Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Schüsse auf Sprayer

Riskante Kunst: In Kolumbien ist ein 16-jähriger Sprayer erschossen worden – und die Polizei versucht, den Fehler zu vertuschen.

Ein ganz normaler Streifzug durch die Nacht sollte es werden, im Norden von Bogotá wollten vier Freunde im August ein paar Mauern mit Graffiti verzieren – doch nur drei der Jugendlichen überlebten den Abend.

Als eine Polizeistreife die jungen Sprayer entdeckte, versuchten sie zu fliehen – dabei wurde der 16-jährige Kolumbianer Diego Felipe Becerra von einem Polizisten erschossen.

Einer der Freunde berichtete der kolumbianischen Wochenzeitung Semana zufolge, er habe sich nach Diego umgedreht und ihn am Boden liegen sehen: „Er rief mir zu, dass er seine Beine nicht mehr spürt.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Uruguay: Straflosigkeit für Militärverbrecher

Vergangenheitsbewältigung versus Realpolitik: In Uruguay wird die Aufarbeitung von Verbrechen während der Militärdiktatur erneut verschleppt.

Nach wochenlangen Debatten und Protesten sind die Bemühungen, das „Ley de Caducidad de la Pretensión Punitiva del Estado“ in Uruguay endlich abzuschaffen, wieder einmal gescheitert – die Annullierung des umstrittenen Gesetzes erhielt bei einer knappen Abstimmung keine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Das Gesetz sichert Polizei- und Militärangehörigen Straffreiheit zu, die während der Militärdiktatur in Uruguay Menschenrechtsverletzungen  begangen haben.

Während der uruguayischen Militärdiktatur von 1976 bis 1985 wurden etwa 200 Urugayaner entführt und getötet, Tausende von Menschen wurden gefoltert – viele der Verbrechen, sind bis heute nicht aufgeklärt, Straftäter, vor allem auf der mittleren Führungsebene und solche, die nur auf Befehl gehandelt haben sollen, wurden nie rechtlich belangt. Den Rest des Beitrags lesen »

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„Cuchillo de palo / 108“: Folter und Schweigen in Paraguay

In „Cuchillo de palo / 108“ vermittelt die Filmemacherin Renate Costa Perdomo die Situation von während der Militärdiktatur verfolgten und gefolterten Homosexuellen.

Die 108 ist in Paraguay ein Symbol für die Verfolgung und die Folter von Homosexuellen während der Diktatur des Militärgenerals Alfredo Stroessner – auf öffentlichen Listen wurden damals erst 108 Männer, dann weitere, zwangsgeoutet. Renate Costa Perdomos Onkel Rodolfo war einer dieser Geächteten.

Die junge Filmemacherin verfolgt die Geschichte ihres Onkels mit der Kamera, versucht, das Schweigen ihrer Familie zu durchbrechen und zeigt auf, wie wenig die Vergangenheitsbewältigung in Paraguay fortgeschritten ist und wieviel bis heute verdrängt wird:

„Of all my uncles, Rodolfo was the only one who didn’t want to be a blacksmith like my grandfather: He wanted to be a dancer. The search for the traces of his life leads to the discovery that in the eighties in Paraguay, under Stroessner’s dictatorship, Rodolfo was included in one of the „108 lists of homosexuals“, arrested and tortured. Rodolfo’s story reveals a part of the hidden and silenced history of my country. In „Cuchillo de Palo 108“ two generations come face to face in a confrontation that ultimately allows each of us to understand our place in the world.“

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Discover Football, zweite Runde

2011 treffen sich auf Berliner Rasen erneut Frauenmannschaften aus aller Welt, die nicht nur gut kicken, sondern entweder sozial engagiert und/oder sozial benachteiligt sind.

