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Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Wolfgang Stoephasius: Miles & More

Wenn Wolfgang Stoephasius reist, dann hakt er Ziele auf seiner Liste ab – wie alle im Klub der Extremreisenden, in dem er deutscher Rekordhalter ist.

Pitcairn war ein besonders kniffeliger Fall. Die winzige Vulkaninsel, gerade viereinhalb Quadratkilometer britisches Überseegebiet, ragt abrupt aus dem Pazifik heraus, an den Klippen brechen sich die tosenden Wellen, irgendwo zwischen Neuseeland und Südamerika, weit weg vom Festland, so fern, dass Pitcairn lange nicht einmal auf einer Karte verzeichnet war.

Alle paar Monate wagt sich ein Schiff aus Neuseeland heran, um die letzten 48 Bewohner zu versorgen, Nachfahren der Seefahrer, die 1789 auf der Bounty meuterten, später hier anlegten und mit geraubten Tahitianerinnen die Insel belebten.

Diese Insel also wollte auch der Münchner Wolfgang Stoephasius erobern im Februar 2011. Er buchte eine Kreuzfahrt für sich und seine Frau, das Schiff sollte in die Nähe von Pitcairn fahren. Den Rest des Beitrags lesen »

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Exil-Ägypter in München: Party statt Protest

Bei der Demo gegen Mubarak haben die Münchner Exil-Ägypter heute vor allem ihre Freude über den überraschenden Rücktritt demonstriert.

Ein bisschen ägyptische Revolution in München: Etwa 200 Exil-Ägypter und -Ägypterinnen, darunter viele junge Menschen, sind heute durch die Stadt gezogen. Die geplante Solidaritätsdemo mit den Protestierenden in Kairo wurde nach Husni Mubaraks überraschendem Rücktritt zum solidarischen Jubel umfunktioniert.

Während in Ägypten auf dem Tahrir-Platz seit gestern gesungen, getanzt und getrommelt wird, feierten die deutschen Exil-Ägypter heute nachmittag auf dem Marienplatz und feuerten sich gegenseitig mit deutschen und arabischen Sprechchören an („Mubarak ist weg“). Den Rest des Beitrags lesen »

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Bunte Entwürfe für die Zukunft

Bei „La Silhouette“ gestalten junge Migrantinnen Mode – und ihr Leben. Jetzt hat das Atelier den Bayerischen Integrationspreis gewonnen.

Knapp 50 Betriebe hat Marlen abgeklappert, vier pro Tag. Auf schriftliche Bewerbungen hatte die Irakerin nur Absagen erhalten, deshalb lief sie durch München, von Laden zu Laden, um nach einer Ausbildung zur Friseuse, Schneiderin oder Verkäuferin zu fragen. Marlen konnte nach ihrem Hauptschulabschluss einfach keine Arbeit finden und musste als Ein-Euro-Jobberin Vogelfiguren und Engel aus Holz herstellen oder Möbel schleppen. Ein älterer Mann in einer Änderungsschneiderei machte sie bei ihrer Tour durch München auf „La Silhouette“ aufmerksam, eine kleine Maßschneiderei in München-Haidhausen.

Jetzt ist Marlen eine von 19 jungen Frauen aus Ländern wie Somalia, Nigeria, Irak, Afghanistan, Türkei oder Äthiopien, die in dem Mode-Atelier eine Ausbildung zur Damenschneiderin machen. Die 21-Jährige ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr und hat vor kurzem ihre Zwischenprüfung bestanden. Sie liebt es, mit Mode, Farben und Stoffen zu arbeiten – vor allem aber hat sie endlich eine berufliche Perspektive. Den Rest des Beitrags lesen »

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Münchner Zwangspause für Minister aus Namibia

Missverständnis in München: Der namibische Minister Kazenambo Kazenambo wurde am Sonntag drei Stunden lang am Münchner Flughafen festgehalten – die Sicherheitsbeamten hielten ihn anscheinend für einen Betrüger.
Der namibische Minister für Jugend, Nationaldienst, Sport und Kultur ist am Sonntag auf dem Weg von Mexiko nach Namibia bei einem Zwischenstopp drei Stunden lang auf dem Münchner Flughafen festgehalten worden. Bei der Routine-Überprüfung des Diplomatenpasses von Kazenambo Kazenambo (SWAPO) fiel auf, dass der Pass dieselbe Seriennummer wie ein gefälschter Diplomatenpass aus Ghana aufwies. 

Zwischenstopp für Minister aus Namibia (Bild: Fernando Polo/Flickr)

Zwischenstopp für Minister aus Namibia (Bild: Fernando Polo/Flickr)

 

 Kein Ausweisdokument dabei
Als die Sicherheitsbeamten den Pass genauer prüfen mussten,  soll es laut dem Ständigen Vertreter der Deutschen Botschaft in Windhoek zu „einer erhitzten Diskussion“ zwischen Minister und Flughafenpersonal gekommen sein, die „offensichtlich eskaliert“ sei.

