Fernlokal

Online-Magazin für kulturelle Korrespondenzen und Kontraste

Kurzfilmfestival in Rio de Janeiro

Zum 21. Mal veranstaltet Rio de Janeiro das internationale Kurzfilmfestival „Curta Cinema“. Zehn Tage präsentieren sich Filmemacher aus Rio, Brasilien und der ganzen Welt.

Ein Raunen geht durch die Masse als Beitrag vier beginnt: Nahaufnahme einer nackten Frau – nur ihre Beine sind sichtbar, während sie sich die Schnürsenkel um die weißen Rollschuhe bindet. Der Saal des historischen Kinos Odeon in Rios Zentrum ist zur Premiere der diesjährigen Kurzfilme aus Rio de Janeiro, dem „Lançamento Carioca“, vollständig besetzt. Die Filmemacher selbst erscheinen zur Vorstellung, um ihre drei bis zwanzigminütgen Filme vorzustellen.

Dabei variieren die Beiträge von der laienhaften Einpersonen-Geschichte „My Birthday-Party“ über einen einsamen Geburtstag während eines Auslandsaufenthaltes bis zum professionellen Crew-Stück wie „Os Sapos“ oder „As Heranças“, die zwischenmenschliche Beziehungen aufarbeiten. Zum Teil wirken die Filme sehr künstlerisch, ohne Dialog und Interaktion, dafür mit langatmigen Sequenzen.

Internationaler Wettbewerb

In der Gruppe internationaler Beiträge finden sich mehrere deutsche Filme. „Ausstieg“ – ein Monolog, gesprochen auf Bilder einer S-Bahnfahrt in Berlins Mitte. Den Rest des Beitrags lesen »

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Kirsten Heisig: Tod einer Richterin

Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig wollte die Welt verbessern, indem sie kriminelle Jugendliche möglichst schnell verurteilt. Was führte zu ihrem Tod?

Sommer 2010 – Es war schwer zu glauben, dass Kirsten Heisig sich umgebracht haben soll – die Berliner Jugendrichterin, die immer für das „Neuköllner Modell“ gekämpft hatte, auch gegen die eigenen Kollegen – und Einsicht bei kriminellen Jugendlichen durch harte Bestrafung beim ersten Mal erreichen wollte.

Die sich engagierte und versuchte, sich mit den Jugendlichen, betroffenen Eltern, mit Migrantenorganisationen auszutauschen, aufzuklären. Die kurz vor Veröffentlichung ihres Buches „Das Ende der Geduld“ stand – das dann eine öffentliche Debatte über Jugendkriminalität auslöste, die Heisig immer angestrebt hatte. Den Rest des Beitrags lesen »

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„Cuchillo de palo / 108“: Folter und Schweigen in Paraguay

In „Cuchillo de palo / 108“ vermittelt die Filmemacherin Renate Costa Perdomo die Situation von während der Militärdiktatur verfolgten und gefolterten Homosexuellen.

Die 108 ist in Paraguay ein Symbol für die Verfolgung und die Folter von Homosexuellen während der Diktatur des Militärgenerals Alfredo Stroessner – auf öffentlichen Listen wurden damals erst 108 Männer, dann weitere, zwangsgeoutet. Renate Costa Perdomos Onkel Rodolfo war einer dieser Geächteten.

Die junge Filmemacherin verfolgt die Geschichte ihres Onkels mit der Kamera, versucht, das Schweigen ihrer Familie zu durchbrechen und zeigt auf, wie wenig die Vergangenheitsbewältigung in Paraguay fortgeschritten ist und wieviel bis heute verdrängt wird:

„Of all my uncles, Rodolfo was the only one who didn’t want to be a blacksmith like my grandfather: He wanted to be a dancer. The search for the traces of his life leads to the discovery that in the eighties in Paraguay, under Stroessner’s dictatorship, Rodolfo was included in one of the „108 lists of homosexuals“, arrested and tortured. Rodolfo’s story reveals a part of the hidden and silenced history of my country. In „Cuchillo de Palo 108“ two generations come face to face in a confrontation that ultimately allows each of us to understand our place in the world.“

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Schöne fremde Welt: Ultraorthodoxe Aussteiger in Israel

Junge Israelis, die in einer ultra-orthodoxen Familie aufgewachsen sind, entdecken nach ihrem Ausstieg ein ganz neues Leben.

Zwischen Moderne und Mittelalter liegen in Israel oft nur wenige Meter. In Vierteln wie Mea Shearim in Jerusalem leben ultraorthodoxe Juden abgeschottet von der modernen Welt, die Religion bestimmt ihren Alltag.

Nur wenige, die in der streng-religiösen Gemeinschaft aufwachsen, wagen den Ausbruch und verlassen ihre Familien. Die Aussteiger müssen erst lernen, sich in der modernen Welt zurechtzufinden – eine schwierige Herausforderung.

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Kino in Mexiko City: La Casa del Cine

Mexikanischer und lateinamerikanischer Film, alternatives Kino und Forum für Cineasten.

La Casa del Cine ist ein Open-Space für Filmliebhaber und Filmemacher, in dem täglich zwei mexikanische oder lateinamerikanische Filme zu Minimalpreisen (20 Pesos bzw. 15 Pesos für Studenten) gezeigt werden, wo Raum und Technik in einem schönen, alten, renovierten, lichtem Gebäude zur Verfügung gestellt werden, damit jeder seine eigenen Filme schneiden und vorführen kann, und wo auch noch andere Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionsabende oderWorkshops mit der Kamera angeboten werden.

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„El Narco no hay fronteras“

Ein Zimmer, ein Killer: In dem Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi erzählt ein Mexikaner von Kidnapping, Folter, Mord und seinem Leben für ein Kartell.