Durch den Dokumentarfilm „Football Under Cover“ wurde die Multikulti-Frauenmannschaft des türkischen Vereins AL-Dersimspor in Kreuzberg über Berlin hinaus bekannt: Die Fußballerinnen hatten 2006 ein Spiel gegen die iranische Frauennationalmannschaft arrangiert – das erste gegen ein ausländisches Team seit 1979. Valerie Assmann,  Rechts-Außen-Spielerin bei Dersimspor, berichtete auf Fernlokal von diesem utopischen Moment.

Valerie Assmann: "Es zählt nicht nur der Fußball" (Foto: Fernlokal)

Valerie Assmann: "Es zählt nicht nur der Fußball" (Foto: Fernlokal)

Im vergangenen Jahr haben die Fußballerinnen dann erstmals ein internationales Match auf deutschem Rasen initiiert und mehrere Frauenmannschaften  zum Frauen-Fußball-Festival „Discover Football“ nach Berlin geladen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Paco: Gefährlicher Billigrausch

Gegen Marihuana in kleineren Mengen kämpft die argentinische Regierung nicht mehr – der private Konsum ist legalisiert. Das größere Problem heißt Paco: ein gefährliches Kokain-Abfallprodukt, das schnell süchtig macht und vor allem die Lage in den Villas, den argentinischen Armenvierteln, drastisch verschlimmert.

„Lebende Tote“ werden die zehntausenden Paco-Junkies in Argentinien genannt. Denn Paco tötet nicht nur Schmerz, sondern auch das Hungergefühl. Viele Konsumenten sind völlig abgemagert, sie haben aufgesprungene Lippen und Blutergüsse auf der Haut. Die Pasta Básica de Cocaína, kurz Paco, ist ein Abfallprodukt auf Kokainbasis, das geraucht wird. Oft ist die Droge mit diversen Substanzen wie Glassplittern oder Chemikalien wie Kerosin, Putzmittel oder Lösungsmitteln gestreckt. Langfristig schädigt die gefährliche Mixtur Gehirn und Organe, Paco fördert aber auch Psychosen und Paranoia.

Droge der Armen

Wie Kokain macht Paco euphorisch – doch die Wirkung setzt sofort ein und dauert nur 30-70 Sekunden. Und Paco ist billig, kostet nur ein paar Cents, so dass die Droge sich vor allem in den Armenvierteln von Buenos Aires rasant ausbreiten konnte.

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Argentiniens Problem: Paco (Foto: Flickr/Olmovic)

Nach der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 soll die Zahl der Abhängigen hochgeschnellt sein, vor allem viele Jugendliche bekämpften Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftschancen mit dem billigen Rausch. Den Rest des Beitrags lesen »

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„If I was President“: Wyclef Jean für Haiti, Santos für Kolumbien, Kagame für Ruanda

Veränderungen auf dem politischen Parkett: Der Musiker Wyclef Jean hat sich als nächster Präsident für Haiti beworben, Juan Manuel Santos tritt am Samstag das Erbe von Álvaro Uribe an und bei den Präsidentschaftswahlen in Ruanda am Montag versucht Paul Kagame sein Amt zu verteidigen.

„If I was president“, hat Wyclef Jean einmal gesungen, „I’d get elected on Friday, assasinated on Saturday,
and buried on Sunday.“ Jetzt hat er tatsächlich seine Bewerbung um das Präsidentschaftsamt in seinem Heimatland Haiti eingereicht. Die Neuwahlen sind für November ausgeschrieben, der amtierende Präsident René Préval kann laut Verfassung nicht erneut antreten. Haiti ist politisch instabil, leidet an Umweltzerstörung, Überschwemmung, Überbevölkerung. 80 Prozent der Haitianer leben von maximal zwei Dollar pro Tag, der Staatshaushalt wird durch Entwicklungshilfe gestützt.

Aufgabe des neuen Präsidenten: Wiederaufbau

Dazu das Erdbeben im Januar: Es gilt als eines der schlimmsten Naturereignisse der letzten 100 Jahre. Die vorher schon mangelhafte Infrastruktur wurde zu großen Teilen zerstört, etwa 300.000 Menschen kamen ums Leben, etwa 1,6 Millionen wurden obdachlos. Der Wiederaufbau Haitis (siehe Länderprofil und Erfahrungsbericht eines deutschen Katastrophenhelfers) ist angesichts der chaotischen Lage eine schwierige politische Herausforderung, an der auch Experten leicht scheitern.