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Strick-Guerilla gegen Unsichtbarkeit

Interkulturelle Street Art im Münchner Bahnhofsviertel: Die Künstler und Textilaktivisten Stefanie Müller und Klaus Dietl haben mit jungen Migranten aus dem Schneiderprojekt „Fadenlauf“ eine Telefonzelle eingekleidet.

Klaus Dietl zieht sich an einer Zwillingstelefonzelle im Münchner Bahnhofsviertel hoch und stülpt dem Logo auf dem Kabinendach eine pinke Wollmütze über. Dann läuft er mit einer riesigen Stoffrolle, die er wie einen Feuerwehrschlauch abwickelt, immer wieder um die beiden Telefonzellen herum.

Ein Dutzend Jugendliche, darunter Somalierinnen, Uigurinnen oder ein Schüler aus Uruguay und Künstlerinnen aus Südkorea und Mexiko bilden einen Kreis um die Kabinen und stricken die beiden Telefonzellen zwei Stunden lang mit ihren Händen in ein buntes Gittergewand ein – aus geblümter 70er Jahre-Bettwäsche und den Resten alter Kleidung aus verschiedenen Ländern. Die Telefonzellen, aus denen seit dem Boom der Billig-Call-Shops im Bahnhofsviertel kaum mehr jemand in die Welt telefoniert, sind wieder zum Knotenpunkt für Kommunikation geworden.

Handarbeit im Bahnhofsviertel

Handarbeit im Bahnhofsviertel

Das Happening am vergangenen Sonntag hatten sich die beiden Künstler Stefanie Müller, 30, und Klaus Dietl, 35, ausgedacht, um im öffentlichen Raum ein Symbol für interkulturelle Kommunikation zu setzen und jungen Migranten und Migrantinnen aus dem Bahnhofsviertel Gehör zu verschaffen.

Stoff als sozialkritische Projektionsfläche

Einige der Teilnehmerinnen der Strickaktion nähen normalerweise in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber um die Ecke, ein kleiner Raum ist hier für „Fadenlauf“ reserviert. In dem Qualifizierungsprojekt lernen 30 junge Flüchtlinge und Jugendliche mit Migrationshintergrund Schneiderhandwerk, sie kommen aus Irak, Iran, Afghanistan, Ostturkestan, aus dem Kosovo, Nigeria, Äthiopien, Somalia, Burkina Faso oder Sierra Leone. Den Rest des Beitrags lesen »

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Semra und der Islam: „Niemand muss sich in die Luft sprengen“

Koranschule, Moscheebesuche und Schweinefleischverbot: Semra ist von ihren bosnischen Eltern muslimisch erzogen worden. Jetzt ist die Münchnerin 22 Jahre alt und hinterfragt, was der Islam ihr bedeutet.

Die Scheiben für den einzigen Burger aus Schweinefleisch liegen in Plastiktüten eingeschweißt auf dem Grill. Kein Tropfen darf entkommen, die anderen Burger-Sorten berühren. Denn für Muslime gilt Schweinefleisch als „haram“, Allah hat es verboten. Semra, Auszubildende bei einer Fast-Food-Kette, kann die Bratlinge zwar anfassen ohne sich zu ekeln – essen würde sie Schweinefleisch aber nicht. Ihre Eltern hätten ihr „eingetrichtert“, dass es schlimm sei.

Semras Eltern sind in den 1970er Jahren als Gastarbeiter von Bosnien nach Deutschland gekommen, Semra wurde in München geboren. Wie ihre beiden älteren Schwestern ist sie muslimisch erzogen worden. Neben der Grundschule hat sie am Wochenende die Koranschule in einer arabischen Moschee in München besucht. Hinterfragt hat sie den Glauben damals nicht: „Wir hatten nichts dagegen. Es kam eben durch die Erziehung und nicht durch das eigene Überlegen“.

Semra: "Muslime werden pauschal in einen Topf geworfen"

Semra: "Muslime werden pauschal in einen Topf geworfen"

Der Hodscha, der Religionsgelehrte, der mit den Kindern betete und mit ihnen den Koran las, war eine Respektperson und ein Vorbild – gläubig, gebildet, das was er sagte, schien richtig zu sein. Dann verließ der Lehrer seine Frau, brannte mit einer 20-Jährigen durch, und es stellte sich heraus, dass er die Spendengelder an die Moschee in Autos und ein Haus investiert hatte. „Ich weiß nicht, was ich denken soll“, meint Semra. Ihr Glauben ist seitdem erschüttert.

Im Namen von Allah

Die 22-Jährige ist in Bayern „multikulti“ aufgewachsen, mit Freunden aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem Weltanschauungen. Zwar habe sie nie jemand wegen ihres Glaubens schlecht behandelt, doch Vorurteile kennt sie. Nach den Terroranschlägen in den USA vor neun Jahren habe sie sich abgestoßen gefühlt: „Seit dem 11. September haben unsere Nachbarn uns anders angeschaut“. Die Mädchen hätten sich immer an der Tür der Nachbarn vorbeigeschlichen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Anti-Mafia-Fotografin Letizia Battaglia: Tod und Alltag in Palermo

Blutige Tatorte, Mafia-Opfer und Aussichtslosigkeit: Die italienische Fotografin Letizia Battaglia hat das Leben in Sizilien und die Verbrechen der Mafia dokumentiert. Bis zum 6. Juni 2010 sind ihre Bilder in der Ausstellung Letizia Battaglia – Sizilianische Fotografien 1976–2009 in der Aspekte Galerie im Münchner Gasteig zu sehen.

