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Mist zu Gold

Der kleine peruanische Küstenort Paracas ist berühmt für seine Inseln voller Vögel – und deren Mist ist ein wertvolles Wirtschaftsgut.

Morgens um acht schießen die ersten Schnellboote voller Touristen an der Küste des Naturschutzgebietes von Paracas vorbei, vorbei an einem riesigen Abdruck, der in den Hang geritzt ist und aussieht wie ein überdimensionaler Kerzenleuchter oder ein Kaktus und um den sich verschiedene Mythen ranken, da niemand seine Herkunft kennt.

Wenn das Boot die Islas Ballestas erreicht, sind die Vögel und Seelöwen aber die größte Attraktion – das Boot treibt an schwarzen oder weißen Felsformationen vorbei, je nachdem, welche Farbe die dort sitzenden, nistenden Vögel haben, die das karge Gestein in lebendiges Gewimmel verwandeln.

„Die arbeiten gerade“, sagt der Touristenführer Louis aus Paracas und deutet auf ein paar Vögel, die gerade weiße Flecken gegen den steil abfallenden Felsen klatschen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Peru: Schwimmende Inseln im Inkareich

Dichter Regenwald, Küsten mit Surfing-Spots, weitläufiges Andenhochland, durch das ab und zu Lamaherden streifen: Peru ist vielfältig, hat sich seine Rauheit und wilde Naturschönheit erhalten.

Der Einfluss europäischer Einwanderer oder westliche Anpassung ist hier kaum zu spüren. Über zwei Drittel der Bevölkerung hat indigene Wurzeln, viele Peruaner leben in armen Verhältnissen, verdienen ihr Geld mit Straßenhandel, Tourismus oder Coca-Anbau.

Der Großteil wohnt in der Hauptstadt Lima, wo durch die Landflucht – in den 80er- und 90er Jahren durch den Terror der Guerilla-Gruppe „Sendero Luminoso“ ausgelöst – illegale Siedlungen, die „pueblos jovenes“, entstanden sind. Viele Touristen verbinden die Entdeckung des Landes mit Freiwilligenarbeit. Sie arbeiten in Waisenhäusern in Lima, oder unterstützen den Aufbau der Hafenstadt Pisco, die vor zwei Jahren von einem Erdbeben zerstört wurde.

 

Uros: Schwimmende Inseln in Peru

Uros: Schwimmende Inseln in Peru

 

Buntes Chaos und Inselleben

Auf knapp 4.000 Metern liegt die quirlige Kleinstadt Puno, zwischen gelb-braunen Bergketten und am Ufer des weitläufigen Titicacasees. Bunte Fahrradtaxen, Marktfrauen, Peruanerinnen mit Melonenhüten, dicken schwarzen Zöpfen mit bunten Bommeln darunter, ein buntes Tuch um die Schultern geschlungen und in weiten Rundröcken: Sie alle bahnen sich ihren Weg gen Hafen, wo die kleinen Boote voller Touristen an- und ablegen.

Die meisten besichtigen die kleinen schwimmenden Schilfinseln, die von ihren Bewohnern – meistens zwei bis drei Familien – immer wieder erneuert werden müssen, um nicht zu sinken. Die Inselbewohner inszenieren für die ausländischen Besucher täglich ein traditionelles Spektakel, obwohl mit Solarzellen, Fernseher und Mobiltelefon längst die Moderne Einzug in die Schilfhütten gehalten hat.

Einen authentischeren Einblick in das Inselleben erlaubt eine Übernachtung auf einer der größeren, weiter entfernten und seltener besuchten Inseln. Unsere Gastgeberin Matilda ist anfangs sehr schüchtern und spricht kaum. Mit Mann und Kind lebt sie in einem bunten Lehmhäuschen mit überwältigendem Panoramablick auf den See, die Familie hat drei Schafe und pflanzt Kartoffeln – auf der kargen Insel der Hauptbestandteil der Mahlzeiten. Ein wenig Geld verdient sie mit Übernachtungsgästen, denen sie Peru-Mützen mit Aufschlag weiterverkauft und für die ihr Mann mit seiner Folkloreband Konzerte gibt.

Von Cusco aus, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareichs, legen wir den Weg zu Perus prominentester Kulturstätte per Mountainbike und zu Fuß zurück: Die geheimnisvolle Inka-Ruine Machu Picchu thront hoch oben, eingerahmt von einer Kette von Bergen. Die Erfindungen der Inkas wie Wasserleitsystem oder die landwirtschaftlichen Terrassen am Steilhang sind beeindruckend – auf die Errungenschaften greifen lokale Kleinbauern oder Steinmetze teils heute noch zurück.

Ein Stück wandern wir auch auf dem legendären und mittlerweile von Touristen überlaufenem Inka-Trail, auf dem früher Boten Nachrichten transportierten. Bei einem Marathon ist ein lokaler Sportler die Strecke in nur drei Stunden gelaufen, wir überstehen die mehrstündige Tour in Höhenluft dank Coca. Für die Peruaner sind die Blättchen des in den Anden kultivierten Coca-Strauchs Alltag – Heilmittel gegen Krankheit, Depression, Müdigkeit, Hunger und spirituelles Beiwerk.

Alte Peruanerinnen verkaufen die grünen Blättchen am Straßenrand aus großen Säcken und das Land stellt ein Drittel der weltweiten Coca-Ernte. Auf einer Anhöhe des Inka-Trails angekommen, opfert jeder Wanderer an einem Steinaltar drei Coca-Blättchen. Sie symbolisieren – ebenso wie die dreistufigen Kreuze, die viele Peruaner um den Hals tragen – die drei Stadien des Inka-Lebens: die Unterwelt, welche eine Schlange repräsentiert, den Puma als Entsprechung der Erde und den stolzen Greifvogel Condor als Symbol des Himmels.

(sop)

 

Handwerk auf den Uros

Handwerk auf den Uros

 

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