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Die neue Nerd-Show

Das Internet wird von schrägen Menschen für schräge Menschen gefüllt. Und wenn dann die virale Netzmaschine anspringt, ist ein Hit garantiert: So geschehen mit „Türkisch Deutsch/Deutsch Türkisch“ von Kathrin Fricke alias Coldmirror.

Wer türkisch spricht, sollte jetzt Humor beweisen. Denn: „Türkisch Deutsch/Deutsch Türkisch“ ist ein neuer Hit. Das Musikvideo mit dem einprägenden Refrain „Keks alter Keks“ geistert durch die sozialen Netzwerke, es wird sogar international verlinkt. Es ist eine eigenwillige Interpretation und Deutsch-Synchronisation eines türkischen Pop-Songs, ein absichtliches „Mishearing“, also Falschverstehen. Aus türkischem Liedtext wird so ein deutscher „gesunder Streuwagen“ oder „Keks mit Ohr-Sand“.

Screenshot Youtube-Kanal von Coldmirror

Für viele eine neue Internet-Entdeckung, dabei ist die Produzentin schon länger im Netz aktiv und hat einige „Falschverstehen“-Videos erstellt: Kathrin Fricke alias Coldmirror ist eine Internet-Comedian.

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Frauen in Indien: Unerwünscht

Indien gilt als größte Demokratie und aufstrebender wirtschaftlicher und politischer Global Player. Doch die Situation vieler Frauen ist katastrophal.

Der Einblick in das Leben indischer Frauen ist erschütternd: In der zwölfminütigen Multimedia-Slideshow „Undesired“ zeigt der argentinische Photo-Journalist Walter Astrada, wie die Geburt eines Sohnes in vielen Fällen als einzige Daseinsberechtigung angesehen wird, Frauen als Belastung gelten und in jeder Lebensphase diskriminiert werden.

Wurden weibliche Babys in Indien früher oft direkt nach der Geburt erstickt, ertränkt, verbrannt oder vergiftet, addieren moderne Möglichkeiten wie Ultraschall nun eine Praxis hinzu, wie man sich der Tochter noch früher entledigen kann: Etwa 7.000 Mädchen werden den UN zufolge täglich abgetrieben. Geschlechtsabhängige Abtreibungen sind zwar inzwischen illegal, doch viele Ärzte beugen sich dem Wunsch der Eltern dennoch – und kassieren das Geld. Den Rest des Beitrags lesen »

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Fernlokal Soundtrack #3: „Loving Strangers“ von Russian Red

„Loving strangers“: Russian Red singt den Titelsong des neuen Films von Julio Médem.

Geboren 1986, Gründung des Projekts „Russian Red“ 2007: Lourdes Hernández aus Madrid ist eine junge Indie und Folk Singer-Songwriterin, die 2008 zuerst auf MySpace und dann mit ihrem ersten Album „I love your glasses“ auf sich aufmerksam machte. Vergleiche mit der ebenfalls sehr jungen kalifornischen Singer-Songwriterin Joanna Newsom sind höchstens in Bezug auf den Mädchenmädchenstil angebracht, nicht jedoch inhaltlich (Newsoms Stimme löst bei mir leider eine sofortige Agression aus).

Russian Reds Song „Loving Strangers“ jedenfalls ist auch die Titelmelodie von „Habitación en Roma“, dem neuesten Film des spanischen Regisseurs Julio Médem („Los amantes del circulo polar“, „Lucía y el sexo“), in dem zwei Frauen eine Nacht miteinander verbringen und sich nicht nur körperlich enthüllen.

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Argentinisches Wanderkino: Unterwegs auf staubigen Straßen

Flüchtige Filme für Dörfer, Gefängnisse oder Schulen: Das Cine Móvil bringt Kino bis in die letzten Winkel Argentiniens – und ist auch durch Deutschland gereist.

Die Befürchtung vieler Häftlinge, dass die Zeit nach dem Gefängnis schlimmer sein könnte als die Zeit darin, ist universell. Auch die Insassen der Justizvollzugsanstalten in Berlin, Hamburg oder Rottenburg stellten Gemeinsamkeiten mit dem Argentinier aus Un Oso Rojo, Der rote Bär, fest. Nach seiner Entlassung wird der Protagonist des Films von Adrián Caetano mit seiner zerrütteten Ehe konfrontiert, trifft auf gesellschaftliche Vorurteile und strauchelt bei der Rückkehr in den Alltag.

Parallelen zur deutschen Lebenswirklichkeit lassen sich in allen 14 Filmen entdecken, die das argentinische Wanderkino Cine Móvil aus der Provinz Córdoba bei seiner sechswöchigen Deutschlandreise gezeigt hat – es ging um Migration und die Spätfolgen von Diktatur, Zukunftsperspektiven für Jugendliche oder um die Wirtschaftskrise.


Im September und Oktober hat das Cine Móvil-Team insgesamt 6000 Kilometer quer durch Deutschland zurückgelegt und durch die nationalen Filme, aber auch durch die spezielle Art der Präsentation argentinische Kultur zu Gefängnissen, Kulturinstituten, Schulen und kleinen, kinofreien Orten transportiert.

Auch das Kinosterben ist eine deutsch-argentische Gemeinsamkeit. „Unterwegs sind wir an einigen leerstehenden Kinos vorbeigekommen“, sagt die deutsche Journalistin und Filmemacherin Ute Schneider, die in Córdoba lebt und die Deutschlandtour des Wanderkinos mitorganisiert hat. Den Rest des Beitrags lesen »

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Thematisches

Kulturhauptstädtisches: Fernlokal bei Zwanzig10

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