In ihren Fotografien hat Letizia Battaglia den sizilianischen Alltag in den 80er und 90er Jahren und die Macht der Mafia festgehalten: Auf der Straße oder in Hinterhöfen hingestreckte Tote, Prostitutierte in einem blutbespritzten Zimmer, die wegen Streitigkeiten beim Drogenhandel exekutiert wurden, verzweifelte Angehörige. Oder ein Junge mit Strumpfmaske, der Killer spielt und die Normalität in Palermo reproduziert.

Jesus - Lutizia Battaglia

Jesus - Lutizia Battaglia

Fotografie als Waffe

Letizia Battaglia, die ihre Bilder als Waffe und als Zeugnis der Kriminalität eingesetzt hat, ist mehrmals bedroht worden, sie musste ihren Buchladen auf Sizilien wegen Schutzgelderpressung schließen und ihre Arbeit wird in Italien totgeschwiegen. In Sizilien will niemand etwas von ihren Fotografien wissen, Aufträge italienischer Medien – auch für mafiafreie Bilder – erhält sie nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

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München abseits der Stereotype: Neuperlach

Glückliche Kühe, fesche Dirndl und ein Bierkrug in der Hand: Der „typisch“ bayrische Lebensstil wird in Szene gesetzt, um in- und ausländische Touristen anzuziehen. Ein „Heile-Welt-Bild“ will die Tourismus-Expertin Sybille Wiedenmann der Bayern Tourismus Marketing Gesellschaft laut einem Interview in der Süddeutschen Zeitung den Gästen bieten. Milchbauern-Proteste und High Tech passen nicht ins Bild – ebenso wie die Münchner Satellitenstadt Neuperlach. Hier ist es eher grau statt grün: Ein Streifzug in Bildern.

Neuperlach Zentrum (Foto:Fl)

Zirkus Neuperlach (Foto: Fernlokal)
Neuperlach: Brot und Spiele (Foto: Fernlokal)
Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

Siemens in Neuperlach Süd (Foto: Fernlokal)

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Schnee in Deutschland – Schnee in Argentinien?

In München taumelt heute der erste Schnee vom Himmel, in Buenos Aires kündigen sich Frühling und Sommer an. Was in der im Winter verschneiten bayrischen Landeshauptstadt alljährliches Beiwerk darstellt, ist in der argentinischen Metropole eine Seltenheit.

Die Argentinier, bei denen patagonische Gletscher (wie beim Präsidentenehepaar Kirchner) oder die Pisten von Wintersportorten in den Anden wie Las Leñas vor der Haustür liegen, kennen Schnee. Die Hauptstadt, in der sich der Großteil der argentinischen Bevölkerung versammelt, ist dagegen weitgehend eis- und schneefrei. Umso begeisterter sind die Stadtbewohner, wenn es doch einmal schneit – zuletzt 2007. Auf das weiße Wunder hatten sie allerdings auch knapp 90 Jahre gewartet. Der letzte Schneefall vor 2007 fand im Juni 1918 statt – so dass ein bis zwei Generationen zum ersten Mal eine winterliche Stadt sahen.

Schnee

Foto: Albert.ag

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Stereotypes: Mit dem Porsche über die Autobahn

„Autobahn“ – das ist das Erste, was dem Kameramann Cauê und dem Modefotografen Teo aus Sao Paulo zu Deutschland einfällt.

Anders als in Sao Paulo gäbe es auf dieser wunderbaren deutschen Erfindung auch kein Geschwindigkeitslimit, so dass man mit einem Porsche – wahlweise mit seinem Mercedes – unbegrenzt gen Horizont rasen könne.

„Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn“

Auch die Anfang der 1970-er Jahre gegründete Formation Kraftwerk assoziieren die beiden Paulistas mit Deutschland. Die Düsseldorfer Elektro-Pop-Pioniere feierten mit Titeln beziehungsweise Alben wie „Autobahn“ oder „Trans Europe Express“ internationale Erfolge und beeinflussten verschiedene Musikstile – von amerikanischem Elektro-Funk und Techno bis zu HipHop und Baile Funk aus Rio de Janeiro.

Erst zuletzt denken Cauê  und Teo – die eher an die brasilianische Gewohnheit, eine halbe Stunde später zu kommen, gewöhnt sind – an die deutsche Pünktlichkeit. Auf eigene Erfahrungen mit Deutschland kann Teo nicht zurückgreifen; Cauê war bereits in Berlin und München. Von der bayrischen Landeshauptstadt hat auch er allerdings nicht mehr kennengelernt als das bekannteste Klischee: Bei einer Zwischenlandung blieb gerade genug Zeit, um für eine Maß Bier mit dem Taxi in die nächste Kneipe zu fahren.

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