Schwarzwald erfunden wurde. Der aus einem Türchen herausschiessende Kuckuck, der die Uhrzeit audiovisuell begleitet, löst bei der Japanerin einen giggelnden Lachanfall aus. Anders als der in jedem Lebensmittelladen erhältliche Baumkuchen ist die Kuckucksuhr jedoch eher ein Sammlerstück. Die Tokyoerin ist sich sicher, dass noch viel mehr Deutsches im Alltag versteckt sei. Die meisten Dinge konsumiere man aber, ohne um die Herkunft des Produktes zu wissen.

Einsortiert unter:Asien, Deutsche Spuren im Ausland, Gesellschaft, Stereotypes, , , , ,

Thematisches

Kulturhauptstädtisches: Fernlokal bei Zwanzig10

Fernlokal @ Twitter

Fernlokal bei Twitter

Best of Fernlokal

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 243 Followern an

Fernlokal auf googlemaps

fernlokal map
Society Blogs - BlogCatalog Blog Directory

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal nominiert als “Best Weblog Deutsch” (Deutsche Welle Blog Awards 2010)

Fernlokal bei den Deutsche Welle Blog Awards

Fernlokales 2011

Jesus Mexiko 2011 (copyright fernlokal)

Lokales 2010

(copyright fernlokal)

Lokales 2010

Lokales 2010

(copyright fernlokal)