Der Hip Hop-Star Wyclef Jean war bisher nicht für politische Ambitionen bekannt. Zumindest hat er in Haiti eine Hilfsorganisation, Yéle Haiti, aufgebaut. Ob er als in die USA ausgewanderter, allerdings sehr bekannter Kandidat gewinnen kann? Was er schon jetzt für Haiti getan hat: Der Prominenzfaktor lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die katastrophale Lage im Land.

Kolumbien nach Álvaro Uribe

Auch Juan Manuel Santos, der nach einem spannenden Wahlkampf gegen den Grünen Antanas Mockus ein doch überraschend eindeutiges Wahlergebnis erzielte, tritt am Samstag in Kolumbien ein schwieriges politisches Erbe an. Den Rest des Beitrags lesen »

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Präsidentenwahl Kolumbien: Santos als Sieger der ersten Runde

So knapp wie erwartet ist der Endspurt der beiden populärsten Präsidentschaftskandidaten Juan Manuel Santos und Antanas Mockus in Kolumbien gestern nicht ausgegangen. Dennoch wird sich der Sieger der ersten Wahlrunde am Sonntag –  Juan Manuel Santos – am 20. Juni einer Stichwahl stellen müssen.

Klare Entscheidung in der ersten Instanz: Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag (hier Hintergrund) konnte sich Juan Manuel Santos mit 46,6 Prozent der Stimmen einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem grünen Herausforderer Antanas Mockus (21,5 Prozent) sichern. Damit haben die Wähler für eine Fortführung der Politik Alvaro Uribes gestimmt, der als Hardliner gegenüber den FARC-Rebellen bekannt ist. Da der ehemalige kolumbianische Verteidigungsminister Santos die absolute Mehrheit aber knapp verfehlt hat, wird er am 20. Juni in einer Stichwahl erneut auf Mockus treffen. Obwohl Mockus weniger Stimmen als erwartet erhielt, ist der Grüne mit dem zweitbesten Ergebnis von insgesamt neun Präsidentschaftskandidaten zufrieden und hofft auf einen weiteren Stimmengewinn bis zur Stichwahl im Juni. Etwa die Hälfte der 30 Millionen wahlberechtigten Kolumbianer hatten sich am Sonntag an den Präsidentenwahlen beteiligt.

(sop)

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Colonia Liebig: Fleischextrakte und Yerba-Mate

Die Cooperativa der Colonia Liebig in der Provinz Corrientes ist noch heute eine produzierende Genossenschaft für Mate-Tee. Ihre Geschichte  geht zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

Die Provinz Corrientes ist für ihre deutschen Einwanderer bekannt. Sie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts nach Argentinien, um den wirtschaftlichen Bedingungen und ärmlichen Verhältnissen des Nachkriegs-Deutschland zu entfliehen.

Mate-Tee der Colonia Liebig

Mate-Tee der Cooperativa Agrícola de la Colonia Liebig (foto: fernlokal)

Bevor die Colonia Liebig für ihre Yerba Mate-Produktion bekannt wurde, zog ein anderes Produkt die Menschen in die Region: Fleischextrakte. Die Colonia Liebig wurde 1924 gegründet. Sie bildete sich zu der Zeit des großen Stroms deutscher Einwanderer nach Argentinien. Circa 300 Personen aus 60 deutschen Migranten-Familien lebten in der Kolonie. Namensgeber war der deutsche Chemiker Justus Liebig, der in Deutschland unter anderem mit der Herstellung von Fleischextrakten Aufmerksamkeit erregt hatte.  Viele Migranten blieben trotz einfacher und oftmals schwieriger Lebensverhältnisse dort, mit vielen Personen auf engem Raum, ohne Strom und fließend Wasser, weil ihnen die Niederlassung von Liebig-Fleischextrakt Arbeit und Land brachte.

Video über das heutige Pueblo Liebig und seine ehemalige Fleischextraktfabrik (spanisch)

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Berlinerin Anni May in Argentinien: „Keine Heimat mehr“

Von Berlin nach Buenos Aires: Die jüdische Berlinerin Anni May ist als junge Frau mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus geflüchtet. Jetzt lebt sie in Argentinien – das Gefühl, eine Heimat zu haben, hat sie dennoch verloren.

Anni May ist eine elegante ältere Dame, die im Villenviertel von Vicente Lopez, einem Vorort von Buenos Aires, zum Tee bittet. „Cuando Anni May dice que tiene 83, nadie le cree“, schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion“ in einem Portrait über Anni und ihren Mann Egon. „Niemand würde glauben, dass Anni May bereits 83 Jahre alt ist“.

Der Artikel ist mittlerweile fünf Jahre alt und immer noch könnte Anni May unauffällig zehn bis zwanzig Jahre unterschlagen. Sie wirkt jung, wenn sie von ihren Reisen durch die ganze Welt und ihrer Lebensgeschichte erzählt – in flüssigem Deutsch.

Flucht vor Hitler`s Deutschland
Anni May wurde als Anni Lichtenthal in Berlin geboren und ist als 16-jähriger Teenager mit ihren Eltern nach Argentinien ausgewandert: „Meine Eltern hatten ein Seidengeschäft in der Uhlandstraße. Wir sind jüdisch und mussten auswandern im Jahr 1938.“

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Buenos Aires: Neue "Heimat" für viele jüdische Deutsche

Für die Einwanderung nach Argentinien war eine sogenannte „Llamada“ notwendig: Jeder Einwohner mit Aufenthaltsgenehmigung durfte Verwandte ersten Grades ins Land holen. Die Familie von Anni May hatte Glück: Die große Schwester war bereits 1937 eingewandert und konnte die Eltern, Anni und ihren Bruder nachkommen lassen.

Heimatlos
In Argentinien war Anni May vor allem Ehefrau und Hausfrau: „Ich habe nie etwas Richtiges gemacht. Ich war bis 14 in der Schule und dann später noch auf einem Pensionat in Italien, Sprachen lernen und so, das gehörte sich damals so.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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La Paz – die friedliche Stadt auf 4000 Meter Höhe

Ein Tal voller Häuser, Hexenmarkt und Sauerstoffmangel – das bolivianische La Paz ist ein atemraubendes Erlebnis.

Der erste Eindruck ist bekanntlich der prägendste: Wer mit dem Bus nach La Paz hineinfährt, erhält eine spektakuläre Aussicht auf ein Meer von barackenähnlichen oft in backsteinrot gehaltenen Häuser. Boliviens Regierungssitz liegt in einem Tal, was dazu führt, dass alle Straßen entweder bergauf oder bergab verlaufen. Es sieht so aus, als gäbe es kaum Grünflächen, die braun-gelben Berge reihen sich in das eher triste Farbspektrum der Stadt. Der erste Gedanke: La Paz sieht aus wie eine riesige brasilianische Favela.


Von oben scheint die Stadt so gar nicht zu ihrem Namen La Paz – zu deutsch: der Frieden – zu passen. Wie ein Hexenkessel schmiegen sich die Häuserketten aneinander. In den Straßen herrscht ein Verkehrschaos, das unsere bisherigen Erfahrungen in lateinamerikanischen Metropolen toppt. Busse in allen Farben kämpfen mit Autos und Taxen aller Art um einen Platz auf den Straßen. Damit Fußgänger die Straßen überqueren können, versuchen Zebras den Verkehr zu regeln. Zebrastreifen werden von den Autofahrern gern ignoriert, deshalb übernehmen zum Teil Jugendliche den nicht ganz ungefährlichen Job als Verkehrslotsen – und das in Zebrakostümen. Den Rest des Beitrags lesen